Review

2005 gründeten zwei Mannen aus Kanada ihr Projekt The Shanks, um fortan einen rockigen Sound zu kreieren, der sich an den Rockalben der 70er Jahre orientiert und sich vom Urpunk, dem sogenannten Protopunk, inspirieren lässt.
Diese Mischung gibt es auch 2014 auf dem aktuellen Album „Surfing the Lexicon“ des Duos zu hören.

Auf zehn Songs huldigen The Shanks damit vorrangig dem rohen, erdigen (Punk)Rock, was sich vor allem in der Produktion widerspiegelt, bei der man als Hörer das Gefühl hat, direkt im Proberaum der Band zugegen zu sein.
Schlecht klingt das keineswegs, vielmehr stehen dadurch der Ecken und Kanten besitzende Sound und das ehrliche musikalische Handwerk der Musiker im Vordergrund, ohne auf den Zug glattpolierter Mainstream-Produktionen aufzuspringen. Dass man damit dennoch eine breite Masse an Hörern erreichen könnte, dafür spricht die Eingängigkeit von Titeln wie beispielsweise „When We Come“, „Do It Again“ oder dem ruhigeren aber nicht minder melodischen „Get Cut Tonight“.

Allen Tracks ist jedoch gemein, dass ihnen kaum anzuhören ist, es bei The Shanks nur mit zwei Akteuren zu tun zu haben. Dicht werden die Lieder arrangiert und instrumentiert – und das nur durch Bass und Drums.
Dabei bildet der Bass oft den Mittelpunkt, der zum Teil leicht verzerrt daherkommt (besonders gut im Abschluss „Who You Are“ zu hören), während das Schlagzeug mit meist gewollt blechernem Klang den (im positiven Sinne) ‚altbackenen‘ Groove angibt.

Lebendigkeit wird auch dem langsamsten und hypnotischsten Song zudem durch den Gesang verliehen, der durch seine außergewöhnliche Stimmfarbe mal für Surfermusik steht, mal die rotzige Punkattitüde betont, die The Shanks selbst gerne mit der amerikanischen 70er Jahre Punkband The Dead Boys vergleichen, ab und an durch die Hall-Effekte mit Radiohead in Verbindung gebracht werden kann und in Kombination mit dem rauen musikalischen Arrangement sogar in dem einen oder anderen Lied an den Sound von Grunge-Größen wie Nirvana erinnert.

Stellt man dann noch die stimmliche Darbietung derart in den Vordergrund wie in „When We Come“, ohne den Gitarrensound aus den Augen bzw. Ohren zu verlieren, können The Shanks außerdem Emotionen an die Hörer transportieren und ihren Nummern das gewisse Etwas sowie Wiedererkennungswert mit auf den Weg geben.
Gerade in diesen Momenten weiß das Zweiergespann besonders zu überzeugen.

Auch sind es oftmals die eher kurzweiligen Titel, also jene, die mit einer überschaubaren Songlänge auftrumpfen, die im Ohr bleiben und Laune machen. „Touch Me“ ist ein Beispiel dafür, bei welchem ebenfalls die Gitarren betont und die hörbare 70er Jahre Musik in ein modernes Gewand gekleidet werden.

Als faszinierend ist abschließend außerdem noch der Abwechslungsreichtum zu bezeichnen, denn obwohl The Shanks sich ihrer gesteckten stilistischen Ausrichtung treu bleiben, klingen alle Titel sehr unterschiedlich.
Nichtsdestotrotz sprechen die Songs derart für sich, dass sampleartige Einlagen wie in „Out Of Your Mouth“ komplett überflüssig werden und den Titel eher stören als bereichern. Darauf sollte daher zukünftig weitgehend verzichtet werden.

Insgesamt haftet „Surfing the Lexicon“ also zwar immer ein gewisser Retro-Charme an, dieser wird aber stets in ein modernes Soundgewand verpackt, ohne die besonderen Eigenschaften der 70er Jahre Punk-Rockmusik außer Acht zu lassen.
Eine genaue Zielgruppe für „Surfing the Lexicon“ lässt sich letztendlich nicht benennen, vielmehr wissen The Shanks auf derart interessante Weise zu gefallen, dass hier viele Hörer mit unterschiedlichen Vorlieben angesprochen werden.

Video

Tracklist

01 Feel The Holes
02 When We Come
03 Touch Me
04 Miss Virginia
05 Out Of Your Mouth
06 Step By Step
07 Do It Again
08 Cornerman
09 Get Cut Tonight
10 Who You Are

Details

The Shanks – Homepage
The Shanks – Facebook

Label: Phratry Records / Broken Silence
Veröffentlichung: 27.06.2014
Spielzeit: 33:00 Minuten

Copyright Cover: Phratry Records



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde