Review

Was tun, wenn man mit seinen Aktivitäten in diversen Bands noch nicht ausgelastet genug ist und/oder man vor Kreativität übersprudelt? Richtig, dann muss ein Soloalbum her. So geschehen im Fall von Nils Patrik Johansson (Lion’s Share, Astral Doors, ex-Civil War), bei dem sich seit mehr als zehn Jahren derart viel Material angesammelt hat, das nun in Form von zwölf Songs auf dem Silberling „Evil Deluxe“ veröffentlicht wird.

Schon bei den anfänglichen Klängen des ersten Liedes, dem gleichzeitigen Titeltrack, der sich dem Intro „Baal“ direkt anschließt, weiß der Hörer, mit wem man es zu tun hat und wo die musikalische Reise hingehen wird: Die unverkennbare Stimme von Nils Patrik Johansson singt sich im Folgenden durch melodischen Heavy Metal.

Dabei gehen Eingängigkeit und Professionalität Hand in Hand.
Während sich von galoppierenden Gitarren dominierte genretypische Songs aneinanderreihen, sorgt eine druckvolle Produktion für den nötigen energetischen und satten Klang. Die Sechssaiter beschränken sich allerdings nicht nur auf ihre Lead- und Begleitfunktion, sondern toben sich gerne auch mal in verspielten Soli aus. Keyboards und sinfonische Anleihen sorgen indes für Dichte und Bombast aus dem Hintergrund. Und damit nicht genug, birgt ein „How The West Was Won“ außerdem elektronische Einsprengsel.

Jener Song zeigt allerdings auch, dass die Stärken von „Evil Deluxe“ eindeutig in den schnelleren Titeln liegen.
So nimmt „How The West Was Won“ nach dem überzeugenden Headbang-Dreiergespann „Evil Deluxe“, „Estonia“ und „Gasoline“ kurzweilig etwas Tempo heraus und will sich scheinbar im weiteren Songverlauf zu einer Hymne entwickeln, verpasst dies dann aber, da hier nicht auf den Punkt gekommen wird. Das Mitsingpotenzial eines zukünftigen Live-Dauerbrenners bleibt damit weitgehend ungenutzt; zusätzlich hätte dem Titel bei seiner Länge von knapp 7 Minuten stellenweise etwas mehr Dynamik gutgetan.

Raffiniert streut Nils Patrik Johansson dafür jedoch eine bekannte Melodie in diesen Song (und auch eine in den Song „Evil Deluxe“) ein. Ein Detail mehr also, das es auf dem Album zu entdecken gibt.
Dazu gehört auch, dass sich Nils Patrik Johansson für den Song „Metalhead“ mit Chris Boltendahl (Grave Digger) einen ebensolchen als Gastsänger dazugeholt hat. Entstanden ist somit eine kleine Ode an das hier gelebte Genre, das durch Boltendahls Stimme auch gesanglich etwas Abwechslung verpasst bekommt.

Insgesamt lassen sich auf „Evil Deluxe“ von Nils Patrik Johansson einige Parallelen zu seinen anderen Bands erkennen. So ist deutlich hörbar, in welchen Truppen der Musiker abseits seiner Solopfade musikalisch tätig ist. Letztlich ist das insofern nicht tragisch, da seine Hörer mit seinem Alleingang nun eine weitere Möglichkeit haben, in den Genuss dieses markanten Organs zu kommen. Damit ist „Evil Deluxe“ sowohl für Fans seiner Bands, als auch für den geneigten Heavy Metal Fan eine Anschaffung wert.

Video

Tracklist

01 Baal
02 Evil Deluxe
03 Estonia
04 Gasoline
05 How The West Was Won
06 September Black
07 Kings And Queens
08 Burning
09 Metalhead
10 Circle In The Sky
11 Dark Evolution
12 A Waltz For Paris

Details

Nils Patrik Johansson – Facebook

Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 25.05.2018
Spielzeit: 57:37

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde