Review

Schon bald nach ihrer Gründung Anfang 2000 und dem 2003er Debütalbum „Spray“ galten Sulpher als eine der progressivsten europäischen Industrial-Metalbands. Doch statt diesen Status zu festigen, folgte eine mehrjährige Pause, in der sich insbesondere Sänger und (neben Drummer Steve Monti) Bandmitbegründer Rob Holliday als Gitarrist von Marilyn Manson oder The Prodigy auf den großen Bühnen der Welt austobte.
Nun, 2018, erlebt die inzwischen neu formierte Band Sulpher ein Comeback und zelebriert das mit dem Album „No One Will Ever Know“.

Auf dem gerade mal zweiten Album der Bandgeschichte beackert das Alternative-Rock-Quartett thematisch das weite Feld der zwischenmenschlichen Beziehungen und knüpft sich vor allem dessen weniger sonnige Seiten vor. Liebe, Hass und alles, was dazwischen liegt, findet demnach hier Berücksichtigung und wird durch die Musik an die Hörer transportiert.

Daher sollte man annehmen, dass die Atmosphäre auf „No One Will Ever Know“ entsprechend abwechslungsreich ausfällt. Tatsächlich ist dem nicht so. Einzig mit einem Song wie „Tomorrow“ wird es auf einmal ganz ruhig mitten im sonst sehr quirligen und scheppernden Albumgeschehen. Die Ballade stellt den Gesang von Rob Holliday in den Vordergrund und wirkt insgesamt sehr reduziert. Die Folge: Eine gelungene Verschnaufpause vom ansonsten noisigen Treiben, das sich auch im Sound widerspiegelt.

Bereits der Opener und gleichzeitige Titeltrack „No One Will Ever Know“ weist diesen noisigen und teils grungigen Anstrich im Sound auf. Phasenweise ein wenig verrauscht und dreckig, trotzdem modern und mit hell klingender Pianoeinlage kommt der Track daher, der bereits vor der Albumveröffentlichung mit einem Musikvideo als Vorgeschmack für die Hörer ausgekoppelt wurde.

Hier und auch an anderen Stellen auf „No One Will Ever Know“ kommen einem Filter, dem einen oder anderen eventuell auch Nine Inch Nails in den Sinn. Die Eigenständigkeit von Sulpher leidet darunter jedoch nicht.

Hollidays leidenschaftlicher Gesang, aber insbesondere die jeweiligen Songentwicklungen fallen diesbezüglich immer wieder auf. Von ruhig zu schnell, von leise zu laut, von melancholisch zu aggressiv schicken Sulpher ihre Hörer binnen nur eines Tracks auf eine entdeckungswürdige Reise. Nicht selten wirken einige Songs dabei sehr aufwühlend; das Interlude-artige „Didn’t Ever“ sogar teilweise sehr beklemmend, ehe es sich am Ende explosionsartig entlädt. Bis es aber zu dieser Steigerung kommt, ergeht sich „Didn’t Ever“ in repetitiven Phasen. Damit erscheint die Songlänge von 4:35 Minuten letztlich zu lang.

Was Sulpher bei „Didn’t Ever“ an Kürzungen verpasst hat, meinte die Band des Öfteren hinsichtlich ihrer Songenden zu gut. Häufig fallen diese eher abrupt und scheinbar abgebrochen aus. Kann man mögen, muss man aber nicht.

Sulpher (Copyright: Sulpher)

Genau so wird es einem mit den Titeln an sich ergehen. Auf der einen Seite hat „No One Will Ever Know“ definitiv seine Momente, die kritiklos bestehen und unbedingt zum mehrmaligen Hören verleiten. Auf der anderen Seite sind vor allem die Eruptionen im Rahmen der Songentwicklungen nicht immer angenehm zu hören. Hier sollte man schon Fan der Band und des Genres sein, um mit den sulpherschen Ausbrüchen wie u.a. in „Follow You Down“ dauerhaft etwas anfangen zu können. Besonders wenn ein bis dato gemächlicher Rhythmus durch eine elektronische Breitseite, Verzerrungen und entsprechender gesanglicher Variation ab- oder sogar ganz aufgelöst wird (beispielsweise in „Used“ der Fall), stellen Sulpher ihre Hörer auf die Probe.

Dass dies auch harmonisch verlaufen kann, zeigt wiederum ein Titel wie „You Threw It All Away“. Seine in sich stimmige Entwicklung reißt den Hörer nicht aus dem Songgeschehen, der Hörfluss wird nicht gestört – alles in allem ein perfekter Titel, mit dem sich auch Genrefremde anfreunden könnten.

Mit dem Song „Feels Like The End“ schließen Sulpher ihr Album, das sich im Ergebnis jedoch gar nicht nach einem Ende anfühlt. Die Briten sind wieder zurück und zeigen dies mit zehn neuen durchdachten Songs.

Video

Tracklist

01 No One Will Ever Know
02 Follow You Down
03 Used
04 You Threw It All Away
05 Take A Long Hard Look
06 Didn’t Ever
07 Nothing
08 Tomorrow
09 Fell Through
10 Feels Like The End

Details

Sulpher – Facebook

Label: Oblivion / SPV
Vö-Termin: 31.08.2018
Spielzeit: 44:26

Copyright Cover: Oblivion / SPV



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde