Review

Es war viel los in der Band Thy Art Is Murder: Sänger raus, neuer rein und dann wieder den alten zurückgeholt. Nun wollen die Jungs mit dem Album „Dear Desolation“ den Markt erobern; dieses Mal weniger politisch und mit deutlich mehr Death Metal Anteil. Die ersten Songvorstellungen konnten schon überzeugen, doch bewahren Thy Art Is Murder ihren Deathcore vor dem Existenzaus?

Die Entscheidung, die Platte mit “Slaves Beyond Death“ einzuläuten, war eine der besten, die man hätte treffen können. Der Track ist ein unfassbarer Brecher und zeitgleich der stärkste Song auf „Dear Desolation“. Der Mix ist gewohnt kräftig und äußerst clean. CJ am Mikro gehört nach wie vor zu den ganz Großen im Death Metal und so ist es eine Freude, ihn wieder in der Band zurück zu wissen. Schon hier merkt man die neue Ausrichtung gen Death Metal.

„The Son Of Misery“ weist genau das gleiche Muster auf. Dieser Track wirkt jedoch noch deutlich tiefer und weniger groovy. Das gilt jedoch nicht für die ganze Scheibe. Die groovt nämlich ganz schön, doch das hat einen entscheidenden Nachteil: Sie wiederholt sich bis zur ersten Hälfte. Zwar sind die Songs gut und abwechslungsreich, aber mit Ausnahme des ersten Tracks bleiben weitere Brecher aus. Diesbezüglich hatten die letzten Alben definitiv mehr zu bieten.

Da hilft auf der Titeltrack nicht drüber hinweg. Obwohl gut geschrieben und die Hörer schnell abholend, klingen die Riffs an manchen Stellen wie Lückenfüller; zu hören ist dies auch verstärkt in der zweiten Hälfte des Albums.

Ob wir einen schlechten Abklatsch von The Acacia Strain erleben dürfen oder Deathcore-Mechaniken aus dem Jahre 2005 ertragen müssen, hier ist leider für jeden etwas dabei. Würden die Jungs ihre Hörer nicht immer mal wieder mit einem guten Breakdown abholen, hätten sie es diesmal sehr schwer. Hört man sich beispielsweise „Into Chaos We Climb“ an, fragt man sich, wohin der Track führen soll. So richtig gibt es hier kein Ziel.

Thy Art Is Murder (Copyright: Jake Owens)

Über die instrumentale Ebene kann man natürlich nichts Negatives behaupten, da die Jungs echt fit sind an ihren Instrumenten. Doch schaut man sich den Hype um die Band an, ist das neue Album „Dear Desolation“ eigentlich eher enttäuschend. Es hat hier und da seine Momente und auch Highlights, doch gesamt gesehen hätte einfach viel mehr kommen müssen.

Durch die Rückkehr des alten Sängers mit neuer Energie erwartete man eine Truppe, die Bock hat. Das Album hätte somit der Kracher schlechthin werden müssen. Leider liefern Thy Art Is Murder dies nicht ab. Da kann man sich nur noch auf eine Liveperformance freuen und sich bis dahin die Lieblingsstücke aus dem Album picken.

Video

Trackliste

01. Slaves Beyond Death
02. The Son Of Misery
03. Puppet Master
04. Dear Desolation
05. Death Dealer
06. Man Is The Enemy
07. The Skin Of The Serpent
08. Fire In The Sky
09. Into Chaos We Climb
10. The Final Curtain

Details

Thy Art is Murder – Facebook
Thy Art is Murder – Twitter

Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 18.08.2017
Spielzeit: 38:16

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Marcus
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