Review

Auf den poetischen Namen Terra Atlantica hörend, hat besagte Band aus der Power-Metal-Hochburg Hamburg zum Jahresende noch ihre Erstveröffentlichung am Start. Ihr Debüt „A City Once Divine“ ist als Konzeptalbum angelegt, bei dem es – wenig überraschend angesichts des Bandnamens – um Atlantis und die griechische Mythologie geht. Aufgrund dessen dürfte die Scheibe vielleicht auch für Spieler des Strategiespiels „Age of Mythology“ interessant sein, welches selbige Themen zum Inhalt hat.

Doch kommen wir zum musikalischen Geschehen. Nach dem theatralischen Intro „Whispering Waves“ wird mit „Atlantica“ gleich die Richtung vorgegeben, in die es die nächsten knapp 54 Minuten gehen wird: Melodiebetonter Power Metal, meist schnelleren Spiels, eingebettet in epische Keyboard-Orchesterparts.

Schnell wird klar, dass sich Terra Atlantica mit ihrem Album auf bekanntem und bewehrtem Terrain bewegen. Doch die Norddeutschen verstehen es durch viel Kreativität en détail, ihre Songs zu keiner Zeit langweilig oder beliebig klingen zu lassen. Da wird der oftmals im Genre vorhandene 08/15-Songausbau durch einen instrumentalen oder gesanglichen Zwischenpart aufgebrochen, da werden Breaks und Melodiewechsel eingebaut. Überhaupt werden Melodien bei den Norddeutschen sehr groß geschrieben. Diesbezüglich ist „A City Once Divine“ fast schon beispielhaft und selbst Veröffentlichungen einiger etablierter Genre-Bands eine Länge voraus.

Natürlich hört man bei einem Debütalbum auch Anleihen an Genregrößen heraus. Hier wären es vielleicht Orden Ogan oder alte Freedom Call-Sachen, die dem Hörer in den Sinn kommen könnten. Trotzdem klingen Terra Atlantica zu keiner Zeit nach genannten Bands, sondern drücken sämtlichen Songs des Albums letztendlich ihre eigene Handschrift auf. Die Kompositionen und vor allem die Arrangements der Songs überzeugen auf ganzer (Album-)Länge.

Neben den schnellen Stücken werden zu gegebener Zeit auch Ruhemomente auf dem Album gesetzt. In „To The Bottom Of The Sea“ finden sich reduzierte Passagen und „Shadows Of Tomorrow“ wird in Gänze als Halbballade serviert.

Terra Atlantica (Copyright: Terra Atlantica)

Auch gesanglich sind Terra Atlantica auf Abwechslung bedacht. Viele mehrstimmige Gesangspassagen unterstreichen die textliche Epik und lassen über Sänger Tristan Harders‘ manchmal etwas dünne Stimme gerne hinwegsehen. Mit aggressiveren Gesangparts, wie zum Beispiel in „Descendants“ zu vernehmen, wirkt man auch auf gesanglicher Ebene jeglicher eventuell aufkommenden Berechenbarkeit gekonnt entgegen. Ebenso darf der Backgroundchor, auf „A City Once Divine“ nur sehr sporadisch eingesetzt, auf zukünftigen Outputs der Band ruhig noch kräftiger erklingen.

Kräftiger und druckvoller – vor allem was die Tiefen (Bass) betrifft – darf auch die Produktion des nächsten Albums ausfallen. „A City Once Divine“ klingt an vielen Stellen doch recht hell. Dieser kleine Kritikpunkt kann die überwiegende Begeisterung beim Hören des Debütalbums allerdings nicht groß schmälern.

Somit kann sich „A City Once Divine“ nicht nur sehen, sondern vor allem hören lassen. Alle Fans traditioneller Melodic Power Metal Klänge werden sicherlich Gefallen an Terra Atlantica finden.

Video

Tracklist

01 Whispering Waves
02 Atlantica
03 The Avenging Narwhal
04 To The Bottom Of The Sea
05 Descendants
06 A City Once Divine
07 Shadows Of Tomorrow
08 Sails In The Night
09 Poseidon’s Wrath
10 When Walls Will Fall

Details

Terra Atlantica – Homepage
Terra Atlantica – Facebook

Label: Gegentrend Records / Soulfood
Vö-Termin: 15.12.2017
Spielzeit: 53:57

Copyright Cover: Gegentrend Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde