Review

Industrial Hardrock – sick oder beautiful? Im Falle der selbsternannten „gang of rockin‘ freakshow pirates from outer space“ lautet die Antwort wie der Bandname, nämlich Sick N‘ Beautiful.

Das dahinter steckende Quintett will seinen Hörern mit dem neuen Album das „Element of Sex“ erklären – entsprechend wundert auch das Outfit und Image der Truppe um die Sängerin mit dem Künstlernamen Herma nicht. Als eine sexy cyber- und steampunkige Ausgabe von Lordi ist man sich der Hingucker schon einmal gewiss. Dass sich auch ein Hinhören lohnt, will die Band mit zehn neuen Songs und einer Gesamtspielzeit von knapp 42 Minuten beweisen.

Schon nach wenigen Songs ist klar: Sick N‘ Beautiful spielen sich druckvoll nach vorne. In ihren Songs treffen nicht nur Hardrock und Industrial aufeinander, sondern sie versehen die Titel zudem mit reichlich Groove. Hin und wieder sogar etwas experimentierfreudig unterwegs, vernachlässigt die Band dennoch nie das nötige Quäntchen Eingängigkeit. Inmitten dieser mutigen und außergewöhnlichen Mischung geht es dann auch schon mal stampfenden Beats voran, wie etwa im Song „Slam!“, dessen Ausrufezeichen auch musikalisch Ausdruck verliehen wird.

Wenngleich eine Nummer wie „All Wanna Go To Heaven“ ein wenig ruhiger ausfällt, bleibt der Eindruck bestehen, dass Sick N‘ Beautiful scheinbar permanent auf die Zwölf geben. Umso willkommener ist da ein balladesker Titel wie „Heart December (Gate II)“ im ansonsten aufgekratzten Albumgeschehen.

Aufsehen erregt man allerdings nicht nur durch ein extravagantes Auftreten und eine gewagte Stilmixtur, sondern auch durch den weiblichen Leadgesang von Frontfrau Herma. Dieser verschafft der Band einen hohen Wiedererkennungswert, an dem auch stark verzerrte Momente nicht rütteln können. Um einen gesanglichen Vergleich zu bemühen, ließe sich am ehesten eventuell eine Band wie Battle Beast anführen. Sick N‘ Beautiful bewegen sich somit weit weg von typischen sopranen female fronted Gesängen – hin zu rotzig, kraftvollen Vocals.

Sick N‘ Beautiful (Copyright: Sick N‘ Beautiful)

Wo Sex und provokantes, auffälliges Äußeres bei einigen Bands als letztes Mittel gewählt wird, um sich Gehör zu verschaffen, nehmen Sick N‘ Beautiful ebendies gleich von Anfang an als Band- und nun auch Albumkonzept. Ob es gefällt, ist in diesem Fall wohl einmal mehr eine persönliche Geschmacksfrage. Wer in seiner Grundschulzeit schon nichts mit den Lehrern anfangen konnte, dessen Hände in Handpuppen steckten, die einem Lesen, Schreiben und Rechnen beibringen sollten, wird auch das „Gesamtkunstwerk“ Sick N‘ Beautiful nicht ernst nehmen können; Rock-Fans mit festbetonierten Genregrenzen haben erst recht nur ein Stirnrunzeln dafür übrig. Abstreiten kann man jedoch nicht, dass Sick N‘ Beautiful mutig zwei Genres miteinander kombinieren, die in ihrem Zusammenspiel zunächst eventuell gewöhnungsbedürftig wirken, letztendlich aber gelungen zusammenpassen und sich gegenseitig bereichern. Indem die Band Entertainment ganz offensichtlich großschreibt, sind sie und ihre energiegeladenen Titel zudem ein Garant für spektakuläre Liveshows.

Video

Tracklist

01 Fire True
02 Megalomaniacal
03 All Wanna Go To Heaven
04 Hellawake
05 Slam!
06 HeXxX (The Element Of Sex)
07 Cryptid
08 New Witch 666 (The Rising)
09 Heart December (Gates II)
10 C*mmunion

Details

Sick N‘ Beautiful – Homepage
Sick N‘ Beautiful – Facebook
Sick N‘ Beautiful – Twitter

Label: Rosary Lane Records / Soulfood
Vö-Termin: 29.06.2018
Spielzeit: 41:52

Copyright Cover: Rosary Lane Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde