Review

Das Trio Sloppy Joe’s aus Hamburg liefert seinen Hörern laut Titel ihres aktuellen Albums „Eight Reasons To Rock“.
Bedenkt man ihre stilistische Ausrichtung, mit der man sich dem Rock’n’Roll inklusive starkem Rockabilly- und Punk-Einschlag verschrieben hat, dürfte damit nicht zu viel versprochen worden sein, zumal man mit einigen Coverversionen Hit-Garanten auf den Rundling platziert, um hier den Albumnamen zum Programm zu machen.

Und so startet „Diana“ (im Original von Paul Anka aus dem Jahre 1957) bereits mit vertrauten und aufgerockten Tönen lässig-rotzig in den Silberling, orientiert sich nah an der Ursprungskomposition, verpasst dem antiken Stück jedoch einen sehr modernen und dynamischen, auf Tempo gespielten Touch.

Der Country-Oldie „Lonesome No.1“ (ursprünglich von Don Gibson) steht dem in nichts nach, wird genretechnisch entfremdet und in angerockter Manier dargeboten und erhält durch treibende Schlagzeugpassagen, die in schleppende Rhythmen münden, das nötige Quäntchen Abwechslung.

Bei der von Sloppy Joe’s favorisierten Stilistik darf natürlich auch der Ramones-Klassiker „Sheena Is A Punkrocker“ nicht fehlen. Viel falsch machen kann man bei der Auswahl an Covertiteln nicht – bis „Without You“ kommt, eine Ballade, die Mariah Carey den großen Erfolg brachte, eigentlich aber von der britischen Band Badfinger stammt. Zeit für Kitsch und weichgespülten Pop inmitten der sonst nach vorne gespielten (Punk-)Rock-Titel? Ein wenig, doch Sloppy Joe’s meistern die Schmusenummer beachtlich, greifen an passender Stelle härter in die Saiten und stellen unter Beweis, dass sie nicht nur eine Spaßkapelle, sondern durchaus ernst zu nehmen sind. Da der Gesang bei diesem Track im Vordergrund steht, wird zudem deutlich, dass Jesse Garon am Mikro wahrlich Talent besitzt und durch seine warme Stimme auch Emotionen an die Hörer transportieren kann.

Geht man mit den sauber performten und teils uminterpretierten Covernummern auf Nummer sicher, überraschen Sloppy Joe’s nach ihrer Debüt-EP von 2013 auf „Eight Reasons To Rock“ erstmals mit eigenen Songs – und auch diese Titel können überzeugen.
„Right Decision“, der zusätzlich als Akustikvariante den Abschluss des Albums bildet, erinnert durch seine punkige Attitüde an Bands wie The Offspring. Hin und wieder gemahnen die Eigenkompositionen zudem an Blink 182 oder Volbeat. Starke Referenzen, denen Sloppy Joe’s zwar gerecht werden, in Sachen Eigenständigkeit zukünftig jedoch trotzdem noch eine Schippe drauflegen könnten.
Keinen Handlungsbedarf gibt es dafür bezüglich der Energie und Spielfreude, die Sloppy Joe’s hier an den Tag legen.

Sloppy Joe's (Copyright: Sloppy Joe's)

Sloppy Joe’s (Copyright: Sloppy Joe’s)

„Eight Reasons To Rock“ also? Hier müsste man eventuell doch zwei Tracks abziehen, denn auch wenn die Balladen „Without You“ und „Right Decision (Acoustic Version)“ hervorragend durch die Boxen drängen und vor allem gesanglich brillieren, laden jene beiden Songs nun nicht gerade zum Rocken ein.
Halten wir also fest: Sloppy Joe’s liefern mit „Eight Reasons To Rock“ eigentlich sechs gute Gründe zu rocken und ergänzen den Rundling um zwei Schmusetitel. Ihre Spielfreude ist – egal ob Eigenkreation oder Cover – permanent herauszuhören und reißt den Hörer unweigerlich mit. Umso bedauerlicher, dass nach acht Tracks und einer mehr als kompakten Spielzeit von nur 30 Minuten bereits Schluss ist, denn obwohl Sloppy Joe’s das Rad nicht neu erfinden und teilweise immer noch ein wenig zu sehr nach Cover- statt eigenständiger Band klingen, hätte die Rock’n’Roll-Show der Jungs gerne noch länger anhalten können. So bleibt erst einmal nur die Repeattaste.

Video

Tracklist

01 Diana
02 Lonesome No.1
03 Right Decision
04 Eat Sloppy Joe’s
05 Sheena Is A Punkrocker
06 Without You
07 Make Some Noise
08 Right Decision (Acoustic Version)

Details

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Label: Timezone Records
Vö-Termin: 30.09.2016
Spielzeit: 30:24

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde