Review

Der Bereich der Neuen Deutschen Härte wird nicht nur stetig von einer Masse an emporstreben wollenden Bands überschwemmt, in diesem Genre trennt sich auch die Spreu vom Weizen schneller und offensichtlicher als es bei anderen Stilrichtungen der Fall ist. Die zumeist deutschen Texte lassen umgehend erkennen, ob sie nur plump und klischiert ausfallen, statt Tiefgang zu besitzen, während musikalisch oft einmal zu viel Rammstein und Co. als Vorbilder genommen werden.

Auch PROJEKT MENSCH zählen zu den mannigfachen Bands, die mit ihrer Musik, aktuell mit dem Album „Herzblut“, in diesem Genre Fuß fassen wollen. Allein die von der Presse vorgenommene leicht abgewandelte Stilbezeichnung, die aus der etablierten Neuen Deutschen Härte eine „Neue Dunkle Härte“ zaubert, reicht zwar nicht aus, um sich hier abzuheben, ein erster Durchgang von „Herzblut“ zeigt jedoch, dass diese „Umbenennung“ schlüssig gewählt wurde und sich hinter dem Tun der Band mehr versteckt, als manche Stil-Mitstreiter aufzuwarten imstande sind.

Die zehn neuen Songs des mittlerweile zweiten Albums von PROJEKT MENSCH zeugen vom ersten bis letzten Ton davon, dass einmal nicht der stupide Weg des Hau-drauf-Deutschrock gewählt wurde. Vielmehr bietet die Band ein abwechslungsreiches Arrangement, das eine breite Zuhörerschaft ansprechen dürfte. „“Herzblut“ ist ein Muss für Fans von Lacrimosa bis Rammstein“, heißt es im Infotext zum Silberling, und dieser Aussage kann man durchaus zustimmen. Mit schnellen, treibenden, vom Metal geprägten Nummern bis zu melancholischen Dark Rock Tönen vereinen PROJEKT MENSCH bewährte Zutaten, die der Neuen Deutschen Härte frischen Wind einbringen. Stets begleitet von einer melodischen Songstruktur verstecken sich unter den Tracks zudem ein paar Ohrwürmer. „Herzblut“ reißt daher sowohl während des Hörens mit und beißt sich mit dem einen oder anderen Titel auch langfristig im Gehörgang fest.

Leicht machen dies dem Hörer die deutschen Texte, die gut verständlich und sogar clever durchdacht daherkommen.

Projekt Mensch (Copyright: Projekt Mensch)

Auch die Klangqualität von „Herzblut“ kann auf ganzer Linie überzeugen. Ausgewogen und gleichberechtigt stehen die prägnanten Gitarren neben einem energischen Drumming. Einzig die Songreihenfolge hätte jedoch anders ausfallen können, um die Variabilität der Titel deutlicher zum Ausdruck zu bringen, denn indem PROJEKT MENSCH die meiste Zeit Gas geben, droht gerade bei aufeinanderfolgenden treibenden Nummern die Gefahr, zu ähnlich zu klingen.
Unterschiede zwischen den Tracks lassen sich allerdings u.a. durch die elektronischen Beigaben ausmachen, die sich unaufdringlich und passend in den instrumentalen Kontext mischen.

Immer wieder erinnern PROJEKT MENSCH in ihrer Vorgehensweise und durch ihren Sound an die Band Dark Diamonds zu „Das Gift“ Zeiten. Wer jenes Album noch kennt, wird – nachdem es um die dunklen Diamanten eher ruhig geworden ist – hier adäquaten Ersatz finden. Darüber hinaus sollten jedoch auch all jene Hörer ein Ohr riskieren, die genug vom stupiden NDH-Einheitsbrei haben und wert auf neue Ansätze in diesem Genre legen.

Video

Tracklist

01 Der Schmerz
02 Dunkelheit
03 Mach mich fromm
04 Ich bringe dich Heim
05 Segne mich
06 Spieglein Spieglein
07 Schuld und Sühne
08 Das Kind
09 Vergeltung
10 Mein Herz

Details

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Label: Kernkraftritter Records / Al!ve
Vö-Termin: 09.12.2016
Spielzeit: 43:17

Copyright Cover: Kernkraftritter Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde