Review

„With full force“ – das ist für die einen ein beliebtes Festival, für Thobbe Englund hingegen ist es das Motto seines aktuellen Albums „The Draining Of Vergelmer“, wie sein Kommentar zum Release verdeutlicht:

On this album I was really hungry to make a very solid, melodic yet aggressive statement, so what you hear on „The Draining Of Vergelmer“ is everything at full force.

Schnellere Gitarren, temporeicheres Schlagzeug, lautere Screams und einfach mehr von allem sollen die Folgen sein.
Davon, dass er mit „The Draining Of Vergelmer“ an seinen 2017 erschienenen Vorgänger „Sold My Soul“ anknüpft, kann also – selbst nach eigener Auffassung des Musikers – nur bedingt die Rede sein. Leider muss man dem zustimmen, jedoch nicht ausschließlich im positiven Sinne. Auch wenn „The Draining Of Vergelmer“ mit einigen guten Songs und sogar mit den Gastvocals von Joakim Brodén (Sabaton), Patrik J. Selleby (Bloodbound) und Hulkoff (Raubtier) aufwarten kann, mindert ein entscheidender Kritikpunkt den Gesamteindruck vom Album.

Denn jenes wirkt sehr zusammengestückelt; die Songs bilden insgesamt keine Einheit. Es scheint, als habe Thobbe Englund Track für Track das gemacht, worauf er gerade Lust hatte, ohne dass der Hörer einen erkennbaren Zusammenhang feststellen kann. Ein Zusammenhang oder -halt auf Albumlänge ist dadurch kaum spürbar; stattdessen serviert der Schwede mal old school orientierte Hymnen an den Metal (z.B. „Fingerspitzengefühl“), mal ein Instrumental mit Schwerpunkt auf seine Gitarrenarbeit („Odin’s Hall“) und an anderer Stelle wiederum diverse Ausflüge in die nordische Mythologie.

Letztere wären hier als konsequentes, durchgängiges Konzept sehr gerne gesehen und gehört gewesen, denn mit Songs wie das begrüßenswerterweise auf Schwedisch vorgetragene „Viking“ oder die Coverversion des Yngwie Malmsteen Titels „I Am A Viking“ – beide mit den bereits erwähnten Gastsängern aufwartend – erzielt Thobbe Englund eine Punktlandung und trifft seine eingangs zitierte Beschreibung von „The Draining Of Vergelmer“ zielgenau.

Thobbe Englund (Copyright: Thobbe Englund)

Von einigen Hörern als abwechslungsreich empfunden, dürfte „The Draining Of Vergelmer“ von anderen lediglich als akustisches Sammelsurium betrachtet werden, dessen Songanzahl ebenfalls nicht allzu hoch ausgefallen ist.
Zwar zeigt die Playlist zehn Titel an, zieht man davon allerdings das Intro „Thou Ancient, Thou Free“, das Instrumental „Odin’s Hall“ sowie das Interlude „Heart Of Metal“, das als Einleitung für den Folgesong „Fingerspitzengefühl“ dient, einmal ab, sieht das Ganze quantitativ schon ein wenig anders aus.

Immerhin findet der Hörer unter den verbleibenden Songs einige kleine Highlights – je nach persönlichem Geschmack. Wäre „The Draining Of Vergelmer“ allerdings stringenter ausgefallen, würde man die Lieblingssongs wohl nicht erst suchen müssen. Vielleicht beim nächsten Mal wieder.

Video

Tracklist

01 Thou Ancient, Thou Free
02 Illuminati
03 Heart Of Metal
04 Fingerspitzengefühl
05 Viking
06 Odin’s Hall
07 The Land Where You Belong
08 I Am A Viking
09 Aim And Fire
10 The Ghost & The Darkness

Details

Thobbe Englund – Facebook

Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 16.02.2018
Spielzeit: 34:15

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde