Review

Rich Rutter, Tom Potter, Josh Haysom und Matt Dobson könnten zwar rein namentlich dem „Harry Potter“-Universum entstammen, kommen aber stattdessen aus Southampton und sind darüber hinaus ganz real.

Womit man es auf ihrem Debütalbum „No Quarter“ zu tun bekommt, deutet zum einen der teils plakative Bandname Toledo Steel, zum anderen die Schwert haltende Faust auf dem Cover des Erstlingswerks an und lässt spätestens mit dem Songtitel „Heavy Metal Headache“ keine Zweifel mehr: Traditioneller Heavy Metal mit deutlicher 80er-Jahre Note kracht den Hörern in acht Songs aus den Boxen entgegen.

Dies jedoch leider einige Jahre zu spät, denn während sich selbst das traditionellste Genre und seine Bands inzwischen weiterentwickelt haben, steht die Zeit bei Toledo Steel scheinbar still. Dadurch und durch den Mangel an neuen oder zumindest guten Ideen drängt sich der Eindruck auf, es hier mit einer Tribute-Band zu tun zu haben.
So will sich das Quartett natürlich nicht verstanden wissen, doch mehr als einfache, simple und letztendlich belanglose Songs werden auf „No Quarter“ nicht präsentiert. Entsprechend unterfordert ist auch der Rhythmusgitarrist, während sich die Leadgitarre zumindest in einigen guten Soli in Szene setzen kann.

Möglich ist dies durch auffällig lange Songs, wodurch jedoch verpasst wird, einige Titel besser auf den Punkt zu bringen.
Da es den Songs außerdem an Highlights mangelt, ermüden die acht Songs trotz temporeicher Anlage sehr schnell.

Toledo Steel, 2018 (Copyright: Scott Chalmers)

Wenig authentisch wirkt zudem der Gesang, der es mit stimmlichen stilgetreuen Schnörkeln und Sangeskünsten derart gut meint, dass die Vocals eher affektiert erscheinen. Einer Tribute-Band würde man daraus keinen Strick drehen, einer eigenständigen Band, die musikalisch ernstgenommen werden will, hingegen schon.

Durchhalten werden bei „No Quarter“ somit nur jene Hörer, die – wie Toledo Steel – ebenfalls der alten Hochzeit des Heavy Metal nachtrauern und mit den Engländern die Lücke gefüllt wissen wollen, die das Voranschreiten der Zeit und die damit einhergehende Weiterentwicklung von Genre, Bands und Sound hinterlassen haben. Wer seine Kutte also noch trägt, statt sie als Erinnerungsstück an die Wand genagelt zu haben, könnte Freude an dem Album haben.

Video

Tracklist

01 Behold The Machine
02 No Quarter
03 Cemetery Lake
04 Visions In The Fire
05 Sight Of The Sniper
06 Rock Nights
07 Heavy Metal Headache
08 When The Night Draws In

Details

Toledo Steel – Homepage
Toledo Steel – Facebook
Toledo Steel – Twitter

Label: Dissonance Productions / Soulfood
Vö-Termin: 25.05.2018
Spielzeit: 41:03

Copyright Cover: Dissonance Productions



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde