Review

Mit Seadrake betritt ein neues Projekt die Musiklandschaft, das als „Elektropop-Supergroup“ angepriesen wird. Grund dafür ist die Zusammensetzung aus Sänger Hilton Theissen (Akanoid, Dark Millennium), Matthias Thürk (ex-Minerve) und Rickard Gunnarsson (Lowe, Statemachine). Diese drei Musiker bündeln nun ihre Erfahrungen und realisieren ihre Vorstellungen vom Synthpop auf ihrem Album „Isola“.

Den zehn Songs auf „Isola“ ist eine kommerzielle Ausrichtung nicht abzusprechen; die erfolgreichen DAC- und GEWC-Platzierungen in den oberen Bereichen mit der ersten offiziellen Single „Lower Than This (Someday)“ bestätigen dies. Teils kalkuliert und überlegt auf Nummer sicher, aber dennoch nicht belanglos reihen sich potenzielle Club- und Playlist-Dauerbrenner auf „Isola“ aneinander.

Seadrake verlassen sich jedoch nicht nur auf die synthpop-typische Eingängigkeit, sondern bringen auch innovative Ideen in ihren Songs unter. Ein Vor- und Nachteil gleichermaßen, denn dadurch können einige Titel nicht prompt zünden; sobald diese „Lücke“ von dem Trio allerdings mit interessanten Effekten, guten Songentwicklungen und andersartigen Sounds gefüllt wird, laufen die Titel nicht mehr Gefahr, den Hörer zeitweise zu verlieren. Dies ist vor allem im Verlauf einiger Songs ab der zweiten Hälfte des Albums spürbar. Gut daher, dass durch eine verhältnismäßig mutige Herangehensweise die Aufmerksamkeit der Konsumenten immer wieder zurückgewonnen und der Beliebigkeit somit entkommen wird. Von derartigem Mut, der sich vom 08/15-Synthpop entfernt, darf es gerne zukünftig noch mehr sein.

Seadrake (Copyright: Chris Ruiz, 2015)

Ein Beispiel, das für ein erneutes aufmerksames Hinhören sorgt, da Seadrake hier einmal ganz andere Töne anschlagen, ist der Song „Room 316“.
Als Ballade mit orchestralen Elementen und dezenten rockigen Ansätzen sticht der Titel deutlich hervor. Der Gesang steht hier im Vordergrund, die elektronischen Feinheiten des Trios rücken stattdessen in den Hintergrund und insgesamt lebt der Song von viel Gefühl.
Eine Überraschung auf „Isola“.

Zwischen tanzbaren, hypnotisch-sphärischen und poppigen Rhythmen manövrieren Seadrake ihre Hörer durch ein gelungenes Album, mit dem der Electropop-Fan nichts falsch machen wird.

Video

Tracklist

01 What You Do To Me
02 Get It On
03 On The Run
04 Something Durable
05 Room 316
06 Lower Than This (Someday)
07 Die Of Temptation
08 Conformity Loves Company
09 Daydream
10 Soulsharer

Details

Seadrake – Facebook

Label: Megahype Records
Vö-Termin: 27.04.2018
Spielzeit: 46:56

Copyright Cover: Megahype Records / Seadrake



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde