Review

Puh, was habe ich mich mit dem Album „Mantiis“ von Obsidian Kingdom schwergetan. Das Cover sah nicht sehr einladend aus; aus einem Menschenkopf kommt das Bein einer Gottesanbeterin. Yummy, aber davon lässt man sich ja nun nicht abschrecken.

Seit 2005 sind die Mannen aus Barcelona auf den Beinen und versorgen die Welt mit, wie sie es sagen, „hard-to-classify heavy sound with plenty of contrast“. Dem kann man nicht viel hinzufügen, denn Obsidian Kingdom machen so viel in ihren Songs, dass man nicht klar sagen kann „die sind Metal“ oder „die machen guten Rock“. Sie machen einfach ziemlich viel gut. Kann „Mantiis“ aber auf langfristige Sicht überzeugen?

Obsidian Kingdom starten sehr minimalistisch, dennoch modern. Eine reduzierte Melodie, ein paar Synthis und viel Leid. Am Anfang schaut man vielleicht komisch, da man mehr erwartet, aber dieser Einstieg ist genau richtig.

Die Platte hat, so viel vorweg, nicht viele Ausreißer in härtere Gefilde. Vielmehr liegt der Fokus auf gutem Songwriting, welches auf „Mantiis“ auch sehr gut gelungen ist. Mir gefällt es immer, wenn sich Bands Zeit in ihren Songs nehmen und nicht ein Kracher-Riff nach dem anderen raushauen, dass man vor lauter Geilheit gar nicht mehr atmen kann.

„Oncoming Dark“ zum Beispiel ist 2:50 Minuten lang, aber nach dem Song kommt es einem vor, als ob man das ganze Album durchgehört hat. Die ersten zwei Minuten vergehen langsam, die Stimmung ist ruhig und entspannt, doch dann öffnet sich der Song für die letzten paar Sekunden.

Direkt danach folgt mit „Through the Glass“ ein Stück komplett ohne Gesang. Auch dieses kann überzeugen. Durch harte Töne, die nicht schnell sind, sondern eher brachial inklusive orchestralen Arrangements haben die Jungs schon gezeigt, wie ihr Album aufgebaut ist.

Mit „Cinnamon Balls“ wird das Tempo nochmals angezogen. Es wird etwas Black metallisch. Der Gesang erinnert mich an Angela Gossow, nur eben männlich. Ab der Hälfte kommt noch einmal die moderne Note durch. Es wird etwas djentig und deathcorig. Aufgefrischt durch ein paar Synthis und eine Opeth-Aura bin ich hellauf begeistert von diesem Stück. Das alles ist in ca. drei Minuten verpackt. Andere Bands schreiben damit ein ganzes Album. Obsidian Kingdom haben einfach so viel Kreativität und nutzen sie.

In den ruhigeren Passagen ist das Schlagzeug oftmals etwas überpräsent. Das stört ein wenig, aber nur minimal, da die Musiker ansonsten sehr gut zusammenarbeiten. Sie bilden eine Einheit und machen „Mantiis“ authentisch.

In „Last of the Light“ wird das ganze Potenzial der Band erneut so richtig klar. Black Metal Gewitter trifft auf eine chillige und atmosphärische zweite Hälfte, die etwas jazzig daher kommt. Wirklich ein Monstrum und einer der besten Songs zugleich.

Obsidian Kingdom (Copyright: OYEME!)

Obsidian Kingdom (Copyright: OYEME!)

„Awake until Dawn“ erinnert stark an Cult of Luna. Dissonante Riffs treffen und brachialen Stoner Rock. Auch hier ist der Gesang minimalistisch, man könnte fast meinen, dass er nur als Effekt herhalten muss. Da sich Rider an der Gitarre und Zero an den Keys aber den Gesang teilen, ist das nicht verwunderlich. Sie haben nebenher ja noch etwas anderes zu tun.

„Ball-Room“ bildet quasi das Ende von „Mantiis“. Erst jetzt kommt ein wenig Prog rein. Das habe ich über die ganze Scheibe hin etwas vermisst.
Zudem muss man noch erwähnen, dass „Mantiis“ nicht zum Nebenherhören ist. Wieder einmal eine Band, die es schafft, ihre Hörer zu fordern.

Fazit: „Mantiis“ ist ein unfassbar gutes Album. So viel Kreativität habe ich lange nicht auf den Ohren gehabt. Sie können viel und spielen diese Karte gekonnt aus. Rock trifft Metal trifft ziemlich viel drumherum. Der Sound ist natürlich, auch wenn das Schlagzeug manchmal over the top ist; zumindest in den ruhigen Passagen.
Obsidian Kingdom sollte jeder auf dem Schirm haben, der gern abseits des Tellerrandes vorbeischaut, um mal etwas Neues aufzugabeln.

Video

Tracklist

01 Not Yet Five
02 Oncoming Dark
03 Through the Glass
04 Cinnamon Balls
05 The Nurse
06 Answers Revealing
07 Last of the Light
08 Genteel to Mention
09 Awake until Dawn
10 Haunts of the Underworld
11 Endless Wall
12 Fingers in Anguish
13 Ball-Room
14 And Then it Was

Details

Obsidian Kingdom – Homepage
Obsidian Kingdom – Facebook
Obsidian Kingdom – Twitter

Label: Season of Mist
Vö-Termin: 24.10.2014
Spielzeit: 47:01

Copyright Cover: Season of Mist



Über den Autor

Marcus
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