Review

Verrückt, wie die Zeit vergeht. Das letzte Album „Ótta“ ist schon wieder knapp zwei Jahre her und nach einem Drummer-Wechsel sowie ihrer ersten Headliner-Tour hat der isländische Exportschlager Sólstafir nun wieder Zeit und Muße gefunden, um seine Hörer durch das Album „Berdreyminn“ mit neuer Musik zu beglücken.

War „Ótta“ noch sehr ruhig und beständig, traut sich die Band auf „Berdreyminn“ wieder deutlich mehr auszubrechen und härtere Klänge an den Tag zu legen.

„Silfur-Refur“ ist bereits ein absoluter Megatrack als Opener. Mit isländischer Gelassenheit beginnend, entwickelt sich der Song zu einer richtig ordentlichen Rocknummer mit viel Kraft. Der Sound ist etwas rotzig und schön treibend, was den Einstieg zu einem absoluten Sólstafir-Track macht, der auf ganzer Linie überzeugt.

Ob das ganze Album so wunderbar weiterläuft? Es ist zumindest deutlich wechselhafter als noch „Ótta“.
Beispielsweise kommt „Isafold“ sehr poppig daher und könnte auch mit der Stimme von David Hasselhoff gut zur Geltung kommen. Auch wenn Aðalbjörn mit seinem Gesang immer für Gänsehaut sorgt, muss man diese Form der Gesangsdarbietung schon mögen.

Insgesamt ist „Berdreyminn“ (im Vergleich zu „Ótta“) deutlich geradliniger geschrieben. Klar schweifen die Jungs gerne nochmal aus, aber das Songwriting stand hier definitiv im Mittelpunkt und die Umsetzung ist gut geglückt.

Ebenfalls von Vorteil: Man muss sich nicht mehr die Filetstücke heraussuchen, sondern kann das Album im Ganzen genießen, denn jeder Track bietet auf seine Art etwas Faszinierendes.
„Dýrafjödur“ startet z.B. mit einem verträumten Klavierspiel, welches den Hörer sofort in den Bann zieht. Augen zu und genießen ist hier die Devise.
Kurz darauf befinden wir uns in den rockigen Tagen der vielleicht 80er oder 90er. Sólstafir verstehen es, Altes und Traditionelles in ihren Sound zu verbinden. Dabei bleibt Adalböjrn komplett stumm und lässt nur die kraftvollen Instrumente wirken. Absolut phänomenal.
Ein wenig Indie gefällig? Dann dürfte „Ambátt“ richtig gut gefallen. Wenig Instrumenteneinsatz, dafür viel Gesang. Zur Mitte hin wird der Song eine Tanznummer, die man so nicht erwartet hätte. Sólstafir sorgen also für viel Abwechslung.

Sólstafir (Copyright: Sólstafir)

Den Gesamtsound betreffend wird hier Sólstafir-typisch nichts poliert, sondern alles sehr natürlich belassen. Das nordische Lebensgefühl und ihre isländische Herkunft lässt die Band seit Jahren hörbar in ihre Platten einfließen, was sie sowohl unverkennbar als auch so liebenswert macht.

Zum Abschluss sei allen Interessierten noch „Blafjall“ ans Herz gelegt. Der Song wird zum Ende hin ein richtiger Kracher, gerade weil die Band endlich mal das Tempo anhebt.

Sólstafir enttäuschen selten, so auch auf „Berdreyminn“ nicht. Das Album ist abwechslungsreich, ehrlich und 100% Sólstafir.

Video

Trackliste

01 Silfur-Refur
02 Ísafold
03 Hula
04 Nárós
05 Hvít Sæng
06 Dýrafjörður
07 Ambátt
08 Bláfjall

Details

Solstafir – Homepage
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Label: Season of Mist
Vö-Termin: 26.05.2017
Spielzeit: 57:23

Copyright Cover: Season of Mist



Über den Autor

Marcus
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