Review

Sirenia haben dieser Tage mit „Arcane Astral Aeons“ ihren zweiten Longplayer mit Frontfrau Emmanuelle Zoldan in den Startlöchern. Diese konnte stimmlich bereits auf dem Vorgängeralbum „Dim Days of Dolor“ überzeugen, wenngleich seinerzeit der typische Sirenia-Flair etwas verloren ging und die Band drohte, im Female Fronted Bereich in Richtung Beliebigkeit abzudriften.

Kein Platz für Kritik

Von diesen damaligen Kritikpunkten ist auf dem aktuellen Werk der Norweger nichts mehr zu hören. „Arcane Astral Aeons“ startet mit „In Styx Embrace“ gleich richtig durch. Sakrale Chöre, Zoldans kräftige Sopranstimme in der Strophe und die Growls von Mastermind Morten Veland als Bridge münden in einem temporeichen Refrain, der fast schon an Nightwish zu deren besten Zeiten erinnert. Die vordergründigen sinfonischen Arrangements tragen zusätzlich zur Opulenz des Openers bei, der im weiteren Verlauf noch aggressivere Growls bietet und mit einem Akustikpart überrascht. „In Styx Embrace“ ist somit nicht nur abwechslungsreich ausgefallen, sondern beeindruckt mit großem Hitpotenzial.

Weitere nennenswerte Songs

Dies können auch die anschließenden Titel „Into The Night“ und „Love Like Cyanide“ uneingeschränkt für sich verbuchen. Auch diese beiden Stücke halten das Tempo hoch und warten mit viel Melodiestärke auf. „Into The Night“ punktet zusätzlich durch das gesangliche Zusammenspiel von Chor und Emmanuelle Zoldan, während „Love Like Cyanide“ stimmlich eine gelungene Bereicherung durch Gastsänger Yannis Papadopoulos (Beast In Black) aufweist, der hier die Clean Male Voice beisteuert.

Erst mit „Desire“ bekommt der Hörer Gelegenheit, etwas durchzuschnaufen. Der Songs setzt mehr auf Atmosphäre als auf Bombast, der Gesang obliegt ausschließlich Emmanuelle Zoldan und der Einbau eines französischen Chansons im Mittelteil bricht die herkömmliche Soundkulisse auf eher ungewöhnliche Weise auf.

Das folgende „Asphyxia“ scheint einen zunächst in die Zeiten von „At Sixes And Sevens“ zurückzuversetzen, bevor dann ein flotter Refrain in Kombination mit einer wunderbaren Melodie zum Seelen-Streichler wird.

Velands markante Growls verleihen danach „Queen Of Lies“ wieder deutlich mehr Härte. Klassischer Soprangesang bildet dazu einen gelungenen stimmlichen Kontrast.

Im Ergebnis ein Meisterwerk

Aber auch die Songs in der zweiten Albumhälfte, allen voran „The Twilight Hour“ und „Glowing Embers“, trumpfen durch ihre Unverwechselbarkeit auf und hinterlassen bleibende Eindrücke. Somit verfliegt die Spielzeit von rund 55 Minuten wie im Flug und man betätigt gerne die Repeattaste, um sich erneut in die Klangwelten von Sirenia zu begeben und weitere Details in den einzelnen Liedern zu entdecken.

Mit „Arcane Astral Aeons“ ist Sirenia endlich wieder ein Meisterwerk gelungen. Sämtliche Songs offenbaren den klassischen Sirenia-Sound und punkten zusätzlich mit ungemein großer Melodiestärke. Dazu sind sie abwechslungsreich genug, um unterschiedliche Stimmungen und Emotionen an die Hörer zu transportieren.

Starke Sängerin, französische Lyrics, Growls und Chöre

Sirenia (Copyright: Sirenia)

Frontfrau Emmanuelle Zoldan kann auf „Arcane Astral Aeons“ erstmals ihre gesamte beeindruckende stimmliche Range präsentieren und bestärkt unser Urteil, dass Sirenia mit ihr die bis dato beste Sängerin am Mikro hat. So changiert sie problemlos zwischen klassischen Sopran- und Normalgesang und bildet derart fast unweigerlich den Fixpunkt eines jeden Songs.

Weiterhin sehr auffällig ist der Einsatz französischer Lyrics in mehreren Songs. Dies gipfelt darin, dass „Nos Heures Sombres“ komplett in Zoldans Muttersprache gesungen wird. Eine mutige und, wie man feststellen muss, gelungene Entscheidung.

Growlpassagen sind, im Gegensatz zum Vorgängeralbum, wieder vermehrt in die Songs integriert worden und bilden somit auch auf Albumlänge eine weitere gesangliche Bereicherung. Dagegen sind die Chöre nicht mehr so omnipräsent und lassen dadurch anderen Songelementen mehr Raum.

Fazit

„Arcane Astral Aeons“ dürfte nicht nur alle Sirenia-Fans überzeugen, sondern allgemein im Female Fronted Metal viele Anhänger finden.

Video

Tracklist

01 In Styx Embrace
02 Into the Night
03 Love Like Cyanide
04 Desire
05 Asphyxia
06 Queen of Lies
07 Nos Heures Sombres
08 The Voyage
09 Aerodyne
10 The Twilight Hour
11 Glowing Embers
12 Love Like Cyanide (Edit)

Details

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Label: Napalm Records
Vö-Termin: 26.10.2018
Spielzeit: 55:15

Copyright Cover: Napalm Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde