Review

Gegründet 1989, blicken Thunder aus Großbritannien auf eine umfangreiche Bandgeschichte zurück, die nicht nur zahlreiche Top 50 Singles und zwei Gold-Alben hervorbrachte, sondern die Truppe in ihrer Heimat auch zu einer festen Rockinstitution formte.

Verlässlicher Rock mit teils deutlicher Blues-Prägung steht auch auf dem elften Studioalbum namens „Rip It Up“ auf dem Programm. Allzu zeitgenössisch fällt jener jedoch nicht aus, sodass hier vor allem AOR-Fans und eingefleischte Thunder-Liebhaber auf ihre Kosten kommen werden.

Dabei ist es nicht so, dass das Quintett keine guten Melodien aus dem Hut zaubern könnte. Jene sind in nahezu allen Songs zu finden und münden zudem nicht selten in gelungenen Gitarrensoli. Allerdings begeistern diese nur auf Songlänge, bleiben anschließend aber weder im Ohr noch nachhaltig im Gedächtnis. Damit ist „Rip It Up“ vor allem eine Veröffentlichung, die gut nebenbei oder im Hintergrund laufen kann.

Dies macht sich auch in der Ballade „Right From The Start“ bemerkbar, welche nicht die emotionale Stärke erreicht, wie Klassiker des Genres es vermögen.

Insgesamt scheint es oftmals, dass Thunder hier ein Pflicht-, nicht aber ein Kürprogramm absolvieren.
Dass dies nicht nur zum Nachteil gereicht, stellt „Shakedown“ unter Beweis. Der Track zeigt, dass die Songs von Thunder umso zündender funktionieren, je einfacher und straighter sie gehalten sind. Somit schaffen sie es in diesem Fall, selbst im Pflichtteil überzeugend aufzutreten.
In „Tumbling Down“ hingegen beschränkt sich die Band zeitweise (und insbesondere im ausgedehnten Instrumentalpart des Liedes) derart stark auf dasselbe Riff in Endlosschleife, dass diese Simplizität in Monotonie mündet. Hier wäre daher eine Kür die bessere Wahl gewesen.

Thunder (Copyright: Thunder)

Zwar in eine moderne Produktion verpackt, bieten Thunder mit „Rip It Up“ (Neu)hörern wenig Anreize, sie als alte oder neue Helden unbedingt feiern zu müssen. Solide zocken sie ihren Rock, der sich über ihre drei Jahrzehnte Bestehen bereits bewährt hat, und heben sich dadurch gleichzeitig nicht nennenswert von anderen Bands des Genres ab.

Als Ergänzung der eigenen gepflegten (Hard)Rock-Playlist ist „Rip It Up“ somit durchaus empfehlenswert, eine echte Alternative zu Genregrößen oder eine Chance, sich neue Hörer zu erschließen, stellt das aktuelle Album der Briten jedoch nicht dar.

Video

Tracklist

01 No One Gets Out Alive
02 Rip It Up
03 She Likes The Cocaine
04 Right From The Start
05 Shakedown
06 Heartbreak Hurricane
07 In Another Life
08 The Chosen One
09 The Enemy Inside
10 Tumbling Down
11 There’s Always A Loser

Details

Thunder – Facebook

Label: earMUSIC
Vö-Termin: 10.02.2017
Spielzeit: 55:40

Copyright Cover: earMusic



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde