Review

Nightmarer, die Jungs rund um die Masterminds Simon Hawemann und Paul Seidel von ehemals War from a Harlots Mouth, haben sich dem dissonanten Extreme Metal verschrieben und konnten uns bereits 2016 mit ihrer sehr kurzen EP „Chasm“ überzeugen. Albträume und purer Hass bestimmen ihren Stil; auch ihre aktuelle Platte „Cacophony of Terror“ fährt exakt diese Schiene – ohne Schnickschnack und Chichi. Ob dieses Konzept über zehn Songs fesseln kann, klären wir jetzt.

Mit dem Opener „The Descent“ geht es groovig voran, während einzelne heavy Saitenhiebe die Marschrichtung vorgeben. So weit, so Nightmarer. Der sanfte Einstieg ist geglückt. Der Track bleibt doomig angehaucht, was gut auf das Folgende einstimmt, denn „Stahlwald“ schlägt mit gewaltigen Blastbeats und Dissonanzen, wohin das Auge bzw. Ohr reicht, dann schon mehr die War from a Harlots Mouth-Richtung ein. Sänger John Collett ist dabei immer etwas blass unterwegs. Das soll aber nicht negativ verstanden werden, vielmehr wirkt seine Stimme in dem angestrebten Kontext sehr passend.

Songs wie „Skinner“ oder „Fetisch“ wurden bereits im Vorfeld zur Albumveröffentlichung präsentiert und gerade „Fetisch“ kann besonders überzeugen, da er trotz des gewaltigen Sounds eine klassische Songstruktur aufweist und noch dazu sehr eingängig ist. Das ist bei dieser Art Musik natürlich per se schon ein Kunststück.

„Tidal Waves of Terror“ entpuppt sich als ähnliches Kunstwerk, wirkt dabei aber etwas verträumter. Es wird sphärisch und sehr atmosphärisch. Eindeutig ein Highlight auf der Platte.

„Ceremony of Control“ wiederum könnte man schon von der EP „Chasm“ kennen. Auf „Cacophony of Terror“ gibt es diesen Song nun auch, jedoch in einem anderen Mix – und der gefällt leider gar nicht. Merkwürdig anders gestimmt und etwas langsamer will der Titel in dieser Form nicht richtig zünden.

Nightmarer (Copyright: Justina Villanueva, 2016)

Nichtsdestotrotz schaffen es Nightmarer, Energien auf den Hörer zu übertragen. Der Sound ist gewaltig und satt. Man sollte jedoch zu Kopfhörern greifen, um wirklich alles aus der Scheibe herauszuhören, denn vor allem die zahlreichen Details machen „Cacophony of Terror“ erst richtig interessant.

Hinter Nightmarer stehen unumstritten grandiose Musiker, die ihren Stil gefunden haben und diesen knallhart durchziehen. Leider wirkt der „Aus-einem-Guss“-Effekt bei „Cacophony of Terror“ jedoch eher negativ, denn die Tracks bauen oft auf den gleichen Bausteinen auf und werden somit austauschbar. Das fällt insbesondere beim mehrmaligen Hören ins Gewicht. Schade, denn man hat sich unfassbar viel von diesem Album erhofft. Fans von dissonanten Songs sollten dennoch ein Ohr riskieren.

Video

Trackliste

01 The Descent
02 Stahlwald
03 Skinner
04 Bleach
05 Cave Digger
06 Fetisch
07 Tidal Waves of Terror
08 Ceremony of Control
09 Death
10 Swansong

Details

Nightmarer – Homepage
Nightmarer – Facebook

Label: Season of Mist
Vö-Termin: 23.03.2018
Spielzeit: 35:23

Copright Cover: Season of Mist



Über den Autor

Marcus
Marcus