Review

Dem einen oder anderen werden Obsidian Kingdom bereits ein Begriff sein, denn mit „Mantiis“ konnten sie einen ordentlichen Zuwachs ihrer Fanbase verzeichnen. Damals noch deutlich metallischer unterwegs kann man nun von einer gesunden Evolution sprechen. Metal gibt es immer noch, aber dafür auch deutlich mehr Experimente. „A Year With No Summer“ heißt das neue Machwerk und wie es klingt, klären wir jetzt.

Allen voran braucht hier niemand Angst zu haben, dass sich Obsidian Kingdom von ihren harten Klängen verabschieden. Jene sind nur etwas verstreut und damit weniger gebündelt.

Der Titeltrack „A Year With No Summer“ kommt beispielsweise als experimentelle Rock-Ballade mit hartem Einschlag daher. Die Stimme passt grandios zum verträumten Sound der Band, während besagter Sound komplett nach Proberaum-Feeling klingt, also etwas rotzig, aber schön natürlich.
Manchmal hat der Hörer das Problem, dass die Gitarren etwas zu laut sind und Schlagzeug sowie Vocals untergehen. Gerade im Titeltrack wirkt das aber durchgängig positiv; könnte also gewollt sein.

„Darkness“ geht hingegen etwas in die postige Richtung und „back to the roots“, obwohl die neue offenere Note von Obsidian Kingdom sehr klar zum Vorschein kommt. Zum Anspielen ist der Song auf jeden Fall zu empfehlen. Der ausgewogene Mix aus brachialen Tönen und ruhigen Passagen funktioniert hier wirklich super.

In „The Polyarnik“ meint man schließlich sogar etwas Placebo heraus zu hören. Die Jungs aus Spanien agieren gerne mal etwas depressiver, präsentieren jedoch immer ein Fünkchen Hoffnung am Ende eines Tracks.
Im krassen Gegensatz dazu steht „Black Swan“. Hier kam mir assoziativ sogar Phil Collins in den Sinn. 

Obsidian Kingdom sind recht wandelbar und wollten dieses Mal etwas anderes – und das hat funktioniert. Die Tracks klingen wie aus einem Guss. Maximal in „10th April“ gibt es einen kleinen Durchhänger, da nur Noise-Elektro-Gedrücke zu hören ist. Das ist eben ein Zwischenspiel und mehr nicht.

Das Highlight haben sich die Jungs aber mit „Away / Absent“ übriggelassen. Und so ist der letzte Track gleichzeitig der beste auf „A Year With No Summer“. Gelegentliche Sample mit Tomspiel und einer eingängigen Bassline dominieren den ersten Teil des Songs, der die Zwölf-Minuten-Marke kratzt. Der andere Teil wird durch Geschrei und Blastbeats überrannt. Ein epischer Track, der das Ende der Scheibe einleitet und das mit Gewalt.

Obsidian Kingdom (Obsidian Kingdom)

Obsidian Kingdom (Obsidian Kingdom)

Dieses Album ist wahrlich nicht für jedermann. Man muss ein wenig offen sein und diese Platte im Gesamten genießen. Einzelne Tracks funktionieren eher wenig, sodass der Hörer Zeit mitbringen muss. Wenn man sich aber erst einmal auf die Klanggewalt eingelassen hat, kommt man aus den verschiedenen Emotionen gar nicht mehr heraus. Die Proberaum-Atmosphäre untermalt den einzigartigen Sound der Band. Der schwere Zugang zu dem Material erschwert zwar ein wenig die Massenkompatibilität, aber dafür stehen Obsidian Kingdom auch nicht.
Mut zum Anderssein und Mut dafür, dies zu unterstützen.

Video

Trackliste

01 A Year With No Summer
02 10th April
03 Darkness
04 The Kandinsky Group
05 The Polyarnik
06 Black Swan
07 Away / Absent

Details

Obsidian Kingdom – Homepage
Obsidian Kingdom – Facebook
Obsidian Kingdom – Twitter

Label: Seasons of Mist
Vö-Termin: 11.03.2016
Spielzeit: 47:38

Copyright Cover: Seasons of Mist



Über den Autor

Marcus
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