Review

Wenn sich Freunde zum Musizieren zusammentun und das Ergebnis auch noch auf eine CD pressen, spricht dies schon einmal für ein Werk voller Leidenschaft. Handelt es sich bei den Freunden dann noch um talentierte Musiker, die bereits mit anderen Projekten (wie beispielsweise Scream Silence oder Enemy I) positiv auf sich aufmerksam machen konnten, sollte zudem Qualität garantiert sein. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an das Album „Naupathia“, mit dem die Band The Whispering Sea debütiert.

Die Hauptinitiatoren hinter The Whispering Sea: Robert Klausch, Anthony J. Brown, Rob DeVille (Copyright: Marty Kasprzak)

Und jene, angeführt von den Hauptinitiatoren Robert Klausch, Rob DeVille sowie Anthony J. Brown und live gerne mal zu einem 8-köpfigen Line-up anwachsend, stellt sich dieser Herausforderung mittels zehn Tracks unter dem Banner des selbstbetitelten „Skygazing Expressive Rock“.
Träumerisch, weitschweifend und expressiv fällt ihre Kombination aus Folk-, Shoegaze-, Blues- und Progressive Rock-Elementen dann auch aus, während man sich durch angemessen ausgedehnte Songlängen ausreichend Zeit nimmt, um die Epik eines einzelnen Tracks zu entfalten, ohne gleichzeitig unnötige Längen zu provozieren. Dies gewährleistend, ermöglichen The Whispering Sea dem Hörer, in ihre durch und durch atmosphärischen Kreationen eintauchen zu können.

Und das, obschon an disharmonischen Klängen und komplexen Strukturen nicht gespart wird. Was anfangs jedoch sperrig oder kakophonisch erscheinen mag, wandelt sich im Laufe eines Songs zu einem angenehmen Hörerlebnis, bei dem gerade die Disharmonien gekonnt die Emotionalität der Kompositionen an die Hörer transportieren, die sich den gebotenen musikalischen Offenbarungen nicht entziehen können und wollen. Denn sämtliche emotionale Spektren werden durch das unkonventionelle Vorgehen auf „Naupathia“ tonal aufgegriffen, um als Ergebnis Musik für die Seele zu liefern.

Das Album „Naupathia“ lädt jedoch nicht nur durch seine Emotionalität zum mehrmaligen Hören ein, auch die vielschichtig angelegten und doch stets in sich stimmig wirkenden Songs machen dies beinahe unabdingbar. Auf musikalischer Ebene passiert damit – sowohl durch die unterschiedlichen stilistischen Einflüsse als auch durch die kreativen Arrangements der Instrumente, darunter nicht nur die E- und Akustikgitarren, sondern auch Streicher, Piano oder ein Mellotron – derart viel, dass jeder weitere Hördurchgang neue Facetten von „Naupathia“ zum Vorschein bringt.

The Whispering Sea weisen somit ein Songwriting auf, das, bis ins Detail durchdacht, auf ungewöhnliche Weise ein gutes Maß im Wechselspiel aus Komplexität, Sperrigkeit und Eingängigkeit beweist.
Vor allem die Klimax der jeweiligen Titel besticht dabei durch eine sich steigernde (instrumentale) Dichte und Wirkweise. Molltöne sorgen für die nötige Portion Melancholie, E-Gitarren intensivieren die perfekt erzeugte Stimmung eines Tracks mit dezenter Härte inmitten des teils sehr intim wirkenden Gesangs, der das tragende Element eines Songs ist. Ergänzt wird dieser durch hervorragende Backingvocals, die vor allem in den Songs „Hello Maestro“ und „Fear Times Two“ eine Wucht an Gefühl auf die Hörer niedergehen lassen, sowie durch vereinzelte wirkungsvolle Spoken Words. In Anbetracht der überzeugenden Background Leistung – dies mag jedoch Geschmackssache sein – wirkt der Leadgesang einige Male zu technisch, wodurch das Hören anstrengender wird. Die warme, durchdringende Stimmfarbe mit Wiedererkennungswert hätte dies nicht benötigt und überzeugt insbesondere dann, wenn mit Gefühl und Natürlichkeit zu Werke gegangen wird.

The Whispering Sea (Copyright: Christian Wietrzynski)

Dass auch beim Gastvocalbeitrag im Song „We Must Not Communicate Anymore“ nicht auf eine 08/15 Stimme gesetzt wird, dafür sorgt Sängerin Katharina Nuttall. Die Schwedin wird dem Anspruch des Albums mit ihrer außergewöhnlichen Stimmfarbe mehr als gerecht und verleiht dem Duett das gewisse Etwas.

Mit „Naupathia“ legen The Whispering Sea ein rundum gelungenes Debütalbum vor, nach dessen Hören man sich auf weiteres Material freut. Inwiefern das bunt besetzte Projekt diesem Wunsch nachkommen kann oder wird, bleibt abzuwarten. Bis dahin wird man mit „Naupathia“ einen stimmungsvollen Wartezeitverkürzer haben.

Video

Tracklist

01 Horse-Painter
02 Death By Späti
03 Summers
04 Obsessive Compulsive
05 Hello Maestro
06 Fear Times Two
07 Me And My Mind Twin
08 We Must Not Communicate Anymore
09 Nothing Good Can Come Of This
10 Final Anthem

Details

The Whispering Sea – Homepage
The Whispering Sea – Facebook

Label: Plainsong Records
Vö-Termin: 28.08.2015
Spielzeit: 66:45

Copyright Cover: Plainsong Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde