Review

Red Raven schlagen mit „Chapter Two: DigitHell“ ein neues Kapitel in ihrer Bandgeschichte auf und servieren auf ihrem zweiten Longplayer zwölf neue Songs, die stilistisch zwischen Melodic Metal und Heavy Rock changieren und dabei in sich stimmig allerlei Schlenker über Genregrenzen hinaus unternehmen.

Mit ihrem Intro führt die Band ihre Hörer sogleich in „A Perfect World“ – und dies nicht ohne Assoziationen zu Mr. Big wachzurufen. Mag man durch die sanften Akustikklänge außerdem zunächst ein Balladenalbum à la Axel Rudi Pells entsprechender Veröffentlichungsreihe „The Ballads“ erwarten, zeigen Red Raven mit Folgesong „Collapse“ gleich im Anschluss, dass es auf „Chapter Two: DigitHell“ definitiv nicht permanent ruhig bleiben wird. Metallisch in den Strophen und im Refrain an die Schweden The Poodles erinnernd, landet die Band damit prompt einen Volltreffer.

Dem steht auch „Dance With A Freak“ in nichts nach, bevor es mit ebenfalls eingängigen „Out Of Memory“ zugleich ein wenig progressiver zugeht, in „Proud“ sogar Flamenco-Flair zum Ausdruck gebracht und im groovig gehaltenen, Jam-Charakter aufweisenden „Running Out“ dem Bass viel Raum gegeben wird.

Dass die Hörer Red Raven auf Albumlänge, durch die stilistischen Kombinationen, den damit einhergehenden Abwechslungsreichtum und die oftmals ruhigen Songsequenzen nicht verloren gehen, dafür sorgen die großartigen Melodien, die auch nach mehrmaligem Konsum ihr Ohrwurmpotenzial unter Beweis stellen.

Da man allerdings so immens stark begonnen hat, wundert es nicht, dass das Pulver der Band bereits mit dem großartigen Auftakt und in der ersten Albumhälfte etwas verschossen wurde. Es folgen zwar bis zum Schluss gute Titel, dennoch wirken jene so, als ob sie stets im Schatten der Vorgängertracks stehen, während zudem den balladesken Nuancen des Albums immer wieder eine große Bedeutung zugeschrieben wird, indem die einzelnen Songs oftmals durch ruhige Momente ergänzt werden.

Red Raven (Copyright: Michael Lupp)

„Chapter Two: DigitHell“ beweist trotzdem, dass Red Raven ein Namedropping überhaupt nicht nötig haben, dennoch ist es natürlich kein Nachteil zu erwähnen, dass sich Sänger Frank Beck seit 2015 ebenfalls bei der Band Gamma Ray am Mikro etabliert hat. Er macht auch auf „Chapter Two: DigitHell“ eine gute Figur und liefert von kraftvollen bis gefühlvollen Facetten eine überzeugende genretaugliche Performance ab.

Fans des melodischen Rock und Metal werden es somit nicht bereuen, dem zweiten Album von Red Raven ein Ohr geschenkt zu haben. Mehr noch sollten sie dies sogar dringend tun, denn mit nur wenigen Abstrichen bleibt eine Veröffentlichung, die es in sich hat.

Video

Tracklist

01 A Perfect World
02 Collapse
03 Dance With A Freak
04 Out Of Memory
05 Proud
06 On My Way
07 DigitHell
08 Running Out
09 Save Me
10 The Best Man I Can Be
11 Unbreakable
12 Until The End Of Time

Details

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Label: Fastball Music / Soulfood
Vö-Termin: 06.10.2017
Spielzeit: 59:03

Copyright Cover: Fastball Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde