Review

Das Independent Label Frank Mark Arts ist bekannt für außergewöhnliche Musik aus den Bereichen Ambient, Experimentelles und Elektronik. Mit dem Album „Interferences“ wird das erste Gemeinschaftswerk der Labelkünstler Robin Schaller und Roman Leykam vorstellig.

Vom Label bescheinigt wird dem 13 Tracks umfassenden Instrumentalwerk „ein eigenwilliges Rhythmusverständnis“, das zu Songs führt, die „mitunter sperrig und spröde, dann wieder spannungsgeladen und harmonisch“ ausfallen, sodass im Resultat „improvisierte, nie voraussehbare Musik“ erfolgt, „die ein aufmerksames Zuhören verlangt“.

Für den Mainstream-Hörer klingt das aus Improvisationen geborene Schaffen von Leykam und Schaller somit nicht nach einem Kaufanreiz, denn gerade durch den experimentellen Ansatz ist „Interferences“ nicht jedermanns Sache, was eine eingeschränkte Hörerschaft zur Folge hat.
Schuld daran sind hier nicht nur die vielschichtig angelegten Titel, sondern auch die Songlängen, die gerne mal die 7-Minuten-Marke sprengen. Jene können nur dann überzeugen, wenn sie interessant genug gemacht sind, dass sie nicht nur auf dem Album deutlich hervorstechen, sondern auch so gut gefallen, dass man sich von ihnen gerne in Dauerrotation beschallen lässt.

Elektro-Jünger mit dem Mut, über den Tellerrand zu blicken, kommen da schon eher auf ihre Kosten und werden während des Hörens einiges an Details entdecken. Es sei denn, es dominieren auf Repeat gestellte Loops, wie etwa im Track „sound of everyday life“. Bevor sich die Künstler also in ihren Titeln in Endlosschleifen verlieren, wäre es stellenweise besser gewesen, akzentuierter zu komponieren und zu arrangieren. Andernfalls gehen die Loops dem Hörer schnell auf die Nerven oder man hört sich an ihnen satt.

Markant sind außerdem die eingesetzten elektronischen Gitarren-Klangmodulationen. Durch sie nehmen die Tracks zuweilen gar orientalische und mehrfach jazzige Züge („straw fire“, „wrap of strangeness“) an. Letztlich fördern sie zudem den chillig-retro-lastigen Gesamteindruck, den „Interferences“ ausstrahlt.
Vergleicht man das Album beispielsweise also mit einem ebenfalls elektronisch-instrumentalen Werk wie „Unfall“ des Elektro-Künstlers IAMX, so wird schnell klar, dass diesem modernen Sound bewusst zuwider komponiert wurde. Ein direkter Vergleich macht allerdings auch deutlich, dass eine Konzentration auf rein elektronische Klangkonzepte und -experimente wünschenswerter gewesen wäre, um sowohl zeitgemäßer als auch zugänglicher zu wirken.

Aufgrund der Länge und Experimentierfreude und da einige Songs oft zu fragmentarisch bleibend wirken, ist „Interferences“ – vielleicht sogar selbst für hartgesottene Label-Fans – nur in Etappen hörbar. Wie die oben genannten Kritikpunkte verdeutlichen, hätte es nur weniger Kniffe benötigt, um das Album für eine etwas breitere Hörerschaft attraktiver zu machen. So bleiben 2,5 Sterne als Wertung und der Rat übrig: Mutige vor!

Tracklist

01 the shades of the own past (part 1)
02 fictive scenario
03 ecstacy
04 straw fire
05 wrap of strangeness
06 sound of everyday life
07 the inevitable
08 submerged city
09 unsolvable riddle
10 impudence
11 dive
12 the shades of the own past (part 2)
13 fluid magic

Details

Label: Frank Mark Arts
Vö-Termin: 29.12.2017
Spielzeit: 77:03

Copyright Cover: Frank Mark Arts



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde