Review

Die >Helden von Morgen< sind zurück

2017 vom Metal Hammer als „Helden von Morgen“ betitelt, konnten auch wir über Sweeping Death und ihre im besagten Jahr erschienene EP „Astoria“ nur Gutes berichten. Hinter jedem Element ihrer progressiven Metal-Mixtur setzte das Quintett ein dickes Ausrufezeichen und bot sich durch die harmonische Verbindung von pointiertem Spiel und Komplexität einer breiten Hörerschaft an. Genau daran soll nun das Debütalbum „In Lucid“ anknüpfen – und dies gelingt beinahe im Handumdrehen.

Erneut schafft es die Band, trotz ihrer Progressivität und der Verschmelzung verschiedener Metal-Stile nicht zu sperrig zu klingen. Dank guter Melodien und treibender Rhythmik finden hier Hörer nicht nur schnell Zugang, sondern bleiben am Ball und entdecken auch nach mehrmaligen Durchläufen immer wieder neue Akzente.

Metal-Virtuosität

Ob melodisch powermetallisch, thrash-lastig nach vorne gespielt, mit Blastbeats attackierend oder sogar phasenweise akustisch wie in „Lucid Sin“ – Sweeping Death zeigen ihre Bandbreite an Können und verzichten auch auf die einst von uns gelobten „Klassik“-Momente von „Astoria“ nicht. So steigt man mit dem vom Piano getragenen „Eulogue“ bereits klassisch – und im Vergleich zum weiteren Verlauf sehr besonnen und atmosphärisch – in das Album ein, während mit „Purpose“ ein Instrumentalstück folgt, das die Virtuosität der Truppe einmal mehr ans Licht fördert. Diese ruhige Seite steht Sweeping Death nicht nur gut, sie lockert auch das Albumgeschehen auf und sorgt für zusätzliche Abwechslung.

Sangeskünste

An Abwechslung mangelt es auch auf gesanglicher Ebene nicht. Abermals tobt sich Leadsänger Elias Witzigmann sowohl im Klargesang als auch im Kopfstimmen- und gutturalen Bereich aus. Stellenweise wirkt es jedoch so, als komme er gesanglich an seine Grenzen. Gerade bei einem markanten Wechsel von clean Vocals zur Kopfstimme (wie u.a. in „Suicide Of A Chiromantist“) wirken die Übergänge und die in diesem Song teils gebotene theatralische Note im Gesang möglicherweise nicht immer vorteilhaft. Eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Sweeping Death (Copyright: Sweeping Death)

Eine Frage des persönlichen Geschmacks wird schließlich auch dafür sorgen, dass jeder einzelne Hörer andere Lieblingsstücke auf „In Lucid“ für sich entdecken wird. Bei dem vielschichtigen Auf- und Angebot an Songs wundert das nicht. Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Abgesehen von diesem Luxusproblem bleibt am Ende jedoch ein rundum positiver Eindruck von einem herausragenden Debüt, das sich mit der viel gelobten EP 2017 bereits angekündigt hat – und irgendwann seine Fortsetzung hoffentlich in einem ebenso überzeugenden Nachfolger finden wird. Die Weichen für die musikalische Zukunft sind spätestens jetzt gestellt.

Video

Tracklist

01 Eulogue
02 Blues Funeral
03 Horror Infernal
04 Suicide Of A Chiromantist
05 Purpose (Instrumental)
06 Resonanz
07 Antitecture
08 Lucid Sin
09 Stratus

Details

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Label: iGrooveNext.com
Vö-Termin: 05.10.2018
Spielzeit: 48:55

Copyright Cover: Sweeping Death



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde