Review

Mit „Alert“ macht sich Agnieszka Lesna unter der Flagge ihres neuen Projekts Red Storm auf, die Clubs und die Electroszene zu erobern. Dass ihr dies spielend leicht gelingt, zeigen die insgesamt zehn Songs des Debütalbums, das sich musikalisch zwischen Electropop und -rock austobt.

Immer wieder schleichen sich dabei auch experimentelle Klänge in die Songs, die jedoch so dezent ausfallen, dass sie zwar Akzente setzen, den einzelnen Tracks aber gleichzeitig nicht ihre jeweilige Ohrwurmtauglichkeit rauben. Und so reiht sich ein potenzieller Hit an den nächsten, während Red Storm das Niveau konstant aufrechterhalten kann.

Der Sound fällt gesamt gesehen sehr druckvoll und klar, aber stets dunkel aus. In diese eher düstere Beatstruktur fügt sich auch der Gesang von Lesna gelungen ein. Trotz weiblicher Vocals dominieren nicht die hohen Töne, die immer nur kurzzeitig zum Einsatz gebracht werden, vielmehr passt sich die Stimme der dunklen Atmosphäre an. Dadurch hat es zunächst den Anschein, dass der Gesang nicht differenziert aus dem Soundgerüst von „Alert“ heraussticht, jeder weitere Durchgang des Albums betont aber die klangliche Harmonie, die sich daraus ergibt.

Dass Kracher wie „Control“, „Famous“ oder das weitere Highlight „The One“ dazu in der Lage sind, die Hörer zum Drücken der Repeattaste zu bewegen, ist eine Tatsache, der gerne nachgekommen wird, denn auch nach wiederholtem Hörgenuss wird „Alert“ nicht langweilig. Stattdessen lädt das Album sowohl zum steten Entdecken neuer Details oder lediglich zum mitreißenden Konsum ein, der bestimmt seinen Platz in den Playlists der Clubs finden wird.

Red Storm (Copyright: Mateusz Stanisławczyk)

Red Storm (Copyright: Mateusz Stanisławczyk)

Gut machen sich auch die vereinzelten Industrial-Elemente innerhalb der modernen Produktion, für die sich in erster Linie John Fryer, der u.a. bereits mit Depeche Mode, Nine Inch Nails oder Paradise Lost zusammengearbeitet hat, verantwortlich zeigt. Ob eher stampfend brachial („Love Is A Pain“), tragend balladesk („Everything“) oder treibend und mit 80er Charme („Anymore“) – „Alert“ gibt sich abwechslungsreich und klanglich qualitativ hochwertig, sodass eine breite Hörerschaft garantiert sein wird.

Für „Alert“ ist es somit nicht zwingend notwendig, sich zur hartgesottenen Electroszene zählen zu müssen, um mit den Tracks von Red Storm warm zu werden. Die – teilweise sogar radiokompatiblen – Titel, denen es auch an unaufdringlicher, aber effektiver Gitarrenarbeit („High“) nicht mangelt, womit man die rockige Seite der hier präsentierten Electro-Musik immer mal wieder unterstreicht, profitieren allesamt von ihrer Eingängigkeit und lassen keinen Kritikpunkt zu. Ein starkes und professionelles Debüt.

Video

Tracklist

01 Control
02 Love Is A Pain
03 Famous
04 Everything
05 The One
06 Mood
07 Anymore
08 High
09 Red Storm
10 Lovely

Details

Red Storm – Homepage
Red Storm – Facebook

Label: Echozone / Believe Digital / Soulfood
Vö-Termin: 08.04.2016
Spielzeit: 44:20

Copright Cover: Echozone



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde