Review

Thiago Bianchi ist in seiner Heimat Brasilien vor allem durch seine Mitgliedschaft in Bands wie Noturnall und Shaman der dortigen Metalszene kein unbekannter Musiker. Mit dem Album „Arena“ möchte der Allrounder, tätig bisher u.a. als Sänger, Vocalcoach, Produzent und Sonwriter, nun zeigen, dass er auch als Solokünstler ein spannendes Werk auf die Beine stellen kann.

Als Soloalbum zwar proklamiert, wirkt „Arena“ – veröffentlicht unter dem vollen Titel „Thiago Bianchi’s Arena“ – jedoch aufgrund der zahlreichen gastmusikalischen Beiträge der Bandmitglieder von beispielsweise Megadeth, Angra, Noturnall, Shaman und Adrenalin Mob, zunächst wie ein Opus im Stile von Tobias Sammets Avantasia. Zudem erweckt das enorme Aufgebot an mitwirkenden brasilianischen Allstars kaum den Anschein eines Soloalbums im eigentlichen Sinne.

Über die Definition eines Soloalbums ließe sich daher ein wenig streiten, unbestritten wissen die beteiligten Musiker hingegen allesamt, was sie hier tun, sodass an ihrem handwerklichen Können keine nennenswerte Kritik geübt werden kann. Trotzdem kann „Arena“ nicht überzeugen.

Die Ambition, der Hörerschaft mit „Arena“ zu zeigen, „wie guter Metal aus Brasilien klingen kann“, verliert genau zu dem Zeitpunkt an Glaubwürdigkeit und Wirkung, sobald die Coverversion des Tears For Fears Songs „Woman In Chains“ aus den Boxen erklingt. Erwartet man im bisherigen Power Metal Reigen eine ebensolche Interpretation des Titels, folgt schnell die Enttäuschung, denn der Song trägt in vorliegender Fassung weder eine aussagekräftige eigene Handschrift, noch birgt er Höhepunkte oder streift auch nur annähernd das angestrebte und bisher gezeigte Genre. Definitiv sticht der Track, den Thiago Bianchi gemeinsam mit seiner Mutter Maria Odette gesanglich zum Besten gibt, damit zwar aus dem bisherigen musikalischen Geschehen heraus, dies jedoch nicht auf eine sehr positive Art. Metal-Fans werden unweigerlich die Skipptaste bedienen – und feststellen, dass anschließend in der zweiten Hälfte des Albums das Interesse an „Arena“ immer mehr verloren geht.

Die Melodien der Power Metal Stücke betreffend wartet Thiago Bianchi kaum bis gar nicht mit großen Überraschungen auf; vielmehr fallen die meisten Songs sehr vorhersehbar aus und klingen insgesamt wie die musikalischen Resultate einer x-beliebigen Power Metal Band. Auch diesbezüglich kommt vom Vorhaben, zu zeigen „wie guter Metal aus Brasilien klingen kann“, nicht viel an.
Dabei startet Thiago Bianchi sehr vielversprechend in das Album. So leitet das Intro „Rising Voices“ Van Canto-artig und mit reichlichen Synthie-Effekten den insgesamt 14 Songs umfassenden Rundling ein und verspricht dadurch einige innovative Ansätze, deren Potenzial aber leider im weiteren Verlauf nicht ausgeschöpft wird.

Thiago Bianchi (Copyright: Thiago Bianchi)

Mehr noch drängt sich durch das Fehlen eines erkennbaren Konzepts der Eindruck auf, es lediglich mit einer Resteverwertung von bisher unveröffentlichten Songs zu tun zu haben, die in unterschiedlichen Zeiträumen produziert und auf „Arena“ nun zusammenhanglos, dafür aber unter dem Banner einer namhaften Kollaboration aneinandergereiht wurden. Anders ist auch die unpassende Platzierung von „Woman In Chains“ nicht zu erklären. Entsprechend schwankt auch hin und wieder die Qualität der Aufnahmen, die mit „Spoiled“ und seinem mangelnden ausdifferenzierten Klangbild ihren Tiefpunkt erreicht.

Beginnt „Arena“ noch sehr interessant und verheißungsvoll, entpuppt sich das Album von Thiago Bianchi schließlich als entbehrlich. Allerdings sei abschließend erwähnt: Power Metal Fans mit sozialem Engagement sollten sich insofern einen Kauf überlegen, da nach Angabe des Musikers der gesamte Erlös des Albums in Projekte zur Unterstützung krebskranker Kinder und deren Familien fließt. Dieser gute Zweck macht den einen oder anderen Kritikpunkt daher etwas wett.

Tracklist

01 Rising Voices
02 The Scar Is The Pay Off
03 Trust Me
04 Nova Era (Bonustrack)
05 I Live
06 Woman In Chains (Bonustrack)
07 Learn To Let It Go
08 Glance
09 Mr. Caretaker
10 Spoiled
11 Adore
12 To Choose
13 Hear
14 Life Is…

Details

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Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 31.03.2017
Spielzeit: 53:21

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde