Review

Nachdem das Synthpop-Duo POS.:2 sein Debütalbum „now!“ vergangenes Jahr auf Anhieb auf Platz 1 der Deutschen Alternative Charts katapultierte, will man es mit Folgewerk „Circuits“ nun noch einmal wissen. Mit 13 neuen Songs nimmt das Projekt quantitativ gesehen einen ausreichenden Anlauf, bleibt dann aber hinter Genrekollegen deutlich zurück.

Dies liegt jedoch nicht daran, dass der hier gebotene Elektropop qualitativ zu beanstanden wäre. Sowohl an der Produktion als auch an dem einen und anderen Ohrwurm gibt es nichts zu kritisieren. Stattdessen fehlt es aber an Alleinstellungsmerkmalen. So sind kaum Momente vorhanden, die POS.:2 von anderen Synthpop-Acts abheben oder ihnen überdurchschnittliche Leistungen bescheinigen könnten. Als gewisses Etwas könnten daher am ehesten noch die sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch vorgetragenen Songs durchgehen.

Drücken die Titel auf inhaltlicher Ebene noch Emotionen aus, mangelt es der Stimme allerdings an Geschick, jene auch an die Hörer zu transportieren. Dadurch fällt „Circuits“ insgesamt sehr steril aus.
Daran ändert auch das balladeske Duett „I wanna be free“ (featuring Jeannette) nichts, von dem man sich in dieser Hinsicht deutlich mehr erhofft hätte. In Kombination mit den warmen weiblichen Vocals werden hierbei jedoch die Defizite des männlichen Gesangs sehr offensichtlich, denn jener wirkt im Regelfall sehr gepresst, ohne Volumen und fast schon gelangweilt. Was durch die eher helle Stimmfarbe noch zur kühlen Elektronik passt, kann auf Dauer zugleich sehr monoton erscheinen. Somit bleiben auch im auf Deutsch gesungenen Track „Verlorene Kindheit“ die möglichen Emotionen aus, während der Text wie abgelesen klingt. Ein wenig an Titel wie „Bitterkeit“ von L’Âme Immortelle erinnernd, finden Hörer in dieser Szenegröße eindeutig auch die bessere Alternative.

POS.:2 (Copyright: POS.:2)

Immerhin unternehmen POS.:2 mit Songs wie „Neonlicht“ musikalisch gesehen (u.a. durch NDW-Anleihen) kleine Retro-Ausflüge. Und auch der Abschlusstrack „Thunder & Sun“ versucht, ganz ohne Gesang auskommend, für Abwechslung zu sorgen. Den durch den Gesang vorherrschenden Gleichklang des Albums durchbrechen derlei Titel aber nicht oder zumindest viel zu selten.

Wenn bei POS.:2 daher nicht das Quäntchen Eingängigkeit gegeben wäre, wie u.a. in „Tonight“ zu vernehmen, würde leider der Reiz ausbleiben, sich ihr Album „Circuits“ ein weiteres Mal anhören zu wollen. Hier ist die Konkurrenz im Genre einfach zu groß, als dass POS.:2 mit dem aktuellen Silberling für nachhaltige Aufmerksamkeit sorgen könnten.

Preview

Video

Tracklist

01 I’m waiting
02 Feelings
03 So lonely
04 Neonlicht
05 Sleepless
06 I wanna be free (featuring Jeannette)
07 Tonight
08 Verlorene Kindheit
09 The Game
10 There’s still a chance
11 Wie im Traum
12 Perfection
13 Thunder & Sun

Details

POS.:2 – Homepage
POS.:2 – Facebook

Label: Echozone / Bob-Media / Believe Digital
Vö-Termin: 21.10.2016
Spielzeit: 67:27

Copyright Cover: Echozone



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde