Review

Ob als Phönix aus der Asche oder (wie es im Pressetext heißt) als Wiedergeburt „im Sinnbild der ägyptischen Göttin Isis“ – das Comeback von Sunterra aus Österreich kann man metaphorisch sicherlich auf unterschiedliche Art und Weise umschreiben. Um es aber kurz zu machen: Sunterra sind nach über zehn Jahren zurück und das in geänderter Besetzung, mit stilistischen Wandlungen und dem neuen Album „Reborn“.

Kurz fasst sich darauf auch die Band, denn diese läutet mit nur sechs Songs ihre Rückkehr ein. Für einen ausreichenden Einblick in ihr derzeitiges Schaffen reicht das Material aber allemal, und schnell wird deutlich, dass Sunterra 2016 nichts für Geradeaus-Denker sind. Vielmehr betont die Band auf „Reborn“ eine sehr experimentelle und äußerst elektronische Seite. Das führt sowohl zu reichlich Abwechslung, als auch zu Momenten, über die die Fans geteilter Meinung sein könnten.

Denn durch die Vielzahl an eingeflochtenen Elementen kann der Hörer den musikalischen Visionen der Musiker nicht immer ganz folgen. Zugleich gestalten sich die einzelnen Songs oftmals sehr unberechenbar. Indem die Lead-Instrumente, das Tempo und dadurch der eigentliche Charakter eines Titels stets wechseln, kommt es nicht selten vor, dass der Konsument abrupt beim Mitbangen ausgebremst wird, nur um beispielsweise ruhige Passagen, getragen von sanften Pianomelodien fortan zu verfolgen. „This Is W.A.R“ ist für dieses Phänomen nur ein Beispiel, das zwar den Abwechslungsreichtum von Sunterra verdeutlicht, gleichzeitig aber auch den Hörfluss immer wieder zum Erliegen bringt.

Doch nicht nur der Hör- auch der Melodiefluss wird auf „Reborn“ oftmals unterbrochen. Überzeugt jener noch in den Strophen des Titels „Reign Supreme“, lenken die oft sehr experimentell klingenden elektronischen Beigaben zu sehr von der eigentlichen Songessenz ab. „Shadow In The Dark“ startet dementsprechend mit ausgeprägten Electro-Spielereien und verliert dadurch unnötig Zeit, die sich nach und nach herauskristallisierenden Stärken des Titels frühzeitiger auf den Punkt zu bringen.

Sunterra (Copyright: Sunterra)

Sunterra (Copyright: Sunterra)

Während man zudem die Flöte als sich etablierten Bestandteil im Sound von Sunterra auf „Reborn“ nicht ausmachen kann, glänzen die Growls in beinahe jedem Song. Assoziationen zu Crematory werden diesbezüglich nicht unbegründet geweckt. Indes erinnert die elektronische Schlagseite (darunter auch Dubstep-Elemente) in Sunterras Industrial-/Gothic-Metal-Soundmix an Kreationen von Massive Attack.

Dass Sunterra trotz dieser Reminiszenzen immer noch eigenständig sind, zeigt „Reborn“ allerdings ebenso. Und so ist ihnen mit nur sechs Songs ein kompakter, aber vielversprechender Ausblick auf einen eventuellen zukünftigen musikalischen Werdegang geglückt, der lohnt, vor allem von freigeistigen Hörern unter den Fans verfolgt zu werden.

Video

Tracklist

01 Reign Supreme
02 Shadow In The Dark
03 Lord Of Lies
04 This Is W.A.R
05 Ministry Of Thoughts
06 Shut Up!!!

Details

Sunterra – Homepage
Sunterra – Facebook

Label: NRT-Records
Vö-Termin: 20.01.2017
Spielzeit: 28:28

Copyright Cover: NRT-Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde