Review

Bei The National Orchestra of the United Kingdom of Goats, oder der Einfachheit halber UKoG, fangen die Alleinstellungsmerkmale bereits beim Namen an. Und auch bei ihrer stilistischen Mischung aus Artrock, Pop, Alternative Rock und Progressive Rock (kurz: „Symphonic Grind Pop“, wie es die Band selbst bezeichnet) hören sie nicht auf.

In jeder Hinsicht außergewöhnlich, experimentierfreudig und extrovertiert tritt die Band aus Südtirol in Erscheinung. So auch auf ihrem aktuellen Album „Huntress“.

Zurück ins fiktive Kolepta

Nach dem Vorgänger „Vargorok“ setzt die Band auch hier ihr Konzept weiter fort. Somit werden inhaltlich die Geschichten aus dem fiktiven Kolepta weitererzählt.
Dies geschieht auf „Huntress“ in insgesamt fünf Songs und über eine Gesamtspielzeit von 27:46 Minuten.
UKoG präsentieren damit nicht nur einen weiteren Teil ihrer großen Saga, sondern auch die Vielfalt, die bereits auf dem vorherigen Werk zu hören war. Das allerdings – durch die wenigen Songs und die überschaubare Laufzeit des Albums – in einem sehr begrenzten Rahmen.

Experimentierfreudig und extrovertiert

An Details und Abwechslung mangelt es „Huntress“ jedoch nicht.
Insgesamt finden viele Elemente diverser Genres Eingang in den Sound. Chöre, sinfonische Arrangements (u.a. durch Streicher), Frauen(background)gesang oder elektronische Effekte sind einige der Zutaten dieser kompakten Ausgabe von UKoGs Schaffen. Selbst vor rituellen Klängen (beispielsweise durch Trommeln) wird nicht haltgemacht, was der Atmosphäre der betreffenden Songs zugutekommt. All dies komponiert man so, dass Akzente gesetzt werden statt sich zu sehr in konkrete Schubladen stecken zu lassen.
Zudem werden erneut von Instrumentalstücken („Attunement“) über soundtrackartige Klanglandschaften bis hin zu eingängigen Pop-Rock-Nummern alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um die bandeigene Bandbreite zu verdeutlichen.

In der Kürze liegt die Würze?!

Dabei wirkt „Huntress“ durchaus in sich stimmig. Umso bedauerlicher, dass das Album durch seine Kürze eher einen EP-Charakter besitzt und (zu) schnell am Ende angekommen ist.

Währenddessen vernimmt der Hörer aber Songs, die sich spannend entwickeln. Ruhige Momente bieten den Titeln die Möglichkeit, sich anschließend zu steigern. Gleichzeitig geraten diese Passagen auf „Huntress“ manchmal zu lang. Bis sich die Spannung eines Liedes aufgebaut hat, könnte das Interesse des Zuhörers am weiteren Verlauf des Liedes eventuell schon abgeflacht sein. Wie man dieses Dilemma optimal löst, zeigen UKoG mit dem Song „Thrill“. Definitiv ein Highlight des Albums.

The National Orchestra of the United Kingdom of Goats (Copyright: UKOG)

Auf der Strecke bei nur fünf Songs bleibt außerdem die auf „Vargorok“ gezeigte gesangliche Variation. Gutturale Einsprengsel finden damit auf „Huntress“ so gut wie gar keinen Platz. Alles in allem hätte die Leadstimme ein wenig facettenreicher ausfallen können.

So ist die mangelnde Quantität hier Fluch und Segen zugleich. Für das limitierte Songangebot machen UKoG ihre Sache jedoch hervorragend. Sich, ihrem Stil und Konzept treu bleibend kommt der Fan der Band auf seine Kosten. Doch auch Neulinge bekommen einen kurzen, aber aussagekräftigen Eindruck von The National Orchestra of the United Kingdom of Goats‘ Können. Beim nächsten Mal dann aber gerne wieder mehr Material.

Video

Tracklist

01 Beast
02 Scent
03 Thrill
04 Attunement
05 Kill



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde