Review

Weil sich Unterschicht mit jedem Album der „Monster“-Trilogie steigern konnten, ist es fast schon schade, dass „Monster Akt 3: Hassorgasmus“ das Finale des infernalischen Trips zu den menschlichen Abgründen darstellt.

Konnte „Monster Akt 2: Wir sind was wir sind“ bereits den Auftakt der Trilogie übertrumpfen, steigert sich das Projekt von Sven Hegewald im dritten Akt ein weiteres Mal. Beibehalten werden die harschen, treibenden und mehr als tanzbaren Beats, die Unterschichts elektronische Ausrichtung zu Genrebezeichnungen wie Hellectro, Industrial, Dark Electro und EBM tendieren lassen. Die vor Aggression triefenden Sounds kopulieren zuweilen mit sanften Momenten, in denen entweder Samples oder die weibliche Gesangsstimme von Keyboarderin Maria Fendler feinfühlig den Ton angeben. Dies jedoch immer nur so lange, bis Unterschicht sich explosionsartig – dem Untertitel des Albums entsprechend – in ihrem „Hassorgasmus“ entladen.

Wie in besagten Genres üblich darf auch bei Unterschicht der eine oder andere explizite Titel nicht fehlen. Ein besonders „schönes“ Stück ist daher zum Beispiel „Diene meinem Penis“. Der Songname ist gleichzeitig auch der einzige Text des Tracks, zu dem schon ein Musikvideo produziert wurde. Aber sind wir ehrlich, mit „Diene meinem Penis“ ist ja auch alles Relevante gesagt; präziser und kürzer kann man sich doch nicht mitteilen.

Im Vergleich dazu wirkt der nachfolgende Song „Ich werde Dich immer lieben“ geradezu romantisch. Doch wer Unterschicht kennt, weiß, dass der Schein trügt. Textlich gibt man sich morbide, musikalisch wird das harsche Grundgerüst beibehalten, welches man bisher ausgiebig gezeigt und so manches Tanzbein damit strapaziert hat.

Unterschicht (Copyright: Unterschicht)

Unterschicht (Copyright: Unterschicht)

Mit „The Hate In Our Eyes“ und „Fucking Hate You“ präsentieren Unterschicht ihre Lyrics kurzzeitig zudem in englischer Sprache – und man muss keine nennenswerten Fremdsprachenkenntnisse besitzen, um herauszufinden, dass Hass ein großes Thema auf „Monster Akt 3: Hassorgasmus“ ist. Das spiegelt sich nicht nur im aggressiven Grundton der Texte und Musik wider, sondern auch im Gesang, der erneut mit reichlich Verzerrung ausgestattet wurde.

Wie schon auf „Monster Akt 2: Wir sind was wir sind“ bauen sich auch die Tracks des Finales ähnlich auf und leben von Wiederholungen eingängiger elektronischer Parts und Effekte. Trotz einiger Ähnlichkeiten untereinander, wenig innovativen Songstrukturen und den dominierenden temporeichen Beats reißen die Songs die Hörer mit.

Somit ist der Abschluss der Trilogie nicht nur für Fans des Projekts attraktiv, die damit ihre „Monster“-Sammlung vervollständigen können, sondern außerdem für all jene empfehlenswert, die sich mal wieder tänzerisch verausgaben oder einfach nur ihre Aggressionen auf musikalische Art und Weise abbauen wollen.

Video

Tracklist

01 Sag mir was Du fühlst
02 The Hate In Our Eyes
03 Tanz mit dem Monster
04 Diene meinem Penis
05 Ich werde Dich immer lieben
06 Fucking Hate You
07 Frau Holle (feat. Centhron)
08 Psychopath
09 Schänder
10 Hassorgasmus
11 Deine Zeit ist abgelaufen
12 Succubus
13 Ich bin Dein Hass

Details

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Label: Danse Macabre
Vö-Termin: 27.11.2015
Spielzeit: 55:55

Copyright Cover: Danse Macabre



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde