Review

Unverhofft kommt oft, und so zaubern Project Pitchfork mit „Look Up, I’m Down There“ ein neues und ihr inzwischen 17. Studioalbum aus dem Ärmel.

Jenes eröffnet das Hamburger Electrogespann mit „Into Orbit“ zunächst verhältnismäßig ruhig. Mehr rezitierte als gesungene Lyrics tragen zur Atmosphäre des Tracks bei und bilden mit den sich stetig wiederholenden Beats und Melodien eine harmonische Einheit.

Mit viel Power und Bassgewalt trumpft anschließend „Titânes“ auf. Wer hier nicht die richtige Anlage besitzt, um das wuchtige Ausmaß an Klanggewand genießen zu können, sollte sich diesen Titel in einem Club zu Gemüte führen. Dass er dort einen festen Platz in der Playlist zugewiesen bekommt, dürfte unumstritten sein, denn mit „Titânes“ rütteln Project Pitchfork nicht nur die Magengegend ihrer Hörer mittels der teils harschen und temporeichen Eigenschaft des Songs ordentlich durch, sondern der Song geht auch wortwörtlich ins Bein. Die EBM-Einflüsse betonend dominiert eine kühle elektronische Basis, die überraschenderweise eine dennoch sehr dichte und düstere Stimmung heraufbeschwören kann. Gesanglich bleibt man der rezitierenden Gangart treu, die sich inklusive leichter Verzerrungen hervorragend in den musikalischen Kontext einfügt. Eindeutig ein Club-Hit!

Im Folgenden beweisen Project Pitchfork, dass sie auch nach knapp 27-jährigem Bestehen noch gute Ideen haben, und diese leben sie u.a. in ihren Effekten und Melodien aus. Auf „Look Up, I’m Down There“ macht das Trio um Peter Spilles dann jedoch den Fehler, genau darauf zu lange hängen zu bleiben, sodass vor allem die guten Melodien durch ständige Wiederholungen zum Teil totgespielt werden. Steigerungen und verheißungsvollen Entwicklungen wie beispielsweise in „Propaganda Child“ fehlt es damit anschließend an Entladungen und Höhepunkten. Project Pitchfork kommen somit selten auf den Punkt bzw. verpassen ihn immer mal wieder. Die schnelleren Stücke profitieren zwar dahingehend noch davon, dass sie in den Clubs durch die repetitiven Parts gut tanzbar sind, daheim gehört kann es jedoch schon einmal vorkommen, dass es Phasen der Monotonie gibt. Wurde eine gute Zutat für einen Track gefunden, und davon mangelt es auf „Look Up, I’m Down There“ keineswegs, wird jene im weiteren Songverlauf zu sehr ausgereizt. Dies bringt nicht nur ein hohes Maß an Vorhersehbarkeit mit sich, sondern lenkt die damit verursachte Monotonie leider auch schon mal in Richtung Langeweile.

Project Pitchfork (Copyright: Silent View)

Project Pitchfork (Copyright: Silent View)

Allzu abwechslungsreich gibt sich auch der Gesang auf „Look Up, I’m Down There“ nicht; changierend zwischen rezitierten und gesungenen Lyrics verlässt man sich augenscheinlich zu sehr auf den hohen Wiedererkennungswert der rauen, kratzigen, dunklen Stimme mit Hall- und Zerreffekt. Gäbe es die Musik nicht, die Project Pitchfork mit netten Zusätzen wie z.B. cembaloartige Klänge aufwerten, welche dem elektronisch-modernen Grundgerüst einen barocken Touch verleihen, würden die Titel – reduziert auf den Gesang – äußerst ähnlich klingen.

Immer wieder locken Project Pitchfork aber mit interessanten Ansätzen den Hörer zurück in das Albumgeschehen, und obwohl die Mehrheit der Titel ein hohes Clubpotenzial besitzt, dürften Fans der Electro-Pioniere auch für den Hausgebrauch mit „Look Up, I’m Down There“ ausreichend gut versorgt werden, denn mehr als auf die Beinmuskulatur ihrer Hörer legt das Trio mit ihrer aktuellen Veröffentlichung Wert auf tiefgehende Texte und Atmosphäre. Empfehlenswert!

Preview

Tracklist

01 Into Orbit
02 Titânes
03 Propaganda Child
04 Blind Eye
05 Pandora
06 …Look Up, I’m Down There
07 Volcano
08 Sunset Devastation
09 Open With Caution
10 Furious Numbers
11 Exile
12 Sky Eye

Details

Project Pitchfork – Homepage
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Label: Trisol Music Group / Soulfood
Vö-Termin: 28.10.2016
Spielzeit: 53:37

Copyright Cover: Trisol Music Group



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde