Review

Wir alle sind Söhne und Töchter von Siedlern. Dieser recht poetische Gedanke liegt dem Namen des Duos Sons of Settlers zugrunde. Da fragt man sich doch, was für Musik eine solche Combo wohl produziert.
Ehemals zu viert, inzwischen nur noch zu zweit zeichnet sich die Band durch eine Mischung aus Folk, Rock und etwas Elektro, gespickt mit afrikanischen Vibes aus. Klingt abenteuerlich? Das stimmt! Ob dem wirklich so ist, zeigt sich auf der EP „Daily Rituals“.

Da die Band hauptsächlich in den Bereich Folk eingeordnet wird, ist der geneigte Hörer zunächst wohl gelinde gesagt etwas irritiert, denn der erste Track der Platte – „Prelude“ – klingt alles andere als zu diesem Genre passend. Verzerrt, elektronisch, Stimmengewirr, ein wenig sphärisch und immer knapp an der Disharmonie dran – so lässt er sich wohl beschreiben. An die versprochenen Folk-Einflüsse erinnert wenn überhaupt wohl nur der mehrstimmige Gesang.

Wer davon nicht zu sehr verschreckt wurde und der EP weiter lauscht, erfährt nun das komplette Gegenteil: Der zweite Titel „Noordhoek“ beginnt mit einem stampfenden Rhythmus und einer fröhlichen Akustikgitarre. Dazu kommt der harmonische Gesang, ein leises Cello im Hintergrund und fertig ist der prototypische Folk-Song. Positiv, simpel, eingängig. Dieser Song ist radiotauglich, ohne aufdringlich zu sein. Ähnlich verhält es sich auch mit seinem Nachfolger „The Valley Next To The Sea“. Ein sanft gezupftes Gitarrensolo lädt in den Song ein. Zu ihm gesellt sich schnell ein melodiöser Gesang, der aber auch etwas Melancholie verströmt. Doch der fröhliche Unterton bleibt auch hier erhalten.

Im vierten Song „Climb On My Back“ nimmt die EP dann aber doch noch Fahrt auf. Der ruhige Einstieg knüpft an die bisherige Stimmung an, steigert sich jedoch sowohl vom Tempo als auch von der Intensität her, bis er in einem ohrwurmverdächtigen Refrain gipfelt. Sowohl musikalisch als auch gesanglich zeigen die Sons of Settlers hier endlich eine abwechslungsreiche Vielfalt – sind die beiden Künstler doch wirkliche Multitalente. Und gerade, als man sich richtig eingegroovt hat, ist der Song auch schon wieder vorbei. Schade, ist er doch vielleicht der stärkste der ganzen EP.

Doch das ruhige, klavierlastige „Living Lies“ drängt auf die Bühne. Dieses Lied besticht vor allem durch seinen fast schon (zumindest im Vergleich zu den anderen Titeln) inbrünstig emotionalen Gesang. Es entsteht ein leiser Eindruck eines dramatischen Verlaufs, ein vorsichtiges Anklopfen von möglicherweise großen Gefühlen. Doch es bleibt bei diesen Andeutungen. Kein Aalen oder Suhlen in großen, musikalischen Gesten. Die Sons of Settlers mögen es lieber klar und geradlinig halten.

Und dann kommt der letzte Track auf „Daily Rituals“ – der ganze zwölf Minuten dauert. Etwas verwundert lauscht man also weiter und taucht in einen Feel Good Song nach bereits bekanntem Rezept ein: mehrstimmiger Gesang, fröhliche Gitarre, ein ratternder Rhythmus. Die versprochenen afrikanischen Vibes winken aus der Ferne verhalten herüber. Optimistisch und sorglos tänzelt, ja drängt der Song sogar gen Ende, immer weiter, bis er in einem fast schon zu langen und nicht richtig dazu passen wollenden sphärischen Ausklingen endet. Doch die Uhr steht gerade einmal bei etwas mehr als 4 Minuten. Gibt es etwa einen Hidden Track?

Tatsächlich! Doch will dieser ähnlich wie der erste Titel nicht so recht zum Rest passen. Würde der Song sich auf einer Daft Punk Platte wiederfinden – er würde passen, wie die Faust aufs Auge. Aber mit dem verzerrten Gesang und den elektrischen Sounds wirkt er auf dieser EP leider eher wie ein Fremdkörper. Und als er endet ist Track 6 im Übrigen immer noch nicht fertig mit dem Hörer. Nach einigen Sekunden Stille beginnt ein weiterer Song. Was kommt denn nun noch, fragt man sich. Die Antwort lautet: Noch eine Prise African-Folk-Pop. Als Instrumentalstück verbreitet dieser Mini-Song noch einmal gute Laune und bringt einen Hauch Sommer mit sich. Ihn zum Abschluss zu bringen, ist durchaus eine charmante Idee – allerdings hätte es den Ausflug in den House nicht gebraucht.

Sons of Settlers (© Caroline Mackintosh)

Was bleibt also zu sagen? Eine Mischung aus Folk, Rock und etwas Elektro, gespickt mit afrikanischen Vibes macht zumindest gute Laune. Jedoch wirkt die EP insgesamt leider etwas unrund. Gerade die elektronischen Parts fallen deutlich aus dem restlichen Setting heraus, wirken wie Fremdkörper und reißen einen aus der Feel Good Stimmung unschön heraus. Einen richtigen Höhepunkt können die Songs meist leider auch nicht anbieten. Sie ziehen ruhig und sanft am Ohr (aber auch am Herzen) vorbei, ohne sich richtig festzusetzen. Hier wäre vielleicht ein klein wenig mehr Ecke und Kante schön gewesen.

Zusammengefasst kann man also sagen: Da war schon viel Schönes dabei, aber man hat vielleicht versucht, zu viel auf zu wenig Raum zu beweisen. Abschreiben sollte man Sons of Settlers aber auf keinen Fall, denn wenn das Duo sich gefunden hat, kann da durchaus ein schöner Sound draus erwachsen.

Anspieltipps
Noordhoek | Climb On My Back

Video

Tracklist

01 Prelude
02 Noordhoek
03 Valley Next To The Sea
04 Climb On My Back
05 Living Lies
06 Coming Down

Details

Sons of Settlers – Homepage
Sons of Settlers – Facebook
Sons of Settlers – Twitter

Label: Lauter Leben Records
VÖ-Termin: 24.11.2017
Spielzeit: 21:04

Copyright Cover: Lauter Leben Records



Über den Autor

Silvana
Silvana
A Cat is Purrfect.