Review

Nachdem die Band Shredhammer zunächst zahlreiche hiesige Bühnen (u.a. als Headliner auf der Newcomer Stage beim MetalFest Loreley 2014) mit brachialer Livegewalt unsicher gemacht haben, liefern sie mit ihrem Debütalbum „Patch Over“ nun auch das Thrash Metal-Vergnügen für Zuhause.

Mittels zwölf Songs will das Quintett dem Genrefan einheizen und die traditionsreiche Stilrichtung an die Moderne adaptieren. Da wundert es jedoch, dass vor allem die Drums stellenweise ein wenig zu blechern klingen – zumindest im Gegensatz zu den fetteren Gitarren. Hier hätte auch den Fellen etwas mehr Druck nicht geschadet.

Dafür gehen Shredhammer bereits in ihrem ersten Song „Brittle Bone“ keine Kompromisse ein. Jener hält sich nicht lange mit einem Intro oder anderweitigen Stimmungsmachern auf, sondern haut gleich auf die Zwölf.
Konträr dazu fällt das Ende des Titels aus, indem der Hörer gemächlicher aus dem Track entlassen wird.
Komplett überflüssig sind dabei aber die angehängten „Zwischenrufe“ aus dem Off, die „Brittle Bone“ einen faden Beigeschmack verleihen, da sie – lustig gemeint, aber nicht lustig seiend – deplatziert wirken.

In „The Misery Is Gone“ pimpt man die übliche Shredhämmerei mit zusätzlichen Backing-(Gang)Shouts. Eine passende Zugabe, die allerdings noch mehr Wumms und Intensität vertragen hätte. Zu weit und leise im Hintergrund platziert, kommt dadurch nicht die Dynamik in den Track, die potenziell möglich gewesen wäre.

Bassliebhaber erfreuen sich schließlich am Beginn von „Bash“, der die daraufhin einsetzenden Gitarren eher unsauber in Szene setzt. Gewollt oder nicht, in Verbindung mit dem rauen Gesang wirkt dieses „verwaschene“ Hörempfinden partiell zu überladen.

Schleppend und das Tempo reduzierend beginnt anschließend „Shredhammer“, der dadurch wie ein tiefes Atemholen wirkt, bevor es wieder hart und aggressiv zur Sache geht.

Eine Wohltat durch seine Andersartigkeit stellt dann „Seed Of Memory“ für alle dar, die eine kleine Pause vom Thrash-Brett brauchen. Blueslastiger, im einleitenden Part leicht (im positiven Sinne) nuscheliger Klargesang wird hier kombiniert mit balladesken Grundzügen, und auch wenn Shredhammer kurzzeitig die Keule wieder auspacken, finden sie in diese ruhigen Passagen immer wieder zurück. Dadurch ist „Seed Of Memory“ ein Titel mit Überraschungseffekt, der Abwechslung auf „Patch Over“ bringt.

Shredhammer (Copyright: Shredhammer)

Shredhammer (Copyright: Shredhammer)

Während einige Songs kurz und schmerzlos in hohem Tempo aus den Boxen krachen, nehmen sich Shredhammer an anderer Stelle mehr Zeit und absolvieren auch mal einen Thrasher auf sieben Minuten. Oftmals fehlt es diesen Titeln dann aber an Abwechslung und Highlights, um auf ihrer gesamten Länge die Spannung und das Interesse aufrechterhalten zu können. Da ist es mit einem Gitarrensolo zur Auflockerung einfach nicht getan. Somit haben es die kurzen knackigen Titel einfach mehr drauf und bringen alles Relevante unter und auf den Punkt.

Für „Patch Over“ von Shredhammer gilt also: In der Kürze liegt die Würze.

Video

Tracklist

01 Brittle Bone
02 Ecstasy Of Surrender
03 The Misery Is Gone
04 Bash
05 Shredhammer
06 Seed Of Memory
07 Tyrants End
08 Crusade
09 Truth Expired
10 Airborne Strike
11 Beyond Your Reach
12 Patch Over

Details

Shredhammer – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 04.03.2016
Spielzeit: 53:05

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde