Review

„All That We Had“ heißt die Platte der Franzosen Overcharger. 2010 gegründet, wird seitdem ein Stil auf Sludge, Metal und Southern in Richtung Lamb of God gepflegt. In dieser Zeit gesellt sich zu einer Demoplatte besagtes Album „All That We Had“. Das ist nicht viel in sechs Jahren Bandgeschichte, aber Qualität geht ja bekanntlich über Quantität, oder?

Ein Vergleich mit Lamb of God kommt nicht von ungefähr. Der erste Track „Streets of Terror“ beginnt zwar mit einem Grusel-Einspieler à la Aborted, startet dann jedoch in voller Lamb of God-Manier durch. Thrashig und lässig. Soundtechnisch erinnert das Album stark an Lamb of Gods Veröffentlichung „As The Palaces Burns“. Den Gehalt an Progressivität sollte man aber nicht erwarten. Basty an den Vocals klingt schön fies und ebenfalls ordentlich nach Randy Blythe. Das ist allerdings nicht negativ zu verstehen, denn er besitzt zusätzlich einen eigenen Stil.

Dies könnte man auch vom Schlagzeugsound behaupten, der roh und trocken klingt. Auch hier muss man sich eingestehen, dass der Sound prima zum Gesamtbild passt.

Ein wichtiger Aspekt ist der Sludge-Anteil in der Musik von Overcharger. Die Tracks kriechen teilweise richtig schön dahin. Obwohl dies ihr Hauptmerkmal – vor allem in den Refrains – ist, wird es immer wieder durch metallastige Passagen (z.B. in Form von Soli oder Doublebassgewittern) durchstoßen. In diesem Zusammenhang kann man Drummer Tom ruhig mal ein Lob aussprechen. Er ist wirklich fit, ohne dabei zu steif zu klingen.

„Hidden By The Moon“ ist ein Beispiel für den Ideenreichtum der Band. Im Banjo-Stil reißt das Opening-Riff sofort mit. Bastys guter Gesang kommt ebenfalls zum Vorschein. Zum Ende hin reiten Overcharger mit Route 66 Flair davon. Einer der besten Tracks auf „All That We Had“.

Overcharger (Copyright: Miguel Ramos)

Overcharger (Copyright: Miguel Ramos)

So kann man festhalten, dass Overcharger die Puste niemals ausgeht. Alle Stücke geben Vollgas und bleiben im Ohr. Nach 2-3 Durchläufen hat man jedoch das Gefühl, dass sich die Tracks wiederholen. Irgendwie findet man immer den gleichen Ablauf wieder. Dabei kann man die Stücke auch einzeln hören und ist nicht an das gesamte Werk gebunden, denn jede Nummer funktioniert für sich.

Overcharger machen auf „All That We Had“ richtig Laune. So kann hier jeder reinhören, der sich ein wenig Southern Luft um die Ohren wehen lassen möchte, denn dafür, dass Overcharger aus Frankreich kommen, machen sie ihre Sache besser als so manches Original aus den Staaten.

Video

Trackliste

01 Streets Of Terror
02 Temptations
03 Down South
04 Hidden By The Moon
05 Outlaw
06 Don’t Get Lazy Bitch
07 I Was A Soldier
08 Chainsaw Kiss

Details

Overcharger – Facebook

Label: Finesterian Dead End
Vö-Termin: 12.09.2015
Spielzeit: 40:56

Copyright Cover: Finesterian Dead End



Über den Autor

Marcus
Marcus