Review

Nach zwei Vorabsingles veröffentlicht die vierköpfige Band Swirlpool aus Regensburg mit „Camomile“ nun ihre erste EP. Dass es diese nicht nur auf CD und digital (via Reptile Music) zu erwerben gibt, sondern auch als Tapeversion über das Label Koepfen, mag bereits andeuten, dass es hier mitunter nostalgisch zugehen könnte. Tatsächlich lässt sich in den Songs auf „Camomile“ dann auch eine Indie-taugliche Retro-Nuance erahnen, die jedoch durch eine moderne Produktion sehr zeitgemäß klingt.

Bei Swirlpools Konglomerat aus Elementen des Shoegaze, des Indie Rock und des Dream Pop besteht für unaufmerksame Hörer allerdings schnell die Gefahr, kaum Unterschiede zwischen den einzelnen Eigenkompositionen zu vernehmen oder während der dargebotenen Musik in Slow Motion zu sehr abzudriften. Doch Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, und zwar insofern, dass man sich völlig auf die Songs von „Camomile“ konzentriert, sich von ihnen tragen lässt und schließlich auch darin versinken kann. Schafft man dies, schaffen Swirlpool es, die Welt für einen kurzen Augenblick anzuhalten.

Und das trotz oder gerade wegen ihrer Vorliebe für Reverb-Effekte. Ohne die geht es auf der EP scheinbar nicht. Der Atmosphäre ist dies jedoch sehr dienlich. So entstehen teils wabernde, permanent sphärische Klangteppiche, zu denen sich ein ruhiger, warmer Gesang gesellt, der den entschleunigten Charakter der Musik hauptsächlich verursacht, während die Gitarren oft – und im Vergleich zum gemächlich sanften Gesang – beinahe temporeich wirken und für die nötige Dynamik in einem Titel sorgen.

Jene fallen verhältnismäßig lang aus und nutzen diese Zeit, um sich zu entwickeln. Seien es Steigerungen der Intensität, unverhoffte Breaks innerhalb schöner Melodien oder gar Melodie- und Rhythmuswechsel – Swirlpool setzen viel daran, Herr über oben genannte Gefahr zu werden und einer etwaigen drohenden Langeweile seitens der Hörer mit interessantem und abwechslungsreichem Songwriting zuvorzukommen.

Swirlpool (Copyright: Swirlpool)

Aus der entschleunigten musikalischen Idylle von „Camomile“ reißt schließlich bzw. erst der Abschlusssong der EP, ein Remix des Titeltracks, kreiert von Aethon. Im Gegensatz zum vorausgegangenen Song „Innerspace“ als Sailora Sweden Remix, der das Remix-Doppel einleitet und sich dabei ganz an der Stilistik der Band Swirlpool orientiert, trumpft die Aethon Interpretation mit reichlich Electro auf. Zwar sorgen die repetitiven Phasen ebenfalls für ein angenehmes Einlullen, gleichzeitig katapultiert diese Fassung den Track in Richtung Chillout Lounge – und wirkt letztlich etwas fehl am Platz auf dem Silberling. Aber das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks – ebenso wie die gesamte EP.

Nicht jedem mag Swirlpools Interpretation ihrer Stilkombination zusagen. Diejenigen, die aber umgehend davon angesprochen werden, werden in die Musik gänzlich abtauchen können und jedes Stück genießen.
Auf dass die Welt auch zukünftig durch Swirlpool kurzzeitig – und mittels Albumformat dann vielleicht sogar ein wenig länger – stillstehen mag!

Video

Tracklist

01 Camomile
02 Tired Eyes
03 Innerspace
04 Humble
05 Innerspace (Sailora Sweden Remix)
06 Camomile (Aethon Remix)

Details

Swirlpool – Bandcamp
Swirlpool – Facebook

Label: Reptile Music / Altone
Vö-Termin: 25.05.2018
Spielzeit: 32:56

Copyright Cover: Reptile Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde