Review

Unlängst servierte Malte El Niño, der Mann hinter dem Electropop-Projekt namens Superikone, die Single „Paläste aus Katzengold“ als Wartezeitverkürzer bis zur nun erscheinenden EP „Zuckervater“. Mit jener präsentiert Superikone sieben verschiedene Titel sowie drei Clubmix-Variationen des Titeltracks.

Legt man den Silberling ein und startet mit dem Futurepopmix von „Zuckervater“ die musikalische Reise, welche auf die Pfade des Synthpop und EBM führt, darüber hinaus aber auch Abstecher in NDW- und klassische Electropop-Gefilde macht, fällt umgehend auf: Vor allem textlich könnten sich hier Hörer von Songs wie „Koprolalie“ von Agonoize heimisch fühlen, und auch der eine oder andere :Wumpscut:-Konsument dürfte stellenweise zufrieden sein. Dabei sind es nicht unbedingt Härte und EBM-Lastigkeit, die auf diese Assoziationen schließen lassen, denn obschon der Beat drückt und pumpt und hin und wieder eine brachiale Note in den Track integriert wurde, gemahnen besonders die beliebten und oftmals obszönen Samples à la „Willst du adoptiert werden, du kleine Schlampe?“ oder eindeutig zweideutige Songtextpassagen wie „Du bist sein schwarzes Schmuckstück, doch kein devotes Bückstück“, „Du kleine Göttin seiner Lenden“ und „Er klopft an und will dein Zuckervater sein. Du öffnest ihm und führst ihn ein“ an derartige Vergleiche. Superikone driftet dabei allerdings nicht zwingend in eine vielleicht zu erwartende stumpfe Banalität ab, sondern verpasst seinen Songs immer auch einen gewissen (sozial)kritischen Unterton. Somit wirken einige Texte auf den ersten Blick eventuell recht simpel und frei dem Motto „sex sells“ gewählt, sie offenbaren bei genauerem Hinhören aber stets eine Aussage, die mit ihrem Tiefgang einen gelungenen inhaltlichen Kontrast darstellt.

Einfach, aber kontrastreich geht es auch musikalisch auf der EP „Zuckervater“ zur Sache. So gesellen sich beispielsweise zu den angenehm eingängigen Synthpop-Strukturen und -Beats einige an passender Stelle gesetzte Zerrsounds, die dem jeweiligen Titel immer wieder Akzente verleihen. Seicht bleibt es – eher untypisch für Genreverhältnisse – selten. Dafür sorgen sowohl die unterschiedlichen Clubmix-Versionen von „Zuckervater“, als auch die betont harsche Seite von Superikone, die der Künstler immer wieder aufblitzen lässt.

Superikone (Copyright: Superikone)

Superikone (Copyright: Superikone)

Spürbar NDW-lastig wird es im Song „Energie“, der hier als Futurepopmix präsentiert wird, und hypnotische Töne schlägt Superikone mit den Instrumentalstücken „Himmelreich“ und „Reise zum Mond“ an.

Neben der hohen Tanzbarkeit und der prägnanten Eingängigkeit der einzelnen Titel steht auf „Zuckervater“ die klare, differenzierte Produktion im Fokus, die zum Aufdrehen der Lautstärke animiert und die EP attraktiv für die Clubrotation macht.

Wie so oft bei unterschiedlichen Fassungen eines Songs wird nicht jeder Track gleichermaßen gefallen, Superikone punktet aber auch in den Mixversionen mit Abwechslungsreichtum. Damit wird „Zuckervater“ so schnell nicht langweilig und einen festen Platz in so mancher Playlist finden.

Tracklist

01 Zuckervater (Futurepopmix)
02 Zuckervater (Dark Radioedit)
03 1-2-3-Fear
04 Paläste aus Katzengold (90ies Synthpopmix)
05 Himmelreich
06 Zuckervater (707 Mix)
07 Energie (Futurepopmix)
08 Ketzer (Epic Mix)
09 Zuckervater (P24 Remix)
10 Reise zum Mond

Details

Superikone – Facebook
Superikone – Soundcloud

Label: RGK – Rat für gegenseitige Kulturhilfe / BelieveDigital / Nova Media
VÖ-Termin: 22.04.2016
Spielzeit: 40:39

Copyright Cover: RGK



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde