Review

Die Kanadier rund um Bronson Lee Norton bringen endlich ihr freudig erwartetes zweites Sludge/Stoner Meisterwerk heraus. „Vol. III & IV: Cult of the Void“ stellt die natürliche Weiterentwicklung zu ihrem Erstling dar; mitreißende Hooklines und massive Riffs bilden zusammen mit einem guten Gespür fürs Songwriting die Basis für ein brachiales Album.

Man will nicht gleich die Mastodon-Keule auspacken, aber hier und da fühlt man sich doch an jene Band erinnert.
Guter Gesang trifft auf noch weiträumigere Soundwände. Das liegt aber wohl eher an der Produktion, die unfassbarer nicht sein könnte. Die Truppe überträgt immens viel Tiefe und Kraft – und das trotz ihrer teils langsamen Tracks.

„Acid Sweat“ ist diesbezüglich ein wahrer Brecher, der einfach alles hat: kraftvolle Riffs, grandiosen Gesang und genau die richtige Menge Metal und Groove. Das trifft ebenso auf „They Used Dark Forces“ zu. Es geht in die ozeanischen Tiefen von The Ocean. Gerade der Metalgesang drückt den Hörer richtig in den Sitz. Ein absoluter Highlightsong.

Der leicht rotzige Gesamtklang tut sein Übriges. Obwohl es stellenweise melodisch wird, wirken Seer recht „negativ“ im Sound. So kann sich auch gerne mal ein dissonanter Chord finden.

Natürlich sind die Songlängen nicht jedermanns Sache, aber es lohnt sich dranzubleiben, denn der Vorteil von „Vol. III & IV: Cult of the Void“ ist das durchgängige Qualitätslevel.

Zwischendurch gibt es mit „I: Tribe of Shuggnyth“, „II: Spirit River“ und „III: Passage of Tears“ noch einen kleinen konzeptuellen Exkurs, der rein gitarrenlastiger Natur ist. Wirkt dies zunächst komplett deplatziert, entpuppen sich diese Titel letztlich als kleine Stopper zum Runterkommen, um dann mit „संसार“ noch mal gänzlich in die Traumwelt abzusteigen. Hier hätte man sich zum Ende allerdings etwas mehr Energie gewünscht. Zwar baut der Song Stück für Stück Spannung auf, ist eines Abschlusstracks jedoch nicht würdig.

Seer (Copyright: Seer)

So teilt sich das Album in einen metallischen Part 1 und einen relaxt bleibenden, der Entspannung dienenden Part 2 auf. Nicht unbedingt ein Konzept, aber sehr interessant beim Hören.

„Vol. III & IV: Cult of the Void“ wird einfach nicht langweilig. Seer haben damit einen würdigen Nachfolger erschaffen, der mit gut geschriebenen Songs daherkommt, die Drive besitzen, den viele Bands nie erreichen werden. Somit kann man jedem Stoner/Sludge Rocker und Metalfreund die Band ohne Probleme empfehlen. Selbst reine Metalfans mit Interesse an weit ausschweifenden Tracks sollten hier mal ein Ohr riskieren. Das setzt natürlich voraus, dass einen Songs mit teils neun Minuten Länge nicht abschrecken.

Video

Trackliste

Vol. III
01 Ancient Sands (Rot Preacher)
02 Acid Sweat
03 They Used Dark Forces
04 Burnt Offerings
Vol. IV
05 I: Tribe of Shuggnyth
06 II: Spirit River
07 III: Passage of Tears
08 संसार

Details

Seer – Facebook

Label: Art of Propaganda
Vö-Termin: 07.07.2017
Spielzeit: 45:11

Copyright Cover: Art of Propaganda



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Marcus
Marcus