Review

„Final Sting“ oder doch „Return to Forever“? Nach ihrem vermeintlichen Abschied aus dem Musikgeschäft und von den Bühnen dieser Welt zog es die Scorpions doch wieder in das Studio und in die Konzerthallen. Ein Hin und Her, dessen daraus resultierende Lücke in der Zwischenzeit u.a. mit „Forever And A Day“ gefüllt werden sollte. Dabei handelt es sich zum einen um eine Dokumentation, die erstmals im Jahr 2015 publiziert wurde, zum anderen ist dies der Teiltitel (ergänzt durch „Live in Munich 2012“) der aktuellen DVD- und Blu-ray-Veröffentlichung der Band.

Jene erscheint in zwei Varianten und das sollte man vor dem Kauf wissen, denn wer sich für die Standalone DVD/Blu-ray entscheidet, der findet darauf lediglich das Livekonzert der Scorpions vom 17. Dezember 2012 in der Münchner Olympiahalle vor. Auf die Doku muss bei dieser Kaufversion verzichtet werden, ebenso wie auf ein Booklet oder anderlei Extras und visuelles Zusatzmaterial. Dafür gibt es satte 21 Tracks und eine Gesamtspielzeit von knapp 109 Minuten.
Das Doppelpackage der Veröffentlichung liefert stattdessen sowohl dieses Konzertvergnügen als auch die eingangs erwähnte Dokumentation.
Unsere Empfehlung ist aufgrund des ansonsten sehr mau ausfallenden Materials – und insbesondere für Fans der Scorpions – daher eindeutig die letztgenannte Variante. Grundlage dieser Rezension ist hingegen die Standalone DVD-Version. Und so wenden wir uns dem Livegeschehen der Scorpions in Form von „Live in Munich 2012“ zu.

Trotz der vorweihnachtlichen Zeit des Konzert- und somit auch Drehtermins fällt die Show vom 17.12.2012 in München sehr zeitlos aus. Auf diesbezügliche etwaige dekorative Bühnenarrangements oder ein häufiges Erwähnen des bevorstehenden Festes wurde verzichtet, sodass „Live in Munich 2012“ – ohne (beispielsweise im Hochsommer) einen befremdlichen Eindruck zu hinterlassen – ganzjährig angeschaut werden kann.

Zeitlos fällt zudem die Setlist des Gigs aus, denn die Scorpions entschieden sich für eine bunte Mischung aus ihrem Repertoire, bei dem auch ihre Klassiker nicht zu kurz kamen. Insbesondere international erfolgreiche Songs wie „Send Me An Angel“, „Big City Lights“, „Still Loving You“, „Wind Of Change“ oder „Rock You Like A Hurricane“ sagen selbst jenen etwas, die sich nicht zum engen Fankreis der Band zählen. Wenig verwunderlich also, dass vor allem zu diesen Titeln das sich in der Olympiahalle eingefundene Publikum lautstark mitgesungen hat.

Insgesamt wurden die Zuschauer, die Liveatmosphäre und entsprechend auch die groß(artig)e Location gelungen visuell eingefangen. Unterschiedliche Kameraperspektiven ermöglichen den Daheimgebliebenen sowohl einen Blick auf die Bühne als auch Close-ups der Bandmitglieder und Zuschauer. Dabei überzeugt auch die Bildqualität, denn klar und deutlich wird das meist hell beleuchtete Bühnengeschehen auf diesen Silberling gebannt.

Auch an der Tonqualität der Veröffentlichung gibt es nichts auszusetzen. Wohl aber an der Performance der Band, denn obschon man von einer Größe wie den Scorpions reichlich Erfahrung und einen hohen Entertainment-Faktor erwarten kann, beschränkt sich insbesondere Klaus Meine in Moderations- und Anheizungsbelangen doch eher auf Standardfloskeln. Wie die meisten Bands wollen auch die Scorpions immer wieder „eure Hände sehen“, auch hält man fleißig das Mikro ins Publikum, an viel mehr scheinen die Mannen aber nicht interessiert zu sein und zocken daher eher routiniert ihre Show.
Anders sieht es da schon mit Drummer James Kottak aus, der hier auch für die Backingvocals zuständig ist. Der in der Vergangenheit für kleine Skandale und Skandälchen sorgende Musiker lebt den Rock’n’Roll und ist auf der Bühne ein Tier. Besonders in seinen Soli zeigt er, dass er auch ganz allein einen Gig dieses Kalibers absolvieren könnte und würde sich der Rest der Band in dieser Zeit auf der Bühne befinden, was in „Kottak Attack“ z.B. nicht der Fall ist, dann würde er ihnen glatt die Show stehlen.
Klaus Meine stellt indes unter Beweis, dass auch ein erfahrener Livesänger an seine Grenzen stoßen kann; so passiert in „The Best Is Yet To Come“, wo es in gesanglichen Höhen doch stimmlich ein paar Probleme gibt. Kritikwürdig ist dies aber keineswegs, vielmehr trägt auch derlei sympathischer Fauxpas zur Liveatmosphäre bei.

Scorpions, Konzert in Brüssel (Copyright: Marc Theis)

Scorpions, Konzert in Brüssel (Copyright: Marc Theis)

Der hier als „letztes Konzert der Scorpions im Rahmen ihrer „Sting In The Tail“-Welttournee“ proklamierte Auftritt ist zwar nun doch nicht das große Bühnenfinale dieser Rocklegende, und somit kann auch von einer Rarität kaum die Rede sein, dafür stellt „Forever And A Day – Live in Munich 2012“ vor allem für Fans, die am besagten Abend vor Ort gewesen waren, ein nettes Erinnerungsstück dar. Wer mehr als nur dieses Livedokument in die heimischen Gefilde holen möchte, der greift jedoch besser zur Doppel-DVD/-Blu-ray. Da sich die bereits geschriebene Geschichte der Scorpions auch 2016 weiter fortsetzt, wird man vermutlich auch mit weiteren Live-Veröffentlichungen rechnen können, sodass „Live in Munich 2012“ sich zwar in die Reihe an Live-Mitschnitten solide einreiht, darüber hinaus aber keinen speziellen Charakter besitzt, der einen Erwerb dringend notwendig macht.

Tracklist

01 Sting In The Tail
02 Make It Real
03 Is There Anybody There
04 The Zoo
05 Coast To Coast
06 Loving You Sunday Morning
07 We’ll Burn The Sky
08 The Best Is Yet To Come
09 Send Me An Angel
10 Holiday
11 Raised On Rock
12 Tease Me Please Me
13 Hit Between The Eyes
14 Kottak Attack
15 Blackout
16 Big City Nights
17 Still Loving You
18 Wind Of Change
19 No One Like You
20 Rock You Like A Hurricane
21 When The Smoke Is Going Down

Details

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Format: PAL
Sprache: Englisch (Dolby Digital 5.1), Englisch (DD Stereo), Englisch (DTS Surround)
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: Eagle Vision / Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 30.09.2016
Produktionsjahr: 2012
Spieldauer: 109 Minuten

Copyright Cover: Eagle Vision / Edel



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde