Review

Seit fast 30 Jahren machen Oomph! zusammen Musik und legen mit jedem Album noch einen drauf. Nach dem Jubiläumsalbum „XXV“ ist schon einige Zeit vergangen und die Fans konnten es kaum erwarten, bis die neue Scheibe auf den Markt kommt. In der Zwischenzeit hat die Band einige Konzerte und Festivals gespielt. Am 18.01.2019 erscheint nun das neue Meisterwerk mit dem Titel „Ritual“.

Die Songs

Den Einstieg macht der Track „Tausend Mann und ein Befehl“, welcher bereits als Video veröffentlicht wurde. Dieser konnte schon durch seinen ohrwurmtauglichen Sound und Text überzeugen. Das Thema des Songs könnte aber ernster nicht sein: Krieg. Zu Beginn klingt es, als ob alte Kampfflugzeuge zu hören sind, die dann in harten, abgehackten Sound übergehen. Die Drums schlagen gnadenlos den Beat und alles klingt sehr ernst. Der Refrain weist jedoch eine gewisse Leichtigkeit auf und man kann sich den Text sofort merken.

„Achtung! Achtung!“ klingt im Refrain wie ein Gebet an Gott,  bei dem sich jemand wünscht, endlich nach Hause zu kommen. Doch der Vater hat andere Pläne und freut sich über seinen Betrug. Die beiden Rollen werden durch den Gesang unterschiedlich dargestellt. Musikalisch klingen die Strophen gerade und abgehackt. Im Refrain wirkt alles fließender.

„Kein Liebeslied“ wurde ebenfalls schon als Video veröffentlicht und überzeugt auf ganzer Linie. Durch den einprägsamen Text im Refrain bleibt der Song schnell im Kopf. Im Text heißt es: „Singt mit mir!“ Also eine Aufforderung an die Hörer kräftig mitzusingen. Live wird der Track daher sicher ein Kracher. Der Song beschreibt die verschiedenen Seiten des Hasses. Die Pianoparts und auch die Tempowechsel machen das Lied sehr abwechslungsreich.

Zu Beginn wird bei „Trümmerkinder“ mit Pfeifen und Trommeln das Kinderlied „Schlaf, Kindlein, schlaf“ angestimmt. Dies wird dann durch harten Drum- und Gitarren-Sound abgelöst. Es folgt die Textzeile „Auferstanden aus Ruinen“, welche jedem bekannt sein sollte. Der Song scheint eine Abrechnung mit dem Dritten Reich zu sein. Ein beklemmendes Gefühl überkommt einen beim Hören des Textes. Dennoch kann man an dem Song sowohl musikalisch als auch textlich nichts aussetzen.

Den Tod von einem starken Europa besingen Oomph! zusammen mit Chris Harms von Lord of the Lost im passend betitelten Stück „Europa“. Die Einleitung klingt nach „Spiel mir das Lied vom Tod“. Die Themen der letzen Monate und Jahre in Europa werden auf den Tisch gebracht. Auch die Flüchtlingskrise spielt im Text eine Rolle. Instrumental wirkt der Song tragisch, düster und traurig.

„Im Namen des Vaters“ behandelt das Thema einer Klon-Armee, die in den Krieg geschickt wird. Auch hier sind Refrain und Strophen musikalisch gut strukturiert, was den Song schnell einprägsam macht.

„Das Schweigen der Lämmer“ klingt zu Beginn unheilvoll und düster. Glockenklang ist zu hören. Im Text geht es um sexuellen Missbrauch durch die Kirche. Ein sehr heikles Thema, welches jedoch durch den Song gut verarbeitet wird.

„TRRR-FCKN-HTLR“ ist textlich sehr befremdlich. Der Elektro-Sound und die Textzeilen sind nur schwer zu verdauen.  In einem Statement zum Song sagte Dero:

Wir kämpfen mit dem Text also auch für die konstruktive Auseinandersetzung mit der Rede- und Meinungsfreiheit als hohes Gut einer freien, säkularen und aufgeklärten Gesellschaft und warnen vor zu viel Zensur innerhalb der Kunst und vor gesellschaftlichen Rückschritten aufgrund von falscher Toleranz gegenüber intoleranten und demokratiefeindlichen Strömungen, weil ein übermäßig restriktives Verhalten innerhalb der Gesellschaft eher in das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte gehört und in andere, aktuelle Diktaturen, nicht aber in eine moderne und aufgeklärte Gesellschaft.

Ein Liebeslied könnte „Phoenix aus der Asche“ sein.  Die Einleitung klingt dramatisch und geht in klaren, geradlinigen Rock-Sound über. „Für immer werden wir gemeinsam Hand in Hand am Abgrund stehen.“ Der Refrain bleibt sofort im Kopf.

Oomph! (Copyright: Heilemania)

Bei „Lass‘ die Beute frei“ werden Jäger zu Gejagten. Brunftrufe eines Hirschs sind im Vorspiel zu hören. Auf instrumentaler Ebene klingt der Song fröhlich und verspielt. Man könnte vermuten, dass ein Werwolf auf der Jagd nach Jägern ist. In den Zwischenparts dürfen die einzelnen Instrumente alleine ihr Können zeigen. Die Textzeile „Ich bin bereit. Lass‘ die Beute frei“ wird zum Schluss mehrmals wiederholt und man ertappt sich dabei, die Melodie mit zu pfeifen.

Den Abschluss des Albums bildet der Track „Seine Seele“. Ein düsterer Song mit einem sehr ernsten Thema: ein Kind, das verschleppt und im Keller eines Mannes eingesperrt wird. „Sie wollte einmal nur sein Herz berührn und seine Grausamkeit verstehen.“ Die Pianoparts verleihen dem Track etwas Erhabenes.

Fazit: Wieder einmal selbst übertroffen

Mit „Ritual“ haben sich Oomph! einmal wieder selbst übertroffen. Das Album ist ein Meisterwerk, welches in keiner CD-Sammlung fehlen darf. Die Songs sind einprägsam und lassen sich auch gefühlt 1000 Mal anhören. Live wird das Album auf den Bühnen Europas sicherlich gefeiert werden.

Video

Tracklist

01 Tausend Mann und ein Befehl
02 Achtung! Achtung!
03 Kein Liebeslied
04 Trümmerkinder
05 Europa (feat. Chris Harms / Lord Of The Lost)
06 Im Namen des Vaters
07 Das Schweigen der Lämmer
08 TRRR – FCKN – HTLR
09 Phoenix aus der Asche
10 Lass‘ die Beute frei
11 Seine Seele

Details

Oomph! – Homepage | Oomph! – Facebook | Oomph! – Twitter

Label: Napalm Records
Vö-Termin: 18.01.2019
Spielzeit: tba

Copyright Cover: Napalm Records



Über den Autor

Selina
Selina
Carpe Noctem