Review

Seit 2014 veröffentlicht das Trio Unplaces im Abstand von zwei Jahren neues Material. Nach „Time“ (2014) folgte die EP „Ambition“ (2016) und 2018 soll es nun das Album „Changes“ sein, auf dem sich Dorette Gonschorek (Gesang, Gitarr, Trompete, Sounds), Petra Franetzki (Bass) und Daniel Fasold (Drums) kreativ austoben.

Während man sich stilistisch weitgehend treu bleibt, indem scheinbar grenzenlos diverse Genre-Elemente miteinander verwoben werden, um am Ende ein atmosphärisches Gemisch aus Rock, Wave und Electro zu fabrizieren, spiegelt der Albumtitel die jüngsten Geschehnisse des Dreiergespanns wider, die insbesondere in der Veränderung des Bandnamens – von NRT zu Unplaces – gipfelten.

Und auch songwriterisch ging man für „Changes“ auf andere Weise als üblich zu Werke. Bisher Song für Song komponierend, stehen nun die insgesamt 14 neuen Songs im direkten musikalischen wie inhaltlichen Zusammenhang. Der konzeptionelle Grundgedanke und die Songmasse (im Vergleich zur mit eigenem Material eher kurz geratenen EP „Ambition“) stehen daher zunächst einmal im Fokus der Hörer.

Jene werden sodann mit dem Opener „Utopian Dream“ auf (im positiven Sinne) lethargische Art und inklusive Ritual-Charakter abgeholt und zu einer abwechslungsreichen und stimmungsvollen Reise eingeladen. Diese weckt nicht nur einige Male Assoziationen zu Anne Clark & Co., sondern führt von chilligen Wave-Titeln über avantgardistische Songs bis hin zu rockigen Tracks, während die elektronische Begleitung (mal mehr und mal weniger poppig) die Tanzbarkeit einiger Stücke untermalt.

Reine Discomusik findet man bei Unplaces jedoch nicht vor; vielmehr setzen die drei Musizierenden auf (insbesondere melancholische) Atmosphäre.
Dazu trägt vor allem der Gesang von Dorette Gonschorek unterstützend bei. Ihre stimmliche Eigenart muss man mögen, um mit Unplaces warm zu werden. Der Band selbst verleiht die Sängerin jedoch einen hohen Wiedererkennungswert und das gewisse Etwas.

Unplaces (Copyright: Unplaces)

Das wird auch in dem Coversong „Such A Shame“ (ursprünglich von Talk Talk) deutlich. Zwar nah am Original, verleihen hier zudem die Gitarrenarbeit und – die auch in anderen Songs auf „Changes“ häufig ihren Platz findenden – Trompeteneinlagen dem Track eine eigene Note und versehen ihn mit der eigenen Handschrift von Unplaces. Bei all den musikalischen Akzenten, die dem Titel verpasst wurden, werden auch die gefühlvolle Seite des Songs sowie ein gewisser 80er-Charme nicht vernachlässigt. Durchaus also sehr passabel interpretiert.

Und auch die restlichen Nummern von „Changes“ geben ein stimmiges Gesamtbild ab, das sich jedoch stellenweise zu sehr in repetitiven Phasen und dadurch scheinbaren Längen verliert. Der atmosphärischen Entwicklung einiger Songs tut dies verhältnismäßig gut, die Stimmung des Albums bleibt hingegen sehr ähnlich. Zudem muss sich der Hörer bewusst auf das musikalische Geschehen einlassen, um aufmerksam bis zum Ende durchzuhalten. Bei satten 14 Tracks mag das für manch einen schon eine Herausforderung sein.

Unplaces veröffentlichen mit „Changes“ somit kein Album für jedermann. Wer die Formation aber bereits unter altem Namen gefeiert hat, wird von ihr auch jetzt nicht enttäuscht werden.

Video

Tracklist

01 Utopian Dream
02 Escape
03 Changes
04 The Left Behind
05 Lost In Space
06 Such A Shame
07 Reset
08 Downshifting
09 Insight
10 Mister Bot
11 Freedom
12 Pseudo Reality
13 Against Ourselves
14 Open End

Details

Unplaces – Homepage
Unplaces – Facebook

Label: Tangrami RecordsTimezone Records
Vö-Termin: 01.06.2018
Spielzeit: 58:40

Copyright Cover: Tangrami Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde