Review

Irish Folk. Das sind ein mehrstimmiger Gesang, der das Herz berührt, eine Akustikgitarre als warme Basis für den leidenschaftlichen Tanz einer Violine. Diese Komponenten bringen Sehnsucht und Fernweh, Melancholie und gleichzeitig aber auch Lebensfreude in die Gedankenwelt. Zumindest theoretisch und wenn es gut gemacht ist. Wie gut jedoch Irish Folk einer Hamburger Gruppe namens Strings & Spoons ist, zeigt sich auf ihrem Debütalbum „A Spoonful“.

Dieser Silberling setzt sich laut eigenen Angaben aus zahlreichen Klassikern des Genres zusammen, welche stetig neu bearbeitet und ausgefeilt wurden, bis sie schließlich den eigenen, unverfälschten Stil der Band trugen. Präsentiert werden also zwölf mal mehr, mal weniger bekannte Songs, in einem traditionellen Arrangement aus den oben genannten Hauptbestandteilen.

Der Opener „Crooked Jack“ komprimiert diese Zutaten auf ein handliches Maß aus 3:04 Minuten. Der männliche Leadgesang wird im Refrain durch zwei weitere Stimmen ergänzt, dazu der gemütliche Instrumentenreigen aus Fidel und Klampfe. Prinzipiell kein schlechter Einstieg, doch nach diesem bemerkt man mit jedem weiteren Song ein ganz bestimmtes Problem: den Gesang.

Ist dieser im ersten Song noch verschmerzbar „authentisch“ genuschelt, so ist in den meisten weiteren Songs der Leadgesang des weiblichen Bestandteils der Band – Astrid ihr Name – leider eher schwach auf der Brust. Die Kraft in der Stimme der Sängerin fehlt einfach. Deutlich zu spüren zum Beispiel im zweiten Track „Farewell to the Rhonda“, den sie nahezu allein bestreiten muss. Sicherlich – Irish Folk ist kein Gospel, der Gesang ist hier zarter und leicht vibrierend. Aber es gibt eben doch einen hörbaren Unterschied zwischen einem bewussten Schlenker und einem nicht gehaltenen Ton.

Die beiden männlichen Stimmen der Band sind hier deutlich sicherer unterwegs. Und auch als Trio – wie in „In the Hills of Connemara“ – funktioniert das Konzept recht gut, da so die Schwächen im Gesang in der Gruppe etwas untergehen. Jedoch bleibt an den Solo-Stellen immer der unterschwellige Eindruck, dass Astrid stets ein Mµ daneben liegt. Schade, denn ihr Timbre passt eigentlich gut in dieses Genre. Das beweist sie beispielsweise bei der Ballade „Smugglers“. Vielleicht liegt es also auch am Tempo, dass die Töne nicht ganz dort landen, wohin sie gehören?

Musikalisch können Strings & Spoons aber dennoch gut mitmischen. So sind beispielsweise der dritte Track „Dennis Murphy’s Polka“ oder auch der elfte „Blarney Pilgrim/Irish Washerwoman“, ihres Zeichens Instrumentalsongs, zwei absolut stimmige, klassische Irish Folk Stücke, wie man sie in jedem Pub erwarten könnte. Die Spoons bzw. Löffel nehmen übrigens nicht nur im Namen der Band, sondern auch musikalisch eine prominente Position ein. Ihr Klingeln und Klappern wird in einigen Songs zu einem treibenden Rhythmus, der Laune macht. Auf dieser Linie braucht sich das Quartett also keine Sorgen zu machen.

Strings & Spoons (Copyright: Strings & Spoons)

Strings & Spoons (Copyright: Strings & Spoons)

Insgesamt vermittelt das Album einen gewissen Live-Charakter. In einigen Songs hört man etwa Stimmengemurmel, dazu sind die Aufnahmen offensichtlich nicht auf Hochglanz poliert. Der Sound von „A Spoonful“ wirkt ein wenig gedämpft und vermittelt das Flair eines echten Auftritts. Und das ist wohl das größte Kapital des Albums. Die Unmittelbarkeit und der Charme des Genres, den die vier Musiker tatsächlich überzeugend darbieten können. Dazu kommen die bekannten Melodien von traditionellen Songs wie „Ye Jacobites by Name“, „Molly Malone“, „Bonnie Ship, the Diamond“ – mit echtem Meeresrauschen, einer der wohl besten Tracks der Platte! – und dem selbst über die Grenzen des Irish Folks weit bekannten „Drunken Sailor“.

Zum wehmütigen Klang des letzten Liedes „Auld Lang Syne“ lässt sich zu diesem Debütalbum folgendes Fazit ziehen: Musikalisch kann die Band sich durchaus hören lassen und wird ihren Weg im Genre gehen. Zwar stechen sie nicht sonderlich heraus, aber immerhin ist es auch kein Totalausfall. Lediglich beim Gesang würde man sich noch ein wenig Üben wünschen. Dann kann sicherlich noch etwas mehr aus Strings & Spoons herausgeholt werden. Bis dahin landet „A Spoonful“ wohl weniger als Geheimtipp, sondern eher zufällig in den Playern von Irish Folk Fans.

Anspieltipps
Dennis Murphy’s Polka |Smugglers | Bonnie Ship, the Diamond | Drunken Sailor

Tracklist

01 Crooked Jack
02 Farewell To The Rhonda
03 Dennis Murphy’s Polka & John Ryan’s Polka
04 The Hills Of Connemara
05 Smugglers
06 Step It Out Mary
07 Ye Jacobites By Name
08 Molly Malone
09 Bonnie Ship, The „Diamond“
10 Drunken Sailor
11 The Blarney Pilgrim / Irish Washerwoman
12 Auld Lang Syne

Details

Strings & Spoons – Homepage
Strings & Spoons – Facebook

Label: Prosodia
VÖ-Termin: 15.02.2017
Spielzeit: 33:47

Copyright Cover: Prosodia



Über den Autor

Silvana
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A Cat is Purrfect.