Review

Ein vielversprechendes Album mit dem Titel „My Own Truth“ erreicht die hiesigen Metal-Fans von der Band Sunlight aus Griechenland. Diese vereinen auf ihrem ersten Vollwerk neun Songs, denen man die verschiedenen Einflüsse aus Hardrock, Power Metal und Alternative Metal anhört. Jene Hörer, die sich für Bands wie Edguy, Wisdom und sogar 3 Doors Down begeistern können, sollten nun weiterlesen und Sunlight im Auge behalten, denn hier bahnt sich scheinbar etwas Größeres an.

Ihr Potenzial stellen sie schon im eingängigen Opener „Back to Life“ hervorragend unter Beweis. Passend wechselt Sänger Dimitris Giannakopoulos beim Wort „higher“ in die Kopfstimme und erinnert so unter anderem an Tobias Sammets Bestzeiten. Ebenfalls kristallisiert sich hier die Keyboardpräsenz im Sound der Band Sunlight heraus, die den Hörer auch im Folgenden stets begleiten wird. Das sollte man wissen und auch mögen, allerdings fügen sich die Keyboard-Einsprengsel harmonisch in den Gesamtklang des Albums „My Own Truth“ ein.

Nachdem mit „Follow Your Heart“ teilweise Erinnerungen an die 80er heraufbeschworen werden, nicht zuletzt durch das bereits genannte Keyboardspiel, schließt sich die erste balladeske Nummer an. Der Titeltrack, zu dem auch ein Video gedreht wurde, besitzt mitunter eine poppige Note. Würde es klassische Boybands in der Metalszene geben, Sunlight würden sich mit „My Own Truth“ dafür mehr als prädestinieren. Dies ist jedoch nicht negativ gemeint, denn auch die seichteren Klänge mit Pop-Attitüde beherrscht die Band und wird damit vorrangig die weibliche Hörerschaft für sich gewinnen.

Die hardrockigen Einflüsse hört man schließlich den Rock ’n‘ Roll-lastigen Songs „Eastern Train“ und „Earthquake“ an. Spielfreude pur, handwerklich gut gemacht und zügig gespielt heben sich die beiden Titel von den anderen Songs des Albums ab und bringen Abwechslung. Es ist jedoch eine Geschmacksfrage, ob man das gutheißt oder lieber den straighten Power Metal-Weg bevorzugt. Jener nämlich und die Alternative Metal-Schiene, wie sie im Song „When I See You“ zum Ausdruck gebracht wird, gefallen mir persönlich beispielsweise am besten.

Apropos „When I See You“: Wer sich nicht mehr an die 3 Doors Down Ballade „Here Without You“ erinnert, der wird spätestens mit Sunlights Ballade wieder daran denken müssen, denn phasenweise sind die melodischen und songstrukturellen Parallelen mehr als offensichtlich.

Eine Ballade schließt letztlich auch das Album. „Lonely Man’s Song“ wartet mit Geigen auf und stellt den angenehmen, aber mit sehr viel Vibrato daherkommenden Gesang ins Zentrum des musikalisch reduzierten Geschehens.

Sunlight (Copyright: Sunlight)

Sunlight (Copyright: Sunlight)

Insgesamt gibt es viele schöne ruhige Momente auf „My Own Truth“, ebenso aber auch treibende Songs, die sofort ins Ohr gehen und mitreißen. Abwechslung wird hier großgeschrieben, ein aussagekräftiges Bandprofil bleibt dabei jedoch noch ein wenig auf der Strecke. Zu oft hört man in Songs Ideen, die es so oder ähnlich bereits von anderen Bands gibt, sodass zeitweilig der Eindruck entsteht, einer sehr guten Coverband zuzuhören. Dies und die Tatsache, dass die unterschiedlichen Genre-Einflüsse pro Song ihren Einsatz finden, statt miteinander kombiniert zu werden, spricht dafür, dass Sunlight an einem straighteren musikalischen Auftreten noch arbeiten könnten. Zudem hätte der Sound noch satter ausfallen können. Davon abgesehen liegt mit „My Own Truth“ aber ein Album vor, das trotz der minimalen Kritik nach Dauerrotation schreit und schon jetzt den Wunsch nach mehr Material der Griechen aufkommen lässt.

Video

Tracklist

01 Back to Life
02 Follow Your Heart
03 My Own Truth
04 Eastern Train
05 When I See You
06 Earthquake
07 Rockin‘ All Around
08 Struggle for Deliverance
09 Lonely Man’s Song

Details

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Label: Total Metal Records
Vö-Termin: 04.05.2015
Spielzeit: 40:24

Copyright Cover: Total Metal Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde