Review

Nach dem Betrachten des Bandnamens Torpus & The Art Directors, die einst in Dortmund als Vorband für Turbostaat und Kettcar auftraten, stellten sich bereits damals die Fragezeichen in meinem Kopf auf. Vor allem weil nicht einzuschätzen war, was von dieser Band zu erwarten war. Im Nachhinein bereue ich es immer noch „From Lost Home To Hope“ nicht vom Merchstand mitgenommen zu haben, da ich bestimmt für ein Viertel der knapp 50.000 Aufrufe vom Video zu „Known, Seen, Judged“ auf YouTube verantwortlich bin. Und die Musik der Truppe ist immer noch schwer einzuschätzen, weil sie wirklich so viel mehr bietet als nur Folk mit eingespanntem Indie.

Außerdem erfreulich ist, dass die aktuellste Platte „The Dawn Chorus“ erneut den warmen Platz im Schoße von Grand Hotel van Cleef gefunden hat. Und sie klingt genau so, wie es das Cover darstellt. Irgendwie ländlich, frei von jeglicher Urbanisierung und statt wichtigen Terminen rennt man Schafen hinterher. Für diesen Sound muss man sich wirklich Zeit lassen, denn erst dann entfaltet sich die Schönheit der Songs. Und aller guten Dinge sind nun mal dreizehn.

Was die Musik von Torpus & The Art Directors unter anderem ausmacht, ist die Vielfalt an verschiedenen Instrumenten, die auch live zum Einsatz kommen. Dadurch verleiht die Band dem Album einen sehr rustikalen Sound. Getrieben wird alles natürlich von einer scheppernden Westerngitarre und starkem, bodenständigem Gesang. Oft in tiefen Lagen gehalten, während die weibliche Stimme im Hintergrund immer wieder ein nettes Detail ist, auf das man achten sollte.

Durch „Known, Seen, Judged“ zog sich stets eine Melodie, die unterbewusst immer eine gewisse Melancholie mit sich brachte. Auch auf „The Dawn Chorus“ gibt es so etwas wieder. Deutlich hervorgehoben durch die Blasinstrumente, wie auf „Poem For A Friend“. Dieser Titel zieht einen sofort zu Beginn mit in seinem leichten Western-Stil, dessen Rhythmus zum Ende hin immer galoppierender voranschreitet, in seinen Bann.

Aber die meiste Zeit geht es mehr im gemütlicheren Tempo zu. Daher sind ein paar schnellere Titel oft eine schöne Abwechslung. Darunter auch „Two Hearts“, in dem erneut die Blechbläser zum Tragen kommen. Einen Ohrwurm gibt es mit „Love It As It Comes“, das man von da an immer vor sich hinsummen möchte.

Torpus & The Art Directors (Copyright: Grand Hotel van Cleef)

Torpus & The Art Directors (Copyright: Grand Hotel van Cleef)

Durch viele der Songs zieht sich ebenfalls unkompliziertes Fingerpicking, welches die Gesamtstimmung von „The Dawn Chorus“ gut transportiert. Dafür steckt die Band aber auch voller Überraschungen. Obwohl man mit diesem Album erst warm werden muss, gibt es durchaus Momente, wie in „Dawn Song“, die den Hörer auf Anhieb ansprechen.

Was gibt es abschließend noch zu sagen? Torpus & The Art Directors muss man einfach mögen, insbesondere durch die omnipräsente Sympathie, die diese Band ausstrahlt. Auf „The Dawn Chorus“ werden keine allzu komplexen Songstrukturen geschaffen, dennoch hört sich das Gesamtergebnis gewaltig an. Neuankömmlinge müssen mit dem Material allerdings erst einmal warm werden, um es schätzen zu lernen.

Eine Platte, die auf den ersten Blick einseitig scheint, aber auf den zweiten so viel mehr bietet und regelmäßig für abwechslungsreichen Hörgenuss sorgt. Definitiv eine Band, mit dessen Merch man sich bekleiden möchte, um voller Stolz und aus Überzeugung behaupten zu können, ein Fan von Torpus & The Art Directors zu sein.

Video

Trackliste

01 In Hushed Tones
02 Dawn Song
03 Water
04 From Holding Your Hands
05 Poem For A Friend
06 I Can Decide By Myself
07 Don´t Gather Roses
08 Sleeping On The Backburner
09 Bright Eyes
10 Mirror Mirror
11 Two Hearts
12 Love It As It Comes
13 Roll It Up Again

Details

Torpus & The Art Directors – Homepage
Torpus & The Art Directors – Facebook

Label: Grand Hotel van Cleef
Vö-Termin: 13.03.2015
Spielzeit: 49:35

Copyright Cover: Grand Hotel van Cleef



Über den Autor

Christopher