Review

Wenn es in einer Presseinfo heißt, die darin vorgestellte Band agiere „genrebefreit zwischen Metal, Industrial, Alternative, Post-Rock und Soundtrack“, ihr Album „oszillier[e] zwischen expliziter und ausdrucksstarker Kunstperformance, cineastischen Klangwelten, kolossaler Brachialmusik, rotzigen Grooves und ausgefeiltem Elektronikextrem“, „eine Brise Voodoo, archaisches Getrommel, schamanische Riten, vorzeitliche Symbolik, Parawissenschaft, psychotrope Substanzen und Dämonenbeschwörung“ würde außerdem das Ganze abrunden und das daraus hervorgehende Resultat sei „aufmerksamen Freigeister[n]“ zu empfehlen, dann erwartet den Hörer entweder eine interessant konzipierte Truppe mit innovativen Ideen oder aber eine Band, die nicht so recht weiß, was sie will – oder von allem einfach zu viel möchte.

Reptil verfolgen mit ihrem Debütalbum „Throne Of Collapse“ natürlich Ersteres, doch dies gelingt ihnen nicht immer, denn trotz des eingangs umrissenen umfangreichen Konzepts, wirkt ihr Silberling auf seiner Gesamtspielzeit von knapp 46 Minuten immer wieder erstaunlich konzeptlos.

Industrial-Beats und harscher Gesang werden unvermittelt abgelöst durch Akustikballaden, die zunächst einmal so gar nicht zum Erscheinungsbild der Band passen wollen, sich letztlich aber überraschenderweise als die stärkeren Tracks herausstellen. In diesen Songs, darunter das Paradebeispiel und der diesbezügliche Repräsentant „One World One Nation“, ist von dem ebenfalls im Infotext angekündigten „psychoakustischen Industrial Metal Befreiungsschlag“ zwar nicht viel hörbar, dafür spürt man eine Intensität der Tracks, die sich unvermittelt auf den Hörer überträgt. Eindringliche und facettenreiche Vocals tragen dazu maßgeblich bei.

Dass Reptil außerdem ein Händchen für Songentwicklungen haben, zeigt beispielsweise „Monolith“ und vor allem der Titeltrack auf. „Throne Of Collapse“ startet mit opulent-düsteren orchestralen Elementen, die (auch im restlichen musikalischen Geschehen) immer mal wieder die cineastische Linie im Sound der Band unterstreichen. Sie untermauern zudem die Atmosphäre des Albums prägnant, zu der aber mehr noch die abwechslungsreichen Songstrukturen beitragen. Jene steigern nicht nur die Intensität und Wirkung des betreffenden Tracks, sondern wirken insgesamt weitaus stimmiger zum hier verfolgten inhaltlichen Konzept.

Reptil (Copyright: Reptil)

Der „kunstvollen“ Ausrichtung von Reptil und ihrem „psychoakustischen Befreiungsschlag“ werden hingegen die Industrial-lastigen Titel, die nicht selten in einigen Parts Assoziationen zu Marilyn Manson und The Prodigy wecken, gerecht. Nur leider zünden sie einfach nicht so richtig. Während die zum Einsatz gebrachten Trommeln noch die Aufmerksamkeit des Hörers gewinnen, tönen diese Titel mit einiger Härte, aber gleichzeitig auch mit sehr ähnlichem akustischem Erscheinungsbild (wahrzunehmen u.a. in „Reptoil, Inc.“ und dem Anfang von „Monolith“) aus den Boxen.

Mit „Throne Of Collapse“ lassen Reptil ihre Hörer ein wenig zwiegespalten zurück. Entsprechend bewegt sich auch die Bewertung im Mittelfeld, wenngleich hier einiges an Potenzial zu erahnen ist. Besonders der Gesang in seinen warmen, klaren Phasen ist herausragend und dürfte so auch in den bis dato guttural vorgetragenen härteren Passagen funktionieren. Eventuell sollte man dies und eine etwas klarere Linie bei einem Nachfolger fokussieren.

Video

Tracklist

01 Anger Empire
02 Reptoil Inc.
03 Monolith
04 Irreversible
05 Throne Of Collapse
06 One World One Nation
07 Soulride
08 Quantum Trojan
09 Beyond

Details

Reptil – Homepage
Reptil – Facebook

Label: Razor Music / Soulfood / Finetunes
Vö-Termin: 19.05.2017
Spielzeit: 46:01

Copyright Cover: Razor Music



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde