Review

Mit der ungewöhnlichen, selbst erdachten Stilmischung namens „Post-Country“ fahren Raindance Kid auf ihrem neuen Album „Swayer“ auf. In den darauf zu findenden neun Songs lässt die Band aus Hamburg Americana-Klänge mit Post-Rock-Elementen verschmelzen. Nicht unbedingt eine Mixtur, die jeden ansprechen wird, dafür aber neben der Standard-Rock-Besetzung mit Geige und Banjo aufwartet und all jenen ein Hörvergnügen bereitet, die abseits des Mainstreams nach unikalen Sounds suchen.

Ihre interessante Mischung ähnelt zuweilen an Filmmusik. So sind viele Songs respektive Songfragmente als Theme oder Score denkbar, auf Albumlänge und damit am Stück gehört wirken die Titel hingegen für den gemeinen Hörer nicht immer prompt zugänglich. Sowohl für den Post-Rock- als auch für den Country-Anteil sollte man daher dringend eine Vorliebe haben, um mit „Swayer“ warm zu werden.

Zudem erschweren die facettenreichen Songstrukturen einen einfachen Zugang. Mal psychedelisch angehaucht, mal weltmusikalisch ertönend, mal rockig nach vorne preschend, mal sehr intim und reduziert – und das alles oftmals sogar innerhalb nur eines Tracks; entsprechend schwer fassbar fallen die Songs mitunter aus und entsprechend stechen einige Songpassagen deutlich positiver heraus als andere. Ist es oft so, dass den Hörer nicht alle Titel auf einem Album gleichermaßen überzeugen, trifft dies bei Raindance Kid demnach auf einzelne Songparts zu. Während beispielsweise ein Intro das Interesse zu wecken weiß, verflüchtigt sich dieses im weiteren Verlauf zunächst, um an späterer Stelle mit voller Wucht – u.a. durch im Titel platzierte Akzente oder atmosphärische Ausbrüche – wiederzukehren.

Raindance Kid (Copyright: Christoph Rohrscheidt)

Für angenehme Überraschungen sorgen zudem interessante Elemente, die unerwartet gut mit dem hier zu hörenden traditionellen amerikanischen Folk verbunden werden. Ein Beispiel dafür sind die Samples im Intro zu „Black River“.

Auch der Gesang weiß zu überzeugen, indem Sänger Nikolas Kuhl stimmlich nicht nur hervorragend zur Genrekombination passt, sondern zusätzlich die lauten und leisen Töne gleichermaßen ausdrucksstark beherrscht.

„Post-Country“ – beide Komponenten dieser stilistischen Zusammensetzung muss man (wie bereits erwähnt) dringend mögen, um „Swayer“ von Raindance Kid mehrere Runden im Player zu gönnen. Unabhängig des persönlichen Musikgeschmacks muss man der Band allerdings zugutehalten, dass sie musikalisch Wagnisse eingeht, die ihnen nicht nur Alleinstellungsmerkmale verpassen, sondern zusätzlich frischen Wind in feste Genre-Schubladen bringen.

Video

Tracklist

01 Wintersland
02 Anthem
03 Swayer
04 Letter to David
05 Song to the Mountain
06 Last Song
07 Dead Hearts Choire
08 Black River
09 The Road

Details

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Label: Timezone Records
Vö-Termin: 04.05.2018
Spielzeit: 54:33

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde