Review

Unmittelbar verbindet man Sören Vogelsang mit seinem ehemaligen Projekt Das Niveau, mit dem er, gemeinsam mit ex-Bandkollege Martin Spieß, auf unzähligen (Mittelaltermarkt)Bühnen zuhause war. Dass der Barde auch Töne fern der Folk-Comedy anschlagen kann, bewies er einst mit seinem Soloalbum „Augenblick“. Fünf Jahre nach seinem Alleingangsdebüt lässt er nun einen Nachfolger auf seine Hörer los und zeigt auf dem abermals durch Crowdfunding realisierten Album namens „Fernweh“, dass mit ihm im Singer-Songwriter-Bereich zu rechnen ist.

Mit einer lockeren „Autobiografie“ in aller Kürze (sprich 3:45 Minuten) startet Sören Vogelsang mit „Ich bin ich“ in sein zweites Solowerk. Neben Streichern, die bereits auf „Augenblick“ ihren Platz gefunden haben, kommt genretypisch die Akustikgitarre als wiederkehrendes Element der gesamten Veröffentlichung zum Einsatz. Doch Opener „Ich bin ich“ beherbergt zudem ein weiteres Hauptinstrument von „Fernweh“, das Cajon.

Sorgt das Saxofon mit einem seltenen Auftritt im Folgesong „Zwei“ für Abwechslung, ist es im anschließenden Titeltrack das Akkordeon, welches den instrumentalen Facettenreichtum des Albums verdeutlicht. Beide Instrumente bleiben jedoch eine Ausnahmeerscheinung, und doch geben sich die Tracks in ihrer stilistischen Klangart, die von jazzigen Parts („Zwei“), über klassische Singer-Songwriter-Kost bis hin zu Reggae-Tunes („Beziehungswaise“) reicht, sehr wandelbar. Damit hält Sören Vogelsang die Spannung aufrecht, was den Hörer auf „Fernweh“ und seinen elf Songs wohl als nächstes erwarten mag, ohne jedoch musikalisch einen roten Faden zu verlieren.

Gerne hört man sich das Album „Fernweh“ neben der Musik aber vor allem aufgrund der Texte an. Clever, wortakrobatisch und an passender Stelle humorvoll reihen sich hier kleine Geschichten aneinander, die nicht selten dem Hörer aus der Seele sprechen. Mal ernsthaft und nah am Leben, mal schwelgerisch-poetisch, hin und wieder auch nachdenklich oder gewollt komisch schickt Sören Vogelsang seine Hörer somit auf eine kleine Reise durch die Welt der unterschiedlichen Emotionen und wirkt dabei oftmals sehr persönlich, während seine Musik diese erzeugten unterschiedlichen Stimmungen perfekt unterstreicht.

Sören Vogelsang (Copyright: Sören Vogelsang)

Ab und an kommen einem beim Hören von „Fernweh“ die musikalischen Ergüsse von Farin Urlaub (Racing Team) in den Sinn, wenngleich bei Sören Vogelsang Akustikklänge und der Singer-Songwriter-Einschlag deutlicher im Mittelpunkt stehen.
Dies spiegelt sich auch in der Produktion wider, die – der angestrebten Atmosphäre des Albums angepasst – den Gesang eher leise und dumpf ausfallen lässt. Für Fans des satten Sounds hätte es diesbezüglich daher gerne kraftvoller zugehen können, denn einige Male bleibt der Gesang unter dem Radar. Zwar klar artikuliert und gefühlvoll intoniert, wird die Stimme nicht selten vom Cajon-Spiel dominiert, bei dem man stets alles gibt, sodass die gesamte Bandbreite des Instrumentes hier zum Ausdruck kommt.

Aber nicht nur Cajon-Fans werden mit „Fernweh“ glücklich werden. Überraschenderweise gelingt es Sören Vogelsang trotz vorherrschender Singer-Songwriter-Manier, eine breite Hörerschaft anzusprechen; hauptsächlich ist dies den mitreißenden und/oder gefühlvollen Melodien geschuldet. Daher gilt: Zugreifen und diesen Musiker in seinem Tun unterstützen!

Video

Tracklist

01 Ich bin ich
02 Zwei
03 Fernweh
04 Abschiedslied
05 Die Zeit
06 Fick dich
07 Beziehungswaise
08 Gutmensch
09 Yeti
10 Kalsarikännit
11 Mädchen aus Glas

Details

Sören Vogelsang – Homepage
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Label: Pretty Noice Records / Soulfood / recordJet
Vö-Termin: 22.07.2016
Spielzeit: 42:21

Copyright Cover: Pretty Noice Records



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde