Review

„Stay Ugly“ heißt die aktuelle EP der Band Tyler Leads, die mit den darauf zu findenden sechs Songs dem traditionellen Heavy Rock frönt, welcher hier live eingespielt wurde.

Dieses Vorgehen ist bereits das erste herausstechende Merkmal ihrer Veröffentlichung, das zudem den dreckigen, rohen Sound erklärt. Glasklar und überproduziert gibt es bei Tyler Leads somit nicht, vielmehr setzt das Quintett auf hörbare Authentizität und lässt dadurch gleichzeitig eine Menge Energie und Spielfreude Einzug auf „Stay Ugly“ halten. Das Ergebnis dieses Live-Charakters passt insgesamt nicht nur zur EP-Namensgebung, sondern auch zum hier – äußerst konsequent – gefahrenen Stil der Band.

Ohne Blicke nach rechts und links verfolgen Tyler Leads die straighte Rock-Spur und lassen dabei für Fans des Genres durchaus Erinnerungen an die guten alten Zeiten wach werden. Doch auch Hörer fern ihrer Stilrichtung werden auf dem kurzen Trip mit „Stay Ugly“ abgeholt, denn ausnahmslos alle Songs besitzen Groove und mitreißende Melodien, die niemanden still sitzen lassen werden.

Vor allem die gekonnt gespielten Riffs begeistern, auch wenn man damit nicht nennenswert das Rad neu erfindet.
Gesanglich ist das Maß an Abwechslungsreichtum hingegen schnell voll. Obschon stimmlich gut mit Klang und Musikrichtung harmoniert wird, muss man das älter klingende als seiende Organ des Sängers Johnny Kovacs schon mögen, um seiner nicht müde werdenden Dauerbeschallung standzuhalten. Unabhängig davon, ob man seine Sangeskunst aber nun mag oder nicht, muss man Kovacs hoch anrechnen, dass er es versteht, pausenlos Gas zu geben und in seinen jungen Jahren so tönt, als sei er bereits jahrelang auf den Bühnen dieser Welt zuhause gewesen. Hier müssen sich die Großen der Szene warm anziehen, denn aus Recklinghausen, der Heimat der Band, zieht ein Heavy Rock Sturm auf, der ihnen vielversprechend das Wasser reichen kann.

Tyler Leads (Copyright: Marcel Blank)

Wie sich die Band allerdings auf ihrem nächsten vollwertigen Album letztlich schlagen wird, bleibt nach der Momentaufnahme namens „Stay Ugly“ zunächst noch abzuwarten, denn trotz hoher Catchiness und dem Hörer nicht verborgen bleibender Spielfreude nutzen sich die Songs insgesamt schnell ab. Vermögen sie zwar auch noch nach mehrmaligem Konsum zum Kopfwippen zu animieren, vermisst man abseits von der soliden Rock-Performance doch ein paar Highlights, die nachhaltig Eindruck hinterlassen. Was „Stay Ugly“ allerdings ohne Zweifel verrät, ist die Tatsache, dass Tyler Leads definitiv eine Live-Band ist, die ihr Handwerk versteht. Ihr locker aus dem Ärmel geschüttelter Heavy Rock sollte daher in Genre-Kreisen auf große Begeisterung stoßen, wozu die unverbrauchte Ausstrahlung der Band ihr Übriges tun wird.
Ein Kandidat, der spätestens nach der EP „Stay Ugly“ sorgfältig unter Beobachtung gestellt werden sollte.

Video

Tracklist

01 Call Of The Wild
02 Dreameater
03 Lady In Green
04 Undesired Numb
05 The Witch
06 Electric Wasteland

Details

Tyler Leads – Homepage
Tyler Leads – Facebook

Label: Eigenvertrieb / recordJet
Vö-Termin: 28.07.2017
Spielzeit: 27:36

Copyright Cover: Tyler Leads



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde