Review

Wer brave Singer/Songwriter Mädchen mit hauchzarter Akustikgitarre mag, ist hier falsch.

So heißt es im Infoschreiben zum Debütalbum „Sound the Alarm“ von der Kölner Band Pinski, dessen Cover diese Aussage auf den ersten Blick eigentlich Lügen straft.
Doch hört man sich die elf Songs von Frontfrau Insa Reichwein, genannt Pinski, und ihrer Musikerschar in Form von Ian Alexander Griffiths (E-Gitarre, Backing Vocals), Chris Streidt (Bass, Backing Vocals) und Stephan Schöpe (Drums) einmal an, kann man dem Quartett seine rockig-rotzige Ausrichtung – fern der Lagerfeuerromantik – nicht absprechen.

Obwohl sich einige Balladen auf „Sound the Alarm“ sicherlich auch am Lagerfeuer gut hören lassen, liegt der Fokus von Pinski auf treibenden Rock-Nummern, die die Indie- und Alternative-Richtung ebenso kratzen wie (in seltenen Fällen) den Progressive-Bereich.

Das Songwriting gestaltet sich entsprechend meist zielführend und straight, birgt dann aber leider auch keine innovativen Ideen. Hierfür, so scheint es, wird dann die Progressivität bemüht, die insbesondere einem Song wie „Red Sun“ verpasst wird.

Ob massenkompatibel rockig, manchmal dabei sogar poppig angehaucht, oder progressiver – abgesehen von den Balladen besitzen die Titel allesamt viel Groove. Gleichsam ist festzustellen, dass sie ebenso vom Gesang Reichweins leben. Wäre die Frontfrau am Mikro nicht, würden die Songs weniger gut funktionieren. Ihr mal schreiendes, mal sanft ertönendes Organ versieht die Tracks mit diversen Emotionen und haucht ihnen dadurch Leben ein. Das ist nötig, sonst würden sie eher belanglos am Hörer vorbeizurauschen.

Dies wiederum liegt nicht am fehlenden Können der Musiker oder an einer etwaigen Abwechslungsarmut. Von beidem kann hier keine Rede sein. Während auf instrumentaler Ebene perfekt abgeliefert wird, trumpfen Pinski mit Songs auf, die immer wieder neue Stilelemente zum Vorschein bringen. Das kann „Sound the Alarm“ letztlich jedoch zum Verhängnis werden, denn zielgruppenorientiert geht definitiv anders.
So wird abgesehen vom Markenzeichen Pinskis, nämlich der immer wieder zum Einsatz gebrachten verzerrten Akustikgitarre, kaum Neues, Mutiges oder Kreatives geboten; vielmehr wird dies durch immer wieder verschieden angelegte Songs nur vorgetäuscht.

Pinski (Copyright: Pinski)

Macht im Ergebnis eine Wertung von 3 Sternen. Empfehlenswert dennoch – aber für wen?
Prog Rock Fans werden ein Mehr an Progressivität vermissen, waschechte Rocker müssen die (zugegeben wenigen, aber dafür penibel integrierten) Prog-Parts erdulden, Singer-Songwriter-Hörer fühlen sich komplett fehl am Platz und wer beim Produzenten Fabio Trentini aufhorcht, wird feststellen müssen, dass hier keine Schnittmenge aus seinen bisherigen Arbeiten mit Guano Apes, Donots, H-Blockx oder Subway To Sally zu hören ist. Wer sich also irgendwo dazwischen sieht, der sollte mal reinhören.

Video

Tracklist

01 Ugly Side
02 Sound The Alarm
03 Butterflies
04 III
05 Humanity
06 Fire
07 Letter Of Regret
08 Stay Alive
09 Red Sun
10 Society
11 Light Calling

Details

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Label: Gentle Art Of Music / Soulfood
Vö-Termin: 27.04.2018
Spielzeit: 48:26

Copyright Cover: Gentle Art Of Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde