Review

Aus der Schweiz sendet die Rockband Silver Dust bereits mit ihrem Opener des neuen Albums „The Age Of Decadence“ ein warmes „Welcome“ und lädt mit Distortion-Effekten auf der Stimme und einem Wechsel zwischen gesungenen und gesprochenen Versen scheinbar zu einem Kuriositätenkabinett ein, denn unhörbar assoziiert der Hörer durch die rockigen und gleichsam ungewöhnlichen Klänge eine ebensolche „Kulisse“.

Lange verweilen Silver Dust jedoch nicht in dem akustisch erzeugten steampunkigen Etablissement, sodass bereits mit dem zweiten Song „Heaven Knows“ eine weitaus rockigere, düstere Atmosphäre erzeugt wird. Klingt die angezerrte Stimme im Opener noch zuweilen anstrengend anzuhören und lässt den Konsumenten hoffen, nicht das ganze Album mit dieser Gesangsdarbietung leben zu müssen, wirkt genau dieser Effekt nun viel gefälliger. Gewöhnung oder einfach nur an dieser Stelle ein passend gewähltes Stilmittel? Wie auch immer das diesbezügliche Urteil ausfällt, „Heaven Knows“ weiß zu überzeugen und deutet gleichsam mit partieller hoher Kopfstimme die gesangliche Bandbreite der Band an.

„Heaven Knows“ wird allerdings ein weiteres Mal getoppt, und zwar von „My Heart Is My Savior“. Ein Song, der sich schön aufbaut und sich anschließend in intensiven, tragenden Momenten entlädt.

Vermehrt kommen auch die elektronischen Beigaben von Silver Dust zum Einsatz und selbst auf weibliche Gastvocals muss hier nicht verzichtet werden; wobei dies im Falle von „Forgive Me“ sicherlich eine Geschmacksfrage ist, ob jene notwendigerweise ihren Platz im Track hätten finden müssen, schrillt die hohe weibliche Stimme phasenweise doch allzu sehr im Ohr und zerstört dadurch die Atmosphäre des eher akustiklastigen Titels.

Silver Dust (Copyright: Sébastien Deloy)

Insgesamt machen es Silber Dust den Hörern nicht ganz leicht. Ob schnell und heavy, auf Englisch oder Französisch, mit oder ohne weibliche Gesangsunterstützung – abwechslungsreich legen sie mit jedem neuen Song den Fokus auf eine andere Stilnuance, während unterschiedliche Elemente integriert werden. Damit wird das Album „The Age Of Decadence“ nicht vorhersehbar und langweilig, es birgt gleichzeitig aber auch die Gefahr, dass nicht alle Titel gleichermaßen (und einige eventuell gar nicht) gefallen könnten.

Was in Albumform noch für gespaltene Meinungen sorgen kann, wird live jedoch sicherlich auf ganzer Linie punkten, denn bedenkt man das auch optisch hervorragend umgesetzte Konzept der Truppe, dürfte dieses in Kombination mit der Musik und etwaigen theatralischen Inszenierungen als Gesamtpaket auf der Bühne deutlich intensiver zünden.

Video

Tracklist

01 Welcome
02 Heaven Knows
03 My Heart Is My Savior
04 Shame On You
05 Princesse de ma chair
06 Morte D’Aimer
07 The Age Of Decadence
08 Now We Request
09 The Judgement Day
10 Forgive Me

Details

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Label: Fastball Music / Escudero RecordsSoulfood
Vö-Termin: 23.06.2017
Spielzeit: 43:47

Copyright Cover: Fastball Music / Escudero Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde