Review

Schwarzmetallische Misanthropie meets post-rockige Melancholie – Nemesis Sopor widmen sich auf ihrem dritten Album namens „MMXL“ beiden Genres und bündeln deren musikalische Essenzen zu einem atmosphärisch-dichten Gesamtkonstrukt, das den gehaltvollen Inhalt des als Konzept angelegten Opus untermauert.

Das behandelte Thema der künstlichen (Super-)Intelligenz und die daraus resultierende destruktive Zukunftsvision werden auf textlicher Ebene brillant in (deutschsprachige) Verse transformiert, die mal pathetisch, mal poetisch und zu aller Zeit niveauvoll ausfallen. Songnamen wie „Untertan“, „Saat“, „Herrscher“ oder „Despot“ lassen in ihrer präzisen und gleichsam einfachen Art zunächst nicht erkennen, was die Lyrics schließlich offenbaren.

Hier heißt es nicht nur wegen der Tiefgründigkeit der Gedankengänge von Nemesis Sopor genau hinzuhören, auch der (leider häufig zu sehr) in den Hintergrund gerückte Gesang und die gutturale Performance verlangen danach, wenngleich gerade letztere trotz des Hauptanteils an Growls und Screams sehr verständlich in die Ohren der Hörer dringt. Nemesis Sopor beschränken sich dabei nicht nur auf die genretypischen Merkmale, sondern präsentieren ihre Texte auch mal mehr gesprochen bzw. geflüstert als gesungen, was an betreffender Stelle letztlich zum Inhalt hervorragend passt und die Intentionen einmal mehr untermauert.

Doch Nemesis Sopor können nicht nur auf textlicher Basis überraschen und überzeugen, indem die Band nicht nach der üblichen Steigerung „böse – böser – Black Metal“ agiert (und das unter Berücksichtigung gängiger Genre-Klischees), auch musikalisch trifft man nicht auf die vielleicht befürchtete Eintönigkeit; für Black Metal Verhältnisse fällt „MMXL“ sogar ausgesprochen abwechslungsreich aus.

Schon die ausgedehnten Songlängen (abgesehen vom kurzen instrumentalen Intermezzo „Saat“ sich meist zwischen 6 und 16 Minuten bewegend) deuten darauf hin, dass Nemesis Sopor ihren Titeln Raum geben, um sich zu entfalten. Dies kommt vor allem der Atmosphäre zugute, die kritiklos begeistert. Förderlich dafür sind zudem die zahlreichen ruhigen Parts, die immer wieder wohltuend die ordentlich scheppernden Passagen durchbrechen und auflockern.

Nemesis Sopor (Copyright: Nemesis Sopor)

In diesem Zusammenhang ertönt dann auch schon mal eine Akustikgitarre; und insgesamt schneidet die Gitarrenarbeit auf „MMXL“ perfekt ab. Durch akzentuiertes Spiel und die Wiedergabe gefühlvoller Melodien ist es ein Genuss, den Sechssaitern bei der Arbeit zuzuhören. Eventuell ist auch dies ein Grund dafür, dass der Gesang zu hintergründig wirkt.

Ganz ohne Makel kommt „MMXL“ am Ende nicht daher, doch Nemesis Sopor beweisen, dass ihr Album trotzdem überzeugen und begeistern kann.

Video

Tracklist

01 Untertan
02 Saat
03 Herrscher
04 Despot
05 MMXL
06 Atarax
07 Zeit der Sterne

Details

Nemesis Sopor – Homepage
Nemesis Sopor – Facebook

Label: Geisterasche Organisation
Vö-Termin: 17.02.2017
Spielzeit: 57:17

Copyright Cover: Geisterasche Organisation



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde