Review

Die Münsteraner Jungs von Suntrigger sind neu im Post-Rock-Geschäft und wollen mit ihrem Erstling „Interstellar“ zu den Großen vordringen. Rein musikalisch sollte das gelingen, denn die Band mixt soliden Rock mit etwas Progressivität und kreiert Soundlandschaften à la If These Trees Could Talk.

Schon mit dem Namen ihres Albums machen Suntrigger alles richtig, bedenkt man ihren ziemlich sphärischen Klang. Im Gegensatz zu manch einer Genre-Bekanntheit bleiben Suntrigger diesbezüglich zwar etwas gediegener und bodenständiger, ihr Opener „Unbreakable“ zeigt dafür bereits die recht poppige Seite der Truppe, die leicht ins Postige abdriftet, was nicht zuletzt an den harten Klängen liegt, die die Band in nicht zu brutaler Manier auffährt.
Wirklich gut gefällt zudem die Riffauswahl. Ausgehend von einem Hauptriff als Thema erstellen Suntrigger drumherum einen Song. So etwas hört man heutzutage nur noch selten, und es zeigt gleichsam, dass die Melodien sehr catchy geschrieben sind.

So wird ein Thema immer wieder neu interpretiert und dem Hörer noch einmal präsentiert. Obwohl böse Zungen behaupten könnten, dass die Band lediglich die gleichen Ideen verwertet, bringt dieses Vorgehen dennoch Abwechslung.

Um die Songs interessant zu halten, fehlt es den Jungs zudem nicht an spielerischer Raffinesse. Nach dem ersten Durchlauf von „Interstellar“ wird außerdem klar, dass es sich hier um gute Musiker handelt, die gut aufeinander eingespielt sind. Marcel an den Drums besitzt einen natürlichen Flow, der nicht jedem in die Wiege gelegt ist, Till an der Gitarre weiß mit kleinen Spielereien sowie guten Atmo-Parts zu überzeugen und Oliver am Bass sorgt in den dünnen Gitarren-Parts für so richtig Dampf und Drive.

In Songs wie „Go Ahead (Make My Day)“ sind vor allem die starken progressiven Einflüsse herauszuhören, die die Band ebenfalls gekonnt einsetzt. „Deep Black Sea“ versetzt die Hörer hingegen in die guten alten Rockzeiten inklusive Synthie-Sound zurück. Den Titel so klingen zu lassen, wie einen grandiosen Rocksong mit leichtem Stoner-Einschlag wie ihn Mastodon machen, ist eine hohe Kunst, die die Band mit Bravour meistert. Den Jungs zuzuhören, macht somit einfach Spaß.

Suntrigger (Copyright: Suntrigger)

Dazu trägt auch der Gesamtsound bei, der schön abgerundet und natürlich klingt sowie das Gefühl einer Livesituation heraufbeschwört.

Für ein Erstlingswerk ist hier schon eine Menge gutes Material vorhanden.
Missfallen könnten einigen allerdings die jeweiligen Längen der Songs, denn bei teils über 7-minütigen Spielzeiten bleiben nicht alle Hörer am Ball – obwohl es sich definitiv lohnen würde.

Abschließend kann man festhalten, dass Suntrigger ein wirklich famoses Debüt auf die Welt loslassen. Ihr vielfältiger Mix aus Rock, Pop, Stoner und Prog lassen viele Hörerherzen höherschlagen. Jetzt heißt es, sich beweisen und präsent sein. Wenn das klappt, dann sollten Suntrigger bald auf den großen Bühnen der Republik und weit darüber hinaus zu sehen sein.

Video

Trackliste

01 Unbreakable
02 Seven Deadly Sins
03 Lost
04 Go Ahead (Make my Day)
05 Suntrigger
06 Deep Black Sea
07 The Next World
08 Mojave (The Unheard Call In the Desert)
09 Interstellar

Details

Suntrigger – Homepage
Suntrigger – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 03.02.2017
Spielzeit: 64:04

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Marcus
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