Review

Tränen füllten unsre Gläser
und wir tranken auf die Zukunft, die es niemals gab…

20 Jahre später gibt es das Projekt, das diese Textzeile 1998 im Song „traenen“ – damals noch unter dem Namen Lunastoy – verfasst hat, immer noch. Schon kurz darauf als Superikone unterwegs, blickt Mastermind Malte El Niño mittlerweile auf zahlreiche Veröffentlichungen zurück – und auf eine Zukunft, die definitiv noch vor ihm liegen wird.

Um jedoch die bestehende Zeit zunächst einmal zu feiern, wird der Titel „traenen“ anlässlich des 20-jährigen Jubiläums neu aufgelegt. Unterstützung findet Superikone für die nach dem Song benannte EP durch viele befreundete Musiker-Kollegen, darunter u.a. Vainerz, Störsignal 3, Das Fortleben, The Dark Unspoken oder Orpheus in Red Velvet.
Entstanden sind mit ihrer Hilfe insgesamt zehn neue Fassungen des Songs „traenen“, der zudem nach „Zuckervater“ die zweite Auskopplung aus dem Album „Paläste aus Katzengold“ ist.

„NDW meets Gothic meets Weiberelectro – das ist Superikone!“ heißt es auf einem Werbeflyer zum immer noch aktuellen Album. Auch „traenen“, dessen Originalmix von 1998 seinen Platz auf der EP gefunden hat, bestätigt dies. Darüber hinaus bestätigt sich außerdem, dass „traenen“ einer von den Titeln ist, die zeitlos sind und somit auch gegenwärtig noch funktionieren.

Das Electropop-Fundament des Tracks wird von den hier beteiligten Künstlern als Basis genommen, um dem Song zusätzlich eine eigene Handschrift zu verpassen – immer entsprechend ihrer musikalisch-stilistischen Ausrichtung. So mag man zwar kritisieren, dass lediglich ein einziger Song den Inhalt von der EP „traenen“ bildet, dafür punkten die unterschiedlichen Interpretationen allerdings mit Abwechslungsreichtum. Fast allen Versionen ist dabei gemein: Sie belassen dem Track seine Tanzbarkeit. Eine Ausnahme bildet diesbezüglich die Version als „Bleve-Effect-Mix“, die im sonst dance-poppigen Treiben eher sphärisch daherkommt.

Superikone (Copyright: Jonas Kozinowski)

Als hätte man sich untereinander abgesprochen, um sich nicht zu wiederholen, treten hier also immer wieder neue Facetten des Songs zutage, und es überrascht, wie vielseitig und anders klingend man ein einzelnes Lied ausfallen lassen kann.

Worauf man allerdings vergeblich hofft und wartet, sind nicht nur Remixversionen vorzufinden, sondern eigenständige Coversongs des Titels. Das hätte der Veröffentlichung definitiv einen weiteren Pluspunkt verschafft.

In erster Linie werden – gerade wegen der Zelebrierung eines einzelnen Songs – die Fans von Superikone auf ihre Kosten kommen und mit dem Projekt das Jubiläum feiern können. Allen anderen wird die Version des Liedes auf dem Album „Paläste aus Katzengold“ – trotz guter und gelungener Neufassungen auf der EP – genügen.

Video

Tracklist

01 traenen (Bodypop Mix)
02 traenen (Ede M. Mix)
03 traenen (MK II Radio Edit)
04 traenen (Stör‘ mich nicht in meiner Erinnerung-Remix)
05 traenen (Bleve-Effect Remix)
06 traenen (The Dark Unspoken Mix)
07 traenen (Orpheus In Red Velvet Mix)
08 traenen (Vainerz Remix)
09 traenen (Das Fortleben Mix)
10 traenen (1998 Lunastoy Originalmix)

Details

Superikone – Facebook
Superikone – Soundcloud

Label: RGK – Rat für gegenseitige Kulturhilfe / BelieveDigital
VÖ-Termin: 17.08.2018
Spielzeit: 40:02

Copyright Cover: RGK



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde