Review

Schon das Debütalbum „Blackness and White Light“ des österreichischen Ein-Mann-Projekts Rusty Pacemaker, der sich lediglich für die Drums und die rar gesäten weiblichen Gastvocals auf seinen Eigenproduktionen Verstärkung holt, war ein vielversprechender Rundumschlag in Sachen Melancholie, Tristesse und Trostlosigkeit. Jene Stimmungen kommen auch auf dem zweiten Album des Solokünstlers zum Tragen. Angedeutet wird dies bereits nicht nur durch den Titel „Ruins“, sondern auch durch das Coverartwork, das alles andere als Freude ausdrückt.

Entsprechend schwermütig drehen die auf „Ruins“ enthaltenen zehn Songs ihre Runden im Player und ziehen den Hörer immer tiefer in eine schwarz-weiße Welt, die musikalisch stellenweise an die tragenden Stücke des Albums „Blood on Ice“ von Bathory erinnert. Diese Assoziation verliert sich allerdings stets in den Momenten, in denen Rusty Pacemaker über doomig-metallische Songstrukturen hinausgeht und sie mit weiteren stilistischen Feinheiten ergänzt.

So prallen akustische Phasen oder Pianoklänge auf starke, schleppende Gitarrenriffs und treibende Drums, an anderer Stelle wird das Tempo deutlich angezogen („Made of Lies“), sodass zwischen all der Dunkelheit auch mal ein kleines Lichtlein durchschimmert und von Hoffnung und Optimismus kündet.

Auch innerhalb eines Songs sorgt Rusty Pacemaker für Überraschungen und stimmungsvolle Kontraste.
So liefert schon der Opener und gleichzeitige Titeltrack all den erwähnten musikalisch-instrumentalen Abwechslungsreichtum, während der Titel es zudem versteht, seine „verfallene und todesnahe Stimmung“ mit geradezu positiv wirkenden Zusätzen wie ein locker über die Lippen kommendes, unbeschwertes Pfeifen zu durchbrechen.

Genau so, wie sich die Songs jeweils sehr unterschiedlich und unter Einfluss verschiedener Stilelemente zusammensetzen, variieren auch die Liedlängen. Rusty Pacemaker stellt damit sein Können unter Beweis, sowohl in knackigen Vierminütern auf den Punkt zu kommen, als auch sich und den Songs ausreichend Platz einzuräumen, um sich entwickeln und entfalten zu können. Je länger der Song, desto vielschichtiger die Komposition, zugleich läuft Rusty Pacemaker dabei jedoch Gefahr, den Bogen zu überspannen und den Hörer mit zu viel Abwechslung und Atmosphäre zu überfordern.

Gesanglich arbeitet Rusty Pacemaker stellenweise mit Halleffekten, die „Ruins“ einen gewissen Wave-Charme verpassen. Partiell driftet der Musiker zudem in die gutturale Ebene ab und fügt hier und da ein passend gesetztes Growling hinzu. „Ocean of Life“ und „Night Angel“ werden außerdem ergänzt durch die weiblichen Vocals einer gewissen Lady K, die mit heller Stimme für Auflockerungen auf dem Album „Ruins“ sorgt.

Rusty Pacemaker (Copyright: Rusty Pacemaker)

Rusty Pacemaker (Copyright: Rusty Pacemaker)

Stimmlich wird Rusty Pacemaker aber nicht den Nerv eines jeden Hörers treffen. Ob die englische Aussprache oder die insbesondere in den Slow-Parts schief scheinenden Töne, der Gesang ist gewöhnungsbedürftig, tritt jedoch an vielen Stellen auch äußerst überzeugend auf, denn es ist nicht prinzipiell so, dass Rusty Pacemaker seine Instrumente besser beherrscht als seine Stimme. Für jene sollte man allerdings aufgeschlossen sein und sie im Kontext der einzelnen Songs wirken lassen. Dann aber ist nicht nur die Musik auf „Ruins“ stets interessant und ein Unikat.

Hörer, die auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen sind, sollten in „Ruins“ von Rusty Pacemaker reinhören, dabei allerdings viel Zeit mitbringen, denn nicht nur atmosphärisch auch musikalisch bleibt das Album nicht nur schwarz-weiß.

Trailer

Tracklist

01 Ruins
02 Made Of Lies
03 Ocean Of Life
04 The Game
05 Night Angel
06 Candlemess
07 Forever
08 Matter Over Mind
09 Knowing
10 Pillow Of Silence

Details

Rusty Pacemaker – Homepage
Rusty Pacemaker – Facebook

Label: Solanum Records
Vö-Termin: 22.05.2015
Spielzeit: 53:29

Copyright Cover: Solanum Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde